ADB:Caesar, Aquilin Julius

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Artikel „Caesar, Aquilin Julius“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 685–686, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Caesar,_Aquilin_Julius&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 03:23 Uhr UTC)
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Caesar: Aquilin Julius C., geb. zu Gräz 11. Nov. 1720, gest. zu Weizberg bei Weiz in Steiermark 2. Juni 1792. Einer Görzer Familie entstammend, Sohn eines bemittelten und angesehenen Vaters, trat der sechzehnjährige, am Gräzer Gymnasium und Lyceum geschulte Jüngling (1736) in das Kloster der regulirten Chorherren in Vorau, wurde 1743 Priester, dann Lehrer der Stiftsschule, 1761 Pfarrer zu Dechantskirchen im Friedberger Decanate und 1765 Stadtpfarrer zu Friedberg. Aus Gesundheitsrücksichten gab er diese Stellung auf und verlebte die Zeit von 1784 bis zu seinem Tode bei seinem Jugendfreunde, dem allgemein geachteten Kreisdechanten Josef Peinthor in Weizberg. Ungemein lernbegierig und strebsam verspürte C. in dem mit Handschriften, Urkunden und Büchern gut versehenen Kloster Vorau alsbald den Trieb und Beruf zum Geschichtsforscher und Geschichtschreiber, und diese Erkenntniß, verbunden mit ausgezeichnetem Gedächtniß und einer Arbeitskraft, die man dem schwächlichen Körper nicht zugetraut hätte, ließ unsern C. zum verdienstvollen Chorführer und Patriarchen der neueren steiermärkischen Geschichtschreibung werden. Allerdings überwiegen Fleiß und Gewissenhaftigkeit im Sammeln und Verarbeiten des Materiales, während kritische Schärfe und stilistische Durchbildung seiner historischen Arbeiten mehr in den Hintergrund treten. – C. studirte aber auch fleißig kirchenrechtliche Fragen und arbeitete in dieser Richtung eifrig als Freund des kirchlichen Friedens und des Staatswohles. Als humaner, gebildeter Geistlicher, den man im besten Sinne einen Josephiner nennen darf, stand er, so wie seine Stiftsgenossen Biliothekar J. Zunggo, Dechant Gusman, mit Standesgenossen österreichischer und baierischer Klöster in reger Correspondenz, die den litterarischen Bestrebungen jener Zeit ein eifriges auch polemisches Augenmerk zuwandte. Außer einer ansehnlichen Zahl handschriftlicher Werke, unter denen insbesondere eine groß angelegte Arbeit über die Utrechter Kirche hervorzuheben ist, hinterließ er an 17 größere und kleinere Druckwerke, die wir in nachstehender Anordnung verzeichnen wollen: a) Ueber Landesgeschichte der Steiermark 1) 1768–1779 „Annales ducatus Styriae, cum adiecta finitimarum Bavariae, Austriae, Carinthiae, Salisburgi, Aquilejae etc. historia … ex antiquis historiae monumentis collecti“. Cäsars Hauptwerk; leider unvollendet geblieben. Der I. Theil, 1768 zu Gräz in Folio erschienen, reicht bis ins 13. Jahrhundert, der II. ebd. 1773 bis ins 15., der III. (1779) dem der Textabdruck der Cillier Chroniken vorangestellt erscheint, bis zum Tode Maximilians I. (1519). Der im Manuscript ganz ausgearbeitete IV. Bd., längere Zeit eines Verlegers harrend, ging zu Wien, wie es heißt, in den Räumen der kaiserl. königl. Censurbehörde verloren (!), ohne daß es dem Vorauer Kloster gelang, diese werthvolle Hinterlassenschaft Cäsar’s wieder ans Tageslicht zu bringen. 2) 1785–1788 „Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steiermark“. 7 Bde. Gräz. 8. Eine compendiarische Arbeit geringeren und ungleichen Werthes. b) Zur Topographie und Landeskunde der Steiermark: 3) 1773 „Beschreibung des Herzogthums Steiermark“. [686] 2 Bde., Gräz gr. 8. Neue (Titel)-Ausgabe 1786. 4) 1781 „Beschreibung der Hauptstadt Gräz und aller darin befindlichen Merkwürdigkeiten, nach dem Muster der Berliner und Potsdamer Beschreibung eingerichtet“. 3 Thle. Salzburg 8. c) Kirchenrechtliche Arbeiten, fünf an der Zahl, darunter als Hauptwerk: „National-Kirchenrecht Oesterreichs, oder Verbindung der kaiserl. königl. Verordnungen in publico ecclesiasticis mit dem päpstlichen Rechte aus den Decretbüchern Gregors IX“. 5 Bde. Gräz 1788–1799, denen ein 6. Bd. 1791 sich anschloß, enthaltend die kaiserl. königl. Resolutionen von 1786 bis 1790. ebda. 8. d) Theologisch-philosophische Abhandlungen über das Fasten, die Aufklärung, Geistererscheinungen, Besessene, Zauberei, Wunderwerke der ersten Christenzeit; erschien 1788–1789. e) Litterargeschichtliche „Geschichte der Gelehrten Innerösterreichs“ I. Thl. (blieb unvollendet).

Biogr. litt. Notizen über Cäsar: De Lucas’ Gel. Oesterr. I. Bd. I. St. S. 53; Schlichtegroll’s Nekrolog auf d. J. 1792 II. Bd. S. 221–227; Koppen’s jurist. Almanach v. d. J. 1793. S. 296–298; Meusel’s Lex. II. 3–5; Oesterr. Nat. Enc. I. 437–438; Winklern, Biogr. und litter. Nachr. von den Schriftstellern und Künstlern der Steiermark. Gräz 1810. S. 18 bis 22.