ADB:Cyprian, Ernst Salomon

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Artikel „Cyprian, Ernst Salomon“ von August Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 667–669, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cyprian,_Ernst_Salomon&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 19:46 Uhr UTC)
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Cyprian: Ernst Salomon C., geb. 22. Sept. 1673 zu Ostheim v. d. Rhön in Franken, † 19. Sept. 1745 zu Gotha, war der Sohn eines Apothekers und wurde erst zu Ostheim, dann seit 1686 zu Schleusingen erzogen. Im J. 1692 bezog er die Universität Leipzig, ging aber bald darauf nach Jena, um Medicin zu studiren, aber dieses Studium sagte ihm nicht zu und er wendete sich, obschon gegen den Willen seines Vaters, der Theologie zu. Unter Johann Andreas Danz trieb er mit allem Fleiße die orientalischen Sprachen und wurde unter ihm Magister der Philosophie. Unter seinen anderen Lehrern war es vor allem Joh. Andreas Schmidt, dem er mit aller Liebe anhing, und als derselbe als Professor der Theologie und Kirchengeschichte nach Helmstädt berufen wurde, folgte er ihm (1698). Nachdem er hier vier Disputationen nach einander abgehalten hatte, fing er selbst zu lehren an und wurde 1699 außerordentlicher Professor der Philosophie. Schon im October des folgenden Jahres wurde er als Director und Professor der Theologie an das Collegium Casimirianum nach Coburg berufen, welchem Rufe er im December folgte. Durch seinen unermüdeten Fleiß und seine kluge Handlungsweise brachte er das Gymnasium in den größten Flor, und Herzog Johann Ernst fand sich bewogen, ihm die Aufsicht über die Studien seiner vier Prinzen zu übertragen. Gleich nach seinem Dienstantritte in Coburg hatte er (im Januar 1701) sogen. Noctes Casimirianas eingerichtet und dazu alle Gelehrte der Stadt Coburg eingeladen, jeden Sonnabend um 5 Uhr in seinem Museum zu gelehrten Unterredungen zusammen zu kommen. Daneben hielt er eine Reihe öffentlicher Disputationen (z. B. „De doctrina Tertulliani evangelica“, „De Clementis Romani, Ignatii, Polycarpi et Justini [668] M. doctrina evangelica“; „De caede Mariae Stuartae“; „De mortibus Socinianorum“; „De annulo Gygis“ u. a.). Im J. 1706 wurde er zu Wittenberg Doctor der Theologie, bei welcher Gelegenheit Herzog Heinrich von Sachsen-Römhild alle Kosten zahlte. Nachdem er schon im J. 1704 Holland bereist und die Universitäten zu Leyden, Utrecht, Franecker und Gröningen besucht hatte, reiste er 1707 nach Frankfurt a. O. 1710 durchreiste er Franken und Schwaben und 1719 war er im Begriffe nach Frankreich zu reisen, wozu ihm von seinem Fürsten 1000 Thlr. geschenkt worden waren; aber in Straßburg erkrankte er und mußte auf den Rath der Aerzte umkehren. Im J. 1713 berief ihn Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha als Kirchenrath und Assessor des Oberconsistoriums nach Gotha; auch wurde ihm die Aufsicht über die Studien der jungen Prinzen übertragen, ebenso die Direction der herzogl. Bibliothek. 1714 wurde er zum Consistorialrath ernannt, 1723 ihm die Direction des Münzcabinets und 1724 die Mitaufsicht über das herzogl. Haus- und Staatsarchiv übertragen. Im geheimen Rathe wurde ihm (1727) der Vortrag in auswärtigen Religionssachen zugewiesen. Auch wurde er öfter zu wichtigen Conferenzen und Commissionen benutzt; er wurde sogar als kaiserl. Subdelegirter in der Erthalischen Sache nach Bamberg geschickt und erhielt 1727 als eine ganz besondere Auszeichnung vom Kaiser Karl VI. dessen mit Diamanten besetztes Bildniß an einer vierfachen goldenen Kette. Die Rufe, welche er zu verschiedenen Malen von anderen Fürsten erhielt, lehnte er ab. So 1708 als Professor der Theologie nach Jena, in eben diesem Jahre als Kirchenrath, Hofprediger und Superintendent zu Römhild, ferner als Director des Gymnasiums zu Göttingen, 1711 als Professor der Theologie zu Kiel, 1725 als Prokanzler und Oberconsistorialrath zu Kiel. C. war ein sehr gelehrter und thätiger Theolog, aber in seinen religiösen Ansichten doch allzustreng. Die Herzogin Louise Dorothea von Sachsen-Gotha nannte ihn in einem Briefe an König Friedrich II. von Preußen „un homme sottement orthodoxe“. Er dagegen scheute sich nicht, der freigeisterischen Richtung der Herzogin mit Entschiedenheit entgegen zu treten, und mit Anspielung auf die Abstammung der Herzogin aus Meiningen stellte er einmal in einer Predigt den zweideutigen Satz auf: „Aus Meinungen kommt alles Uebel“, und in einer Beichtrede redete er sie einst an: „Durchlauchtigste, gnädigste Sünderin, große, große, erhabene Sünderin“. Bei allem redlichen Eifer für das Lutherthum besaß er eine große Herrschsucht und hartnäckige Unbeugsamkeit in religiösen Dingen. Als hauptsächlich durch König Friedrich Wilhelm I. von Preußen eine Union zwischen Lutheranern und Reformirten zu Stande gebracht werden sollte, war C. ein erklärter Gegner und bewog den Herzog, ihr nicht beizutreten. Die evangelischen Reichstagsgesandten zu Regensburg waren so erbittert darüber, daß sie dem Herzoge schrieben, er solle seinem Kirchenrathe einen Verweis geben, dieser aber wies das Ansinnen als „ganz unstatthaft“ zurück (1722). Als später die unglücklichen Salzburger ihr Vaterland verlassen mußten (1731), wollte der Herzog sie in seinem Lande aufnehmen, aber C. rieth davon ab, weil man nicht wisse, „ob sie in der evangelischen Religion recht informirt, und ob sie nicht zusammengelaufene diebische Leute seien“. Von Cyprian’s zahlreichen Schriften sind zu nennen: „Hilaria evangelica“, worin Nachrichten von dem evangelischen Jubelfeste im J. 1717 aus allen Ländern gesammelt sind. „Commonitorium oder abgedrungener Unterricht von kirchlicher Vereinigung der Protestanten“ (Frankf. 1722, neue Aufl. 1726). „Ueberzeugende Belehrung von dem Ursprung und Wachsthum des Papstthums“ (Gotha 1726, 6. Aufl. 1769). „Historie der augsburgischen Confession“ (Gotha 1730, 3. Aufl. 1731). Endlich „Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Gothanae“ (Lipsiae 1740, 4°). Ein vollständiges Verzeichniß seiner Schriften steht in Schröckh’s Lebensbeschreibungen [669] berühmter Gelehrten, Bd. II, 361 und in E. S. Cyprian’s Leben von Erdmann Rudolph Fischer, Leipzig 1749.