ADB:Collin, Alexander

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
(Weitergeleitet von ADB:Colin, Alexander)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Collin, Alexander“ von David von Schönherr in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 406–407, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Collin,_Alexander&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 08:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Colli, Hippolyt von
Band 4 (1876), S. 406–407 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Alexander Colin in der Wikipedia
GND-Nummer 118669737
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|4|406|407|Collin, Alexander|David von Schönherr|ADB:Collin, Alexander}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118669737}}    

Collin: Alexander C., geb. zu Mecheln; nach bisheriger Annahme 1526. Damals stand in Brabant gerade die Zunft der Bildschnitzer und Steinmetze in großer Blüthe. Seinen Ruf als hervorragender Steinmetz erhielt C. durch seine Arbeiten an und in dem Schloß zu Heidelberg, wo er mit 12 Gesellen die Marmorarbeiten zum Palast des Pfalzgrafen übernommen hatte, darin aber durch den Tod des Fürsten unterbrochen worden war. Kaiser Ferdinand I., welcher 1562 in Frankfurt von dem berühmten Steinmetz hörte, vielleicht auch seine Arbeiten in Heidelberg selbst gesehen hatte, berief C., welcher inzwischen in seine Heimath zurückgekehrt war, nach Innsbruck, um die dort von den Gebrüdern Abel (vgl. Bd. I. S. 11) begonnenen Reliefs zum Grabmal Kaiser Maximilians I. zur Fortsetzung und Vollendung zu übernehmen. C. kam, dem ehrenvollen Rufe folgend, noch 1562 nach Innsbruck. Die abgedankten Brüder Abel hatten von den 24 Reliefs nur drei und diese wenigen nicht ganz vollendet. Mit riesigem Fleiße machte sich nun C. an die Arbeit, die ihm in der Folge eine ehrenvolle Stelle in der Kunstgeschichte für immer gesichert hat. Als der Kaiser im folgenden Jahre nach Innsbruck kam, fand er das erste Relief Collin’s vor und drückte darüber dem Meister sein größtes Wohlgefallen und den Wunsch aus, das Werk noch bei seinen Lebzeiten vollendet sehen zu können. Nach dem baldigen Tode des Kaisers setzte der Meister im Einverständnisse mit der Regierung zu Innsbruck das begonnene Werk fort und als Erzherzog Ferdinand 1567 nach Tirol kam, um die Regierung des Landes zu übernehmen, fand er sämmtliche Reliefbilder vollendet vor. C. erhielt für jedes Relief 200 fl., eine nicht blos an und für sich, sondern insbesondere mit Rücksicht auf die Bezahlung, welche die Gebrüder Abel für ihre wenige und verhältnißmäßig schlechte Arbeit empfingen, höchst geringe Summe. Das verdiente Geld kam ihm auch nicht allein zu Statten, er hatte vier Gesellen aus den Niederlanden kommen lassen, die ihn in seiner Arbeit zum Grabe Maximilians unterstützten, worunter namentlich einer, Heinrich Hagart, dem Meister vom Anfang bis zum Ende treu zur Seite stand. Die Zeichnungen zu den Reliefbildern stammen übrigens nicht von der Hand Collin’s; sie sind das Werk Florian Abel’s, Malers zu Prag, eines [407] Bruders der beiden Bildhauer. C. gebührt bei diesem Werke allein das Verdienst, die Malerei mit unerreichter Meisterschaft in Marmor ausgeführt zu haben. Unter seinen Händen schien das harte Gestein widerstandslos dem Meißel sich gefügt zu haben. Nach Vollendung der Reliefbilder von Erzherzog Ferdinand, dem Sohne Ferdinands I., nach Prag berufen, wurde er von dem kunstsinnigen Fürsten mit jährlicher Provision förmlich angestellt und ihm zu seiner Erholung eine Reise in seine Heimath gestattet, von wo er im folgenden Jahre wieder nach Innsbruck zurückkehrte. Als erste Aufgabe hatte er sich nun gesetzt, in Tirol selbst einen Marmorbruch aufzufinden, was ihm auch gelungen ist. Die nach Wien geschickten Marmorproben fanden großen Beifall. 1570 neuerlich nach Prag berufen, führte er ein zweites großes Grabdenkmal aus, nämlich für Kaiser Ferdinand I. und dessen Gemahlin Anna von Ungarn. Auch dieses berühmte Mausoleum ist Collin’s Werk. Es würde zu weit gehen, wollten wir aller einzelnen Werke dieses Meisters gedenken, doch seien hier noch erwähnt: die Grabmäler Erzherzog Ferdinands zu Innsbruck und seiner Gattin Philippine ebendaselbst, ferner das Grabmal Kaiser Maximilians II. zu Prag und zwei Prachtbrunnen, von denen einer nach Wien, der andere nach Prag bestimmt war. C. war vermählt mit Maria Flieschauer, welche ihm 1563 einen Sohn, Abraham, gebar, welcher sich unter Anleitung seines Vaters ebenfalls zum Bildhauer ausbildete und denselben in seinen großen Unternehmungen unterstützte. Alexander C. † 17. Aug. 1612 zu Innsbruck, wo er auch begraben liegt.

Nach urkundlichem Material aus dem k. k. Statthalterei-Archiv Innsbruck.