ADB:Busch, Dietrich Wilhelm Heinrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Busch, Dietrich Wilhelm Heinrich“ von Karl von Hecker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 635–636, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Busch,_Dietrich_Wilhelm_Heinrich&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 11:14 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Busch, August Ludwig
Band 3 (1876), S. 635–636 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Dietrich Wilhelm Heinrich Busch in der Wikipedia
GND-Nummer 100065252
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|635|636|Busch, Dietrich Wilhelm Heinrich|Karl von Hecker|ADB:Busch, Dietrich Wilhelm Heinrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=100065252}}    

Busch: Dr. Dietrich Wilhelm Heinrich B., Gynäkologe, geboren 16. März 1788 zu Marburg in Kurhessen, † 15. März 1858 zu Berlin. Seine Studienzeit fiel in die Napoleonischen Kriege, und wurde schon 1806 und 1807 durch freiwilligen Dienst im französischen Lazareth, 1808 in dem der polnischen Legion zu Marburg ausgefüllt. Bei dem vom Freiherrn v. Dörnberg organisirten Aufstande gegen den König von Westfalen Jérôme betheiligt, mußte er, als der Aufstand im Keime erstickt wurde, fliehen, hielt sich einige Monate bei einem befreundeten Oberförster im Kölnischen Sauerland versteckt, wurde bald darauf amnestirt, und diente nun ununterbrochen bis zum October 1813 in den französisch-westfälischen Lazarethen; am 13. Jan. 1814 wurde er, noch nicht 26 Jahr alt, zum Generalstabsarzte des in das Feld rückenden hessischen Armeecorps ernannt, ein Beweis, wie sehr der verheerende Lazarethtyphus, dem B. selbst beinahe erlegen wäre, unter den Aerzten aufgeräumt hatte, so daß man bei der Besetzung der Stellen zu den jüngsten Kräften greifen mußte. Aus dem Felde zurückgekehrt wurde er im December 1814 zum außerordentlichen Professor ernannt, [636] und hielt als solcher Vorlesungen über Chirurgie, der er sich widmen wollte; die Verhältnisse an der Universität bestimmten ihn aber, sich der Geburtshülfe zuzuwenden, für welches Fach er am 20. Juni 1817 zum ordentlichen Professor und zwar in einer Facultät, in der schon sein Großvater und Vater (letzterer Joh. David B., † 8. April 1833) in gleicher Eigenschaft gewirkt hatten, befördert wurde; am 23. Juni 1820 wurde ihm auch die geburtshülfliche Klinik übertragen. Im Mai 1829 erhielt er an Stelle des verstorbenen Elias v. Siebold einen Ruf als Professor der Geburtshülfe und Director der Entbindungsanstalt nach Berlin, welchem er im September desselben Jahres Folge leistete; von da ab blieb er dort bis zu seinem Tode, also beinahe 29 Jahre, in ununterbrochener Thätigkeit. – Busch’s Verdienste um sein Fach liegen hauptsächlich nach der operativen Seite desselben: seine 1823 erschienenen Betrachtungen über die Wendung sind sehr lehrreich, besonders das, was sich auf die Festschnürung des uterus um die Frucht nach dem Wassersprunge bezieht, wobei er den krampfhaft entzündlichen Zustand und die Erstarrung (tetanus uteri) unterscheidet; auch würdigte er die Wendung auf den Kopf wieder mehr, als seine Vorgänger, stellte gewisse Bedingungen für ihre zweckmäßige Verrichtung auf, und empfahl als Methode die directe Einwirkung der operirenden Hand auf den Kopf des Kindes. Ueber die sogenannte Selbstwendung theilte er seine Erfahrungen dahin gehend mit, daß dabei vor Abgang des Fruchtwassers in der Regel der Kopf, nach dem Wassersprung aber der Steiß eintrete. Auch zur Lehre von der Perforation des Kopfes bei der Geburt hat B. Beiträge geliefert, und stellte dabei gegen Wigand den Satz auf, daß ein lebendes Kind unter keinen Umständen perforirt werden dürfe, fügte aber hinzu, daß, wenn der Geburtshelfer bei einer Einkeilung des Kopfes vergeblich die Zange angewendet hat, und er einsieht, daß er diese Versuche nicht fortsetzen darf, ohne die Weichtheile der Mutter einer lebenssgefährlichen Quetschung auszusetzen, er alsdann zur Perforation seine Zuflucht nehmen solle. An der Lehre von der künstlichen Frühgeburt betheiligte er sich durch Erfindung eines Dilatatoriums behufs Ausdehnung des Muttermundes und Erleichterung der Einführung des Preßschwammes. Außer zahlreichen Journalaufsätzen, welche B. für die von ihm mit redigirte gemeinsame deutsche Zeitschrift für Geburtskunde (1825–1834), später Neue Zeitschrift (1834 bis 1853), zuletzt Monatsschrift (1853–1869) genannt, schrieb, hat er folgende Werke herausgegeben: „Lehrbuch der Geburtskunde“, 1829. Fünfte Aufl. 1849; „Die theoretische und praktische Geburtskunde durch Abbildungen erläutert. Hierzu ein Atlas von 50 Steindrucktafeln in Folio“, 1838; „Das Geschlechtsleben des Weibes in physiologischer, pathologischer und therapeutischer Hinsicht“, 5 Bände. 1839–44; „Atlas[WS 1] geburtshülflicher Abbildungen mit Bezugnahme auf das Lehrbuch der Geburtskunde“, herausgegeben mit 48 Tafeln. 1841. 2. Aufl. 1851; Busch und A. Moser, „Handbuch der Geburtskunde in alphabetischer Ordnung.“ 4 Bände. 1840–43.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Altlas