ADB:Curtmann, Wilhelm

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Artikel „Curtman, Wilhelm Jakob Georg“ von Philipp Walther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 653–654, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Curtmann,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 13. Oktober 2019, 17:51 Uhr UTC)
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Curtman: Wilh. Jak. Georg C., bekannter Pädagoge, war geboren 3. März 1802 zu Alsfeld, wo sein Vater, nachmals Pfarrer in Eudorf, Rector an der Stadtschule war. In dieser Schule erhielt er den ersten Unterricht, dabei unterrichtete ihn sein Vater im Lateinischen und Griechischen. In seinem 14. Jahre kam er in das Gymnasium nach Gießen, in welchem besonders Schaumann, der des Schülers Begabung erkannte und würdigte, anregend auf ihn wirkte. Im J. 1818 bezog er die Universität Gießen, um Theologie zu studiren; er beschäftigte sich dabei auch viel mit Poesie und Philologie. Nachdem er 1821 seine Universitätsstudien beendigt hatte, übernahm er erst eine Hauslehrerstelle bei dem Landrath v. Zangen und dann bei dem Baron Leykam, welcher im Sommer in Schloß Elysium a. d. Roer, im Winter in Darmstadt lebte. Obgleich er dem Berufe eines Predigers nicht untreu werden wollte, zog ihn doch seine Liebe zum Lehrfach immer wieder davon ab und so begründete er unter dem Protectorate des Grafen von Erbach-Fürstenau für Söhne aus Beamten- und andern angesehenen Familien eine Privatschule zu Michelstadt im Odenwalde, welcher er durch seine tüchtige Leitung die Bedeutung eines Progymnasiums zu geben verstand, die aber, als dort eine Realschule gegründet wurde, wieder eingehen mußte. Nach dem Tode seines Vaters im J. 1825 hatte er das Lehramt so lieb gewonnen, daß er sich diesem ganz zu widmen beschloß, das Examen für das Gymnasial-Lehrfach bestand und in Folge dessen im Jahre 1826 Lehrer an dem Gymnasium wurde. 1827 erwarb er die philosophische Doctorwürde. Im J. 1830 wurde er als Director der Secundarschule, welche unter dem Namen Gymnasium erhalten worden, nach Worms versetzt. Hier fand sein Organisationstalent Gelegenheit zu einer tüchtigen Wirksamkeit, da die Schule ziemlich heruntergekommen war und einer Reorganisation bedurfte. In dieser Stellung zog C. die Aufmerksamkeit des großherzogl. Oberstudienraths auf sich. Als im J. 1832 eine neue Schulorganisation ins Leben gerufen war, wurde C. im Frühjahr 1833 vorsitzendes Mitglied der Bezirks-Schulcommission für die Cantone Worms und Pfeddersheim und nahm den wesentlichsten Antheil an der nöthigen Verbesserung der 42 Schulen des Bezirks. 1834 wurde er nach Offenbach a. M. berufen, um daselbst eine Realschule zu gründen und die städtischen Schulen zu organisiren. Es eröffnete sich ihm hier ein weites Feld des Schaffens und Bildens. Hier fand er außer dem berühmten Verfasser der „Deutschen Grammatik“ Becker auch seinen hochverehrten ehemaligen Lehrer Schaumann, der sich nach seiner Pensionirung hier niedergelassen hatte. In Offenbach veröffentlichte C. seine litterarischen Erstlinge, zwei Bändchen „Deutsche Dichtungen“ für die Schule und „Geschichtchen für Kinder welche noch nicht lesen“. Hier schrieb er ferner die Beantwortung der Suringar’schen Preisfrage: „Welches sind die Ursachen, warum so viel Gutes, das die Kinder in der Schule gelernt haben, später wieder verloren geht, und welches sind die Mittel zur Abhülfe?“ Im J. 1841, noch ehe seine mit dem Preise gekrönte Schrift gedruckt war, wurde C. als Director an das evangelische Schullehrerseminar in Friedberg i. d. W. versetzt und in dieser Stellung verblieb er bis 1864. Er widmete seine kräftigste Thätigkeit seinem amtlichen Berufe, war aber dabei in der Presse thätig, um die Sache der Erziehung und des Unterrichts nach seiner Auffassung zu fördern. Es entstand eine ganze Reihe von Arbeiten, welche sich fast auf alle Zweige des elementaren Unterrichts erstreckten und in rechter Form den rechten Stoff zu bieten suchten. Dazu gehören neben der Suringar’schen Preisschrift, welche 1847 in 2. Auflage erschien, verschiedene Lesebücher, darunter das verdienstliche „Lesebuch [654] für die Stufe der Anschauung“, „Das Vaterland“, „Biblische Geschichten“, „Der naturgeschichtliche Anschauungsunterricht“, „Das Thierreich“, „Das Pflanzenreich“, „Das Mineralreich“, alle 3 in Gemeinschaft mit Walter, Schmid und Sommerlad bearbeitet u. a. m. Er bearbeitete ferner das Schwarz’sche Lehrbuch der Erziehung in mehreren Auflagen. Durch diese vielseitige Thätigkeit ist C. auf pädagogischem Gebiete ein reicher Spender von Gaben geworden. Seine Arbeiten alle zeichnet eine große Meisterschaft der Sprache, ein gedrängter und blühender Stil aus, die Beweisführung ist überall durchschlagend und mit glücklichen Anspielungen und Citaten gewürzt. Im Unterrichte war C. ein Meister; er vergeudete keine Zeit mit unnöthigen Redensarten, zwang durch seine Fassung zum Denken und Besinnen, schreckte aber auch die Schwachen nicht ab, sondern leitete sie zum Richtigen. Den Zöglingen des Seminars war er wie in anderen Dingen auch in der Pünktlichkeit des Kommens und Gehens ein Vorbild. In allen Beziehungen hat C. seine Stellung trefflich ausgefüllt, ein würdiger Zeitgenosse Diesterweg’s, dem durch sein unermüdliches Wirken für deutsche Volksbildung mit Schrift und That eine hervorragende Stelle auf dem Gebiete der Erziehung und des pädagogischen Wissens bewahrt bleiben wird. – Seine erschütterte Gesundheit zwang ihn 1864 sich von seiner amtlichen Thätigkeit zurückzuziehen. Er nahm seinen Ruheaufenthalt in Gießen, besorgte aber noch in seiner Muße 1866 und 1867 zum letztenmal die Herausgabe seiner Erziehungslehre und schrieb verschiedene pädagogische Aufsätze. C. starb 6. Febr. 1871.

J. Fölsing, Dr. W. J. G. Curtman. Sein Leben und Wirken, seine Bedeutung als Pädagoge. Leipzig 1873.