ADB:Conta, Karl Friedrich Anton von

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Artikel „Conta, Karl Friedrich Anton von“ von Max Hecker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 517–521, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Conta,_Karl_Friedrich_Anton_von&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 19:10 Uhr UTC)
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Conta: Karl Friedrich Anton von C., großherzoglich sächsischer Landes-Directions-Präsident, Sprößling einer Hugenottenfamilie Südfrankreichs, die sich bei ihrer Auswanderung nach Deutschland ihres Adels begeben hatte, wurde am 13. December 1778 zu Erfurt geboren. Dem Studium der Rechte in seiner Vaterstadt und an der Jenaer Universität ließ er ausgedehnte Reisen in Deutschland und Frankreich folgen; in Paris nahm er Theil an den Vorlesungen der Ecole Polytechnique und hat, was er hier von seinem Lehrer, dem Professor der Baukunst Durand gelernt, späterhin in einem Büchlein über „Grundlinien der bürgerlichen Baukunst“, das 1806 in Halle erschienen ist, für „teutsche Bau- und Werkschulen“ fruchtbar zu machen gesucht. Seit 1805 in der Heimath als Hof-Commissions-Secretär angestellt, wurde er, nachdem er für kurze Zeit in Dresden den erkrankten Gouverneur des Prinzen Bernhard, des zweiten Sohnes Karl August’s, vertreten, durch die Ereignisse des Jahre 1806 auf einen weiteren Schauplatz geführt: als der damalige Geh. Regierungesrath v. Müller im Januar 1807 nach Warschau entsendet werden mußte, um mit dem Sieger Napoleon über eine Erleichterung der drückenden Friedensbedingungen für Weimar zu verhandeln, begleitete ihn C. als Legationssecretär. Nach Rückkehr der Gesandtschaft im März betraute der Herzog seinen jungen Diplomaten mit der Wahrnehmung der Weimarischen Interessen am Wiener Hof, doch schon im September desselben Jahres nahm Müller den Genossen seiner Warschauer Reise als Secretär nach Paris mit, wo derselbe bis zum folgenden Jahre verblieb, auch als Müller durch Wilhelm v. Wolzogen abgelöst worden war. Mit dieser Mission endete Conta’s kurze außerdeutsche diplomatische Thätigkeit: seine Kraft und Gewandtheit, sein klarer Geschäftssinn fanden hinfort Verwendung innerhalb der deutschen Grenzen, in jenen unerquicklichen Streitigkeiten deutscher Staaten untereinander, die durch den Gedanken eines einheitlichen Zoll- und Handelssystems unter den verschiedenen Regierungen und ihren widerstreitenden Interessen heraufbeschworen worden waren, und wenn auch C., befangen in dem engen Kreise [518] eines Kleinstaates, nicht überall von dem Uebel damaliger Zeit, Kurzsichtigkeit und Mißtrauen, freizusprechen ist, so muß doch sein redlicher Eifer für seinen Fürsten, seine Thatkraft und Arbeitslust in jenen langwierigen Verhandlungen rühmend anerkannt werden. – Am 26. Mai 1818 war jenes wichtige preußische Zollgesetz veröffentlicht worden, das, wie es zwar für Preußen selbst eine Lebensnothwendigkeit war, indem es die ganze Monarchie zu einer festen Zolleinheit zusammenschloß, die angrenzenden und namentlich die eingeschlossenen Kleinstaaten durch seine Mauthlinien mit unerträglicher Härte bedrückte, da alle die nach diesen Landstrichen eingeführten Waaren unmittelbar den preußischen Einfuhrzöllen unterworfen waren. Für Weimar kamen hier die beiden Aemter Allstedt und Oldisleben in Betracht, aber als zu Anfang 1819 die Berliner Regierung an Thüringen die wohlmeinende Aufforderung ergehen ließ, mit seinen enclavirten Gebieten dem preußischen Zollsystem beizutreten, wies für Weimar C. in Gemeinschaft mit Edling dieses Ansinnen in einer schroffen Note vom 26. Januar 1819 zurück. Gleich den übrigen deutschen Cabinetten hatte auch das Weimarer kein Verständniß für die nüchterne Realpolitik in Berlin, es träumte in idealistischer Verstiegenheit von einer unmittelbar zu etablirenden allgemeinen Handelsfreiheit innerhalb des ganzen Bundes, der doch weder nach seiner Verfassung noch nach seinem Steuersystem in sich geeinigt war, von allgemeinen Grenzzöllen gegen Nichtdeutschland für Länder, deren wahre Interessen in ihrer Mannigfaltigkeit noch nicht einmal erkannt waren. Auf den Ministerconferenzen, die seit dem 25. November 1819 in Wien tagten, ließ der Großherzog Karl August durch seinen Bevollmächtigten K. W. v. Fritsch eine heftige Polemik gegen das völkerrechtswidrige Verfahren des mächtigen Nachbars führen, der seinerseits jeden Vorschlag, seine wohlthätige Zollverfassung einer Bundeszollgesetzgebung zu opfern, die noch in weitem Felde lag, kühl von der Hand wies, aber sich nach wie vor bereit erklärte, mit den einzelnen Regierungen über ihre Einfügung in die preußische Handelsgemeinschaft zu verhandeln. Nur Thüringen, das mit seinen verwickelten Grenzverhältnissen solche Verhandlungen unnöthiger Weise erschweren würde, sollte sich vorerst zu einem thüringischen Zollverein zusammenschließen, der dann in seiner Gesammtheit dem preußischen angegliedert werden könnte, ein Plan, dem Preußen zuerst in einer Note an Gotha vom 13. Juni 1819 Worte geliehen und auf dessen Ausführung es bis zum Schlusse bestanden hat. Weimar aber war zunächst noch nicht gesonnen, dem verständigen Zuspruch des Gegners Gehör zu geben, es betheiligte sich vorab an den Darmstädter Zollconferenzen, die am 13. September 1820 eröffnet wurden, und auf denen die Vertreter der einzelnen Staaten in allen Fragen uneinig waren und sich nur in Einem zusammenfanden, im Widerstand gegen das verhaßte Preußen. Die Unfruchtbarkeit der gehässigen Streitigkeiten war nur zu bald offenkundig, die thüringischen Länder, die unter dem Druck des feindlichen Zollgesetzes bei ihrer Dürftigkeit am meisten litten, suchten daher einen Ausweg aus ihrer Noth durch eine Zoll- und Handelsvereinigung unter sich. C. betrieb die schwierigen Unterhandlungen an den Nachbarhöfen mit regem Eifer, durch seine Bemühungen wurde der Abschluß eines Vertrags zu Arnstadt am 23. December 1822 herbeigeführt, doch auch jetzt konnte der Eintritt in die preußische Handelsgemeinschaft nicht erfolgen, weil man in Berlin auf der unbedingten Annahme der preußischen Zölle und Steuern bestand. Weimar aber vor allem wollte weder die verlangte Salzsteuer einführen noch sein altes Geleitsrecht in Erfurt ohne angemessene Entschädigung aufgeben. Die Verhältnisse wurden immer unhaltbarer, am 27. Juni 1823 mußte Weimar nun doch seine Aemter Allstedt und Oldisleben dem fremden [519] Zollsystem beitreten lassen. Eine Klärung in dem erbitterten Kampfe aller gegen alle erfolgte erst Anfang 1828, wo fast zu gleicher Zeit Preußen und Hessen-Darmstadt einerseits, Baiern und Württemberg andererseits sich über eine einheitliche Handelspolitik verständigten. Die Bestürzung der mitteldeutschen Staaten war nicht gering, zumal da es anfangs den Anschein hatte, als wolle auch Kurhessen, dieser heftigste Gegner Preußens, seinen Frieden mit dem Berliner Cabinet machen. In Weimar schwankte man, welchem von den beiden Zollbündnissen man sich nunmehr anschließen sollte; C. sprach sich damals für Annahme der preußischen Zollgesetzgebung aus, doch bestand auch er auf directe Entschädigung für Aufgabe des weimarischen Geleitsrechts, was preußischerseits abgelehnt wurde, weil Weimar durch die in Aussicht gestellte Theilnahme an den Transitzöllen der sieben östlichen Provinzen Preußens genugsamen Ersatz erhalte. So rückten die Verhandlungen, die seit Februar 1828 in Berlin geführt wurden, nicht sonderlich vor, auch glaubte die Weimarer Regierung von den preußischen Behörden bei den Zöllen für Allstedt und Oldisleben benachtheiligt worden zu sein, ein Irrthum, den C. freilich zu berichtigen in der Lage war. Im März erhielt er den Auftrag, eine genaue Zusammenstellung des gesammten im Ministerium vorhandenen Materials vorzulegen; in einem langen Bericht, der unparteiisch allen Theilen gerecht zu werden suchte, der mit Scharfsinn und Klarheit die schwierige Frage nach ihrer theoretischen und praktischen Seite, in ihrer politischen und finanziellen Tragweite unter peinlicher Berücksichtigung aller statistischen Daten erörterte, kam er zu dem Ergebniß, daß der Anschluß Weimars an Preußen in jeder, außer in politischer Beziehung zu empfehlen sei, was sich schon daraus ergäbe, daß die preußischen Zölle weit größere Erbitterung erregt hätten als die bairischen. Der Großherzog war mit dieser eingehenden Denkschrift seines Sachverständigen überaus zufrieden; sie war ihm „ein wahres Vademecum in jetziger Zeit“. Aber der Groll gegen den übermächtigen Nachbar war stärker als alle Gründe, die Aussicht auf eine Schmälerung der Hoheitsrechte hatte auch nichts Verlockendes. So griff denn Weimar den Gedanken eines Gegenzollvereins begierig auf, sein Minister Schweitzer verhandelte mit Sachsen und Gotha, es kam im März 1828 die Oberschönaer Punctation zu Stande, in der sich die Theilnehmer verpflichteten, für die nächste Zeit keinem auswärtigen Zollsysteme beizutreten, und zu der man weitere Bundessgenossen zu werben sich gegenseitig versprach. C., dessen Gutachten über diese Convention ziemlich skeptisch ausgefallen, übernahm die schwierige Aufgabe, die beiden Schwarzburg, die seit längerer Zeit mit einzelnen Bezirken dem preußischen Vereine angehörten, zum Beitritte zu bewegen. Rudolstadt war bald gewonnen, Sondershausen erst nach mehrfachen Conferenzen mit seinem bedenklichen Gesandten v. Ziegler in Weimar. Am 22. August 1828 traten die Verbündeten in Kassel zusammen, die erklärten Feinde Preußens, außer Thüringen und Sachsen vor allem Hannover und Kurhessen; dort wurde, unter Conta’s Beihülfe, jener berüchtigte mitteldeutsche Zollverein ins Leben gerufen, der, ohne ein positives Programm aufzustellen, einzig darauf ausging, die bedrohliche Weiterentwicklung des preußisch-darmstädtischen Bundes zu hintertreiben und Preußens Durchfuhrhandel zu vernichten. Aber diese Absicht ward dadurch vereitelt, daß Preußen-Darmstadt über den mitteldeutschen Verband hinüber dem süddeutschen Vereine die Hand reichte, die mit Freuden ergriffen wurde. Zwar brachte C. im Auftrage Weimars am 11. October 1829 mit dem eigensinnigen Hannover und dem verbissenen Hessen einen neuen Vertrag in Kassel zu Stande, aber der Widerstand gegen das siegende Preußen wurde immer schwächer. Weimar mußte die Verhandlungen in Berlin ernstlich wieder aufnehmen, [520] und während hier als sein Geschäftsträger der fähige Ottokar Thon wirkte, ging C. im October 1830 nach München, um eine Verständigung mit Baiern-Württemberg anzubahnen. Hier fand er wohlwollende Aufnahme; König Ludwig sprach unverholen seine Genugthuung über die erfreuliche Wendung der Dinge aus, in seiner enthusiastischen Weise schloß er, wie C. berichtete, ihn, den Weimaraner, und den preußischen Gesandten v. Küster zu gleicher Zeit in die Arme, und als C. im März 1831 nach Weimar zurückkehrte, hatte er heilsame Verträge über Handelserleichterungen mit dem süddeutschen Bunde geschlossen. Der böse Streit nahte seinem Ende. Am 11. Februar 1831 wurde in Berlin Dank den Bemühungen Thon’s ein vorbereitender Vertrag unterschrieben, am 10. Mai 1833 bildete sich der „Zoll- und Handelsverein der thüringischen Staaten“, am folgenden Tage schon trat der junge Verband dem deutschen Zollvereine bei, indem er sich zu dem ganzen System der indirecten Steuern Preußens bekannte.

In all diesen Jahren eines hartnäckigen Kampfes, der mit seinen Wechselfällen und der Fülle kleinlicher Arbeiten die ganze Energie eines Mannes in Anspruch nehmen konnte, behielt C. Zeit und Kraft genug übrig, um auch in die inneren Verhältnisse seiner engeren Heimath fördernd einzugreifen. Die Vielseitigkeit seiner Interessen, sein Verständniß für Wissenschaft und geistiges Leben verwiesen ihn in das Cultusdepartement. Schon gleich nach seinem Eintritt in den weimarischen Staatsdienst hatte ihn Karl August mit der Verwaltung seiner Militärbibliothek und Landkartensammlung betraut, und als es galt, die Universität Jena aus ihrer tiefen Gesunkenheit zu neuer Blüthe zu erheben, fand der Herzog keinen geeigneteren Mann als ihn. In diesem Sinne verständigte sich C. im Februar 1817 über eine erhöhte Dotation für die Universität mit Gotha und wirkte seit dieser Zeit neben dem Gothaischen Bevollmächtigten v. Hoff als unermüdliches Mitglied der neu eingerichteten Immediatcommission, die die Schäden am Leibe der Hochschule zu heilen bestellt war und ihre Hauptaufgabe in einer durchgreifenden Regelung der veralteten Facultätsstatuten erkannte. Und als die gehässigen Demagogenverfolgungen die Universität mit neuem Niedergange zu bedrohen schienen, da war es C., der sich im Frühjahr 1819 an den Höfen von Baden und Hessen energisch für Jena verwendete. So mannichfache Verdienste blieben nicht unbelohnt, das Vertrauen seines Fürsten, das sich ungeschwächt von Karl August auf Karl Friedrich vererbte, erhob den thätigen Mann zu den höchsten Stufen des Weimarer Beamtenthums empor. 1806 wurde er Geheimsecretär, im December 1815 Geheimer Referendar mit dem Titel Legationsrath, 1818 Geheimer Legationsrath. 1831 wurde ihm das Amt des Vicepräsidenten bei der Landesdirection übertragen, das des ersten Präsidenten 1845. Im September 1849 endlich ernannte ihn der Großherzog zum Director im Departement des Innern. Sein alter Adel war ihm für sich und seine Nachkommen bereits beim Regierungsjubiläum Karl August’s 1825 erneuert worden. Und noch ein anderer, schönerer Lohn war für seinen strebsamen, auf das Höchste gerichteten Sinn die Freundschaft des hoch verehrten Goethe. Angebahnt durch die beiderseitige Thätigkeit für die Universität und ihre Institute, gewann der Verkehr vertrauliche Formen, seitdem Goethe infolge eines gemeinschaftlichen Badeaufenthaltes in Karlsbad im Mai 1820 und in Marienbad im August 1821 in dem fähigen Arbeitsgenossen auch den geistreichen Menschen schätzen gelernt hatte, der das exacte Gebiet geologischer Forschung mit derselben Liebe wie die schönen Künste der Litteratur und Musik umfaßte. In Conta’s und des Ministers v. Gersdorff Hände hat Goethe nach dem Tode Karl August’s seine Verpflichtung dem neuen Großherzog [521] gegenüber am 14. Juni 1828 niedergelegt. In langjährigem Briefwechsel, veröffentlicht durch den Verfasser dieser Lebensskizze im Goethe-Jahrbuch 1901, hat die Freundschaft zwischen Dichter und Staatsmann vielseitigen Ausdruck gefunden. Eine Lungenentzündung setzte am 27. December 1850 diesem thätigen, voll ausgenutzten Leben ein Ziel.

Benutzt sind Notizen des Weimarer Oberbibliothekars Paul v. Bojanowsky.