ADB:Canitz, Friedrich Freiherr von

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Artikel „Canitz, Friedrich Rudolf Freiherr von“ von Hermann Palm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 756, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Canitz,_Friedrich_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 01:29 Uhr UTC)
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Canitz: Friedrich Rudolf Freiherr v. C., brandenburgischer Staatsrath und deutscher Dichter, geb. 27. Nov. 1654 zu Berlin, † 1. Aug. 1699. Geboren nach dem Tode seines Vaters, des kurbrandenburgischen Hof- und Kammergerichtsrathes Ludwig v. C., bezog er 17 Jahre alt die Universität zu Leiden, dann zu Leipzig, bereiste Italien, Frankreich, England und Holland, wurde nach seiner Rückkehr Kammerjunker des Kurfürsten Friedrich Wilhelm und begleitete diesen auf seinen Kriegszügen nach Pommern und Schweden. Nach deren Beendigung wurde er zum Amtshauptmann in Trebbin und Zossen, 1680 aber zum Hof- und Legationsrath ernannt und bei verschiedenen Gesandtschaften verwendet, namentlich verweilte er längere Zeit in Hamburg. Kurfürst Friedrich III. machte ihn 1697 zum geheimen Staatsrath und Kaiser Leopold erhob ihn in den reichsfreiherrlichen Stand. Auf einer Gesandtschaftsreise im Haag erkrankt, nahm er seine Entlassung und starb 44 Jahre alt in Berlin. – Durch seine gesellige Bildung und Gewandtheit, wie durch vielseitige Sprach- und Sachkenntnisse zu diplomatischen Geschäften besonders geeignet, erwarb sich C. als Staatsmann durch die Treue und Geschicklichkeit seiner Geschäftsführung und als Mensch durch die Integrität und Menschenfreundlichkeit seines Charakters hohe Achtung. Von Jugend auf betrieb er die Dichtkunst, doch nur als Nebenbeschäftigung und Erholung in freien Stunden. Eine höhere Anschauung von ihrem Zwecke als seine Zeitgenossen hatte auch er nicht. Dichterruhm war ihm gleichgültig, wie er denn seine Dichtungen nicht einmal selbst veröffentlicht hat; aber freilich war auch seine dichterische Begabung nur untergeordneter Art; in keiner Weise selbständig hat er seinem Namen in der Litteraturgeschichte mehr durch negative als positive Eigenschaften Bedeutung verschafft. Seine Gedichte sind didaktische und lyrische, letztere zum Theil Gelegenheitsgedichte. Am glücklichsten war er noch in der Satire, die er im Stil und Charakter ganz dem Vorbilde Boileau’s folgend, als Gattung zuerst wieder in Deutschland ins Leben rief. Trocken und ohne Originalität sind seine lyrischen und geistlichen Gedichte, selbst die berühmte Trauerode auf den Tod seiner Gattin nicht ausgenommen, in der neben dem rhetorischen Schmuck noch am meisten echtes Gefühl durchbricht. Das Ansehen, was C. lange als Dichter genossen hat, beruht unleugbar zum großen Theile, wie das mehrerer seiner adlichen Zeitgenossen, z. B. v. Assig’s, auf dem Glanze seiner äußeren Stellung; dennoch bezeichnet seine Dichtungsweise einen wirklichen Fortschritt der Poesie. Gegenüber dem gelehrten Wuste, dem Schwulste und dem Schmutze der zweiten schlesischen und der rohen Natürlichkeit der Weisischen Schule hat C. durch reinen und einfachen Inhalt, geläuterten Geschmack und klare, bestimmte und oft anmuthige Sprache die Dichtkunst würdiger und sittlicher gestaltet und ihr die edleren und besseren Gemüther, auch in höheren Kreisen wieder zugewendet. Dieses, aber kein höheres Verdienst darf ihm zuerkannt werden. Seine Gedichte gab zuerst ohne Namen des Verfasser Joach. Lange 1700 in Berlin heraus, dieser Ausgabe folgten acht andere bis 1719; vollständiger war die Ausgabe von J. U. König, Berlin und Leipzig 1727 u. ö., 1765 mit dem Leben des Dichters. Ein Nachdruck ist die Ausgabe von Bodmer 1737.

Hoffmann im Weimarischen Jahrbuche 4, 31. v. Varnhagen, Biograph. Denkmale, Bd. IV. Jacobs, Nachträge zu Sulzer’s allgem. Theorie der schönen Künste 3, 2 ff.