ADB:Cooltuyn, Cornelis

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Cooltuyn, Cornelis“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 459–460, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cooltuyn,_Cornelis&oldid=- (Version vom 26. August 2019, 03:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 4 (1876), S. 459–460 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Cornelis Cooltuyn in der Wikipedia
GND-Nummer 119304988
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|4|459|460|Cooltuyn, Cornelis|Jacob Cornelis van Slee|ADB:Cooltuyn, Cornelis}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119304988}}    

Cooltuyn: Cornelis C. (Colthunius), † im October 1567. Wie überhaupt die Niederlande um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine unverkennbare Hinneigung zur Reformation zeigten, so fehlten auch in der Stadt Alkmaar ihre Freunde nicht. Die frühere Wirksamkeit des humanistischen, jedoch nicht durchweg kirchfreundlichen Rectors Petrus Nannius, sowie die Nachsicht des Magistrats wider die Ketzer ließen den Priester Cornelis C., als er dort in seiner Geburtsstadt in reformatorischem Sinne zu predigen anfing, großen Beifall finden. Ohne sich von der Mutterkirche zu trennen und alle Ceremonien aufzugeben, beabsichtigte er seit 1555 die Einführung des evangelischen Glaubens. Um dieses Verfahrens willen unterlag er doch manchem Tadel von Seite des Martinus Duncanus, damals Pastors zu Worms und eifrigen Gegners der Wiedertäufer und Sacramentisten, blieb aber äußerlich von Verfolgungen frei, wiewol er seine Reformationsarbeit unermüdet fortsetzte. 1558 zog er nach Enkhuyzen, wo ihm eine Stelle an der St. Pancratiuskirche eröffnet war. Kurz nachher aber ward er von ungenannten Leuten der Heterodoxie angeklagt und nach dem Haag vor den Inquisitor Ruard Tapper entboten. Dies Mal gelang es jedoch seinen Freunden, den sonst so grausamen Inquisitor milde zu stimmen. C. erhielt nur eine scharfe Ermahnung und durfte darauf nach Enkhuyzen zurückkehren. Ungeachtet aller Gefahren beharrte er dennoch bei seinen reformatorischen Bestrebungen; eine dadurch veranlaßte neue Anklage bei dem Unter-Inquisitor Sonnius blieb wiederum ohne Erfolg durch die Dazwischenkunft Tapper’s. Vorsichthalber unterließ er nun die öffentliche Predigt, blieb aber durch erbauliche Ermahnungen in den Häusern seiner Gemeindeglieder der Sache der Reformation förderlich. Aufs neue rief Sonnius ihn zur Verantwortung, aber wiederum wußten seine Freunde bei Tapper zu bewirken, daß er unverfolgt blieb, doch unter der Bedingung, daß er sein reformatorisches Streben aufgeben oder Enkhuysen [460] verlassen solle. Ungeachtet der Bitte seiner Freunde wanderte er nun nach Alkmaar aus, wo man ihn bald zum Pastor ernannte und er jetzt mit völliger Beseitigung der katholischen Messe die evangelische Lehre zu predigen anfing. Dieses aber veranlaßte seine Absetzung, und bald darauf die Erscheinung des Inquisitors Nicolaus de Castro, welcher den Magistrat aufforderte, den Ketzer gefangen zu nehmen. Einer freundschaftlichen Warnung dankte C. ein zeitiges Entkommen nach Emden, dem damaligen Zufluchtsort der Reformation, wo er anfangs durch Privatunterricht für seine Lebensbedürfnisse sorgte, – seine Mutter hatte ihn verstoßen und enterbt, – aber seit 9. Juli 1559 das Predigeramt erhielt und ungehindert bis an seinen Tod ausübte. Seine Flucht ward der Anlaß einer merkwürdigen, jetzt sehr selten gewordenen Schrift: „Dat Evangeli der armen, dat is: der ellendigen troost, vergadert ende gemaeckt van Cornelis Cooltuyn, uut die schriftuer ende schriftuerlicke doctoren, tot troost voer hem selver in syn ballingscap ende voer ander menschen die met lyden belaeden syn, gheordineert in vier visitatien door een tsamenspraeck van twee personen Theophilus ende Dorothea“, 1559. Es war ihm nämlich Schuld gegeben, durch seine Flucht die Unwahrheit seiner Lehre dargethan zu haben. Dawider trat er in dieser Schrift auf. Seine Apologie des evangelischen Glaubens zeichnet sich durch große Mäßigung in der Beurtheilung des Katholicismus, selbständige Erforschung und bedeutende Kenntnisse des Lateinischen, Griechischen und Hebräischen aus, während seine theologische Anschauung, frei vom harten Particularismus und Prädestinationsdogma, sich dem Zwingli nähert. Dennoch dürfte er später dem Calvin näher gekommen sein, wie aus seiner Zustimmung zur Neederlandische Confessie hervorzugehen scheint. Sein Einfluß auf die Verbreitung der Reformation war ein sehr bedeutender. Blieb eine Reise nach London 1566 zur Beilegung einer in der dort gestifteten Gemeinde entstandenen Streitigkeit vergebens, so verdankte Amsterdam in demselben Jahre seiner Bemühung einige evangelische Prediger, wie auch Johann Arendß, Nicolaus Scheltius, Johann Saskerides und andere nordniederländische Reformatoren ihn als ihren geistlichen Vater ehrten. Weiteres über ihn findet sich in dem Kalender voor Protestanten von 1859, Meiners, Oostvrieslants kerkel. gesch. I. 1. bl. 355–360; andere Quellen s. bei van der Aa, Biogr. Woordb.