ADB:Dürnhofer, Lorenz

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Artikel „Dürnhofer, Lorenz“ von Adolf Brecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 487–488, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:D%C3%BCrnhofer,_Lorenz&oldid=- (Version vom 19. Januar 2022, 07:51 Uhr UTC)
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Dürnhofer: Lorenz D., Professor in Wittenberg, später Geistlicher in Nürnberg, geb. 29. Januar 1532, † 18. Juli 1594 zu Nürnberg. Sein Stiefvater war der Buchdrucker Joh. Petreius. Seine Schulbildung erhielt er von 1545–49 in der „Poetenschule“ zu Salzburg durch Joh. Stomius oder Mulinus, bezog 1550 die Universität Wittenberg und wurde am 14. März inscribirt. Unter Paul Eber’s besonderer Aufsicht und Leitung studirend erwarb er sich die Gunst Melanchthon’s, der ihn, nachdem er Magister geworden, um 1553 nach Oelsnitz im Voigtlande als Lehrer empfahl. In demselben Jahre hatte er sich verheirathet. 1555 kehrte er nach Wittenberg zurück und fing an, als Mitglied der philosophischen Facultät Vorlesungen zu halten, die nach einem noch vorhandenen Einladungsgedicht mit der Ilias und Ovid’s Fasten begannen. Neben seinem akademischen Lehramt bekleidete er vom 15. April 1562 bis 1567 zugleich ein Pfarramt als Diakonus an der Stadtkirche. – In diesem letzten Jahre wurde er nach seiner Vaterstadt Nürnberg an die Egidienkirche als Prediger oder Superintendent berufen und in sein Amt am 2. Nov. eingeführt. Durch diese [488] Berufung erhielt die kryptocalvinistische Partei, welche von Heling und Hudesian geführt wurde, eine wol nicht unbedeutende Verstärkung. Obwol er sich, wie es scheint, vorsichtig benahm, wurde D. doch in die schon lange bestehenden heftigen Kämpfe zwischen Philippisten und Lutheranern verwickelt, sammt seinen Genossen durch Pasquille von der Gegenpartei verhöhnt und bei dem gegen ihn wie gegen seine Freunde herrschenden Mißtrauen mehrmals gezwungen, sich durch Unterzeichnung der Bekenntnißschriften von dem Verdachte der Häresie zu reinigen. Seine Bemühungen, den Exorcismus bei der Taufe abzuschaffen, konnten unter diesen Umständen keinen Erfolg haben. Nach einem 1583 im Sebalder Pfarrhof abgehaltenen Colloquium mit den Vertheidigern desselben blieb alles beim alten. Diese mißlichen Verhältnisse theologischer Natur scheinen jedoch auf seine sonstige öffentliche Stellung keinen zu großen Einfluß ausgeübt zu haben. Denn 1579 gab man ihn der Commission bei, die zu den Verhandlungen über die Concordienformel nach Cassel geschickt wurde, und 1583 wurde er sogar mit seinem Genossen Heling mit der Einführung der Priesterordination zu Altdorf betraut, Missionen, welche beweisen, daß wenigstens der Rath der Stadt ihm sein Vertrauen nicht entzogen hatte. Nach einem wie es scheint in Ruhe verlebten Alter starb er 63 Jahre alt.

Ueber sein Leben und seine Schriften vgl. G. A. Will, Nürnbergisches Gelehrtenlexikon, Bd. I und dessen Fortsetzung von Nopitsch, Bd. V. s. v. Dürnhofer. – P. Freher, Theatrum virorum eruditione clarorum. Norimb. 1688, der seine Gelehrsamkeit, besonders seine Sprachstudien außerordentlich rühmt.