ADB:Heling, Moritz

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Artikel „Heling, Moritz“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 690, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heling,_Moritz&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 14:01 Uhr UTC)
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Heling: Moritz H. (auch Heiling, Helling), protestantischer Theolog des 16. Jahrh., geb. den 21. Sept. 1522 zu Friedland in Preußen, gest. 2. Octbr. 1595 zu Nürnberg. Aus einer verarmten adeligen Familie abstammend (sein Vater Paul H. war Collaborator an der Schule zu Friedland, seine Mutter Ursula eine geb. von Spirau), besuchte er die Schulen zu Friedland, Königsberg, Elbing (wo W. Gnapheus und A. Aurifaber seine Lehrer waren), studirte 1542 zu Frankfurt a. O. unter Alesius, Musculus, Körner etc., seit 1543 zu Wittenberg unter Luther und Melanchthon, wurde 1545 Lehrer an der Schule zu Halle, ging 1547 nach Wittenberg zurück, wo er besonders an Melanchthon aufs engste sich anschloß, wurde den 18. Sept. 1548 Magister, 1549 Rector in Eisleben. 1554 wegen Verdachtes des Majorismus abgesetzt, kehrt er zum drittenmal nach Wittenberg zurück und wird 1555 auf Melanchthons Empfehlung nach Leonhard Culmanns Beurlaubung (s. Band IV, S. 639) nach Nürnberg berufen als Superintendent und Pfarrer zu St. Sebald. Nachdem er hier als ein vir doctus, ad ecclesiae gubernationem idoneus, natura amans tranquillitatis et moderationis, wie Melanchthon ihn nannte, bei verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und Verhandlungen mitgewirkt (bei Schlichtung der Osiandristischen, Schwenkfeldischen und anderer Streitigkeiten, bei Einführung des Katechismusunterrichts, der Ordination etc., bei einer Kirchenvisitation, Verhandlungen über den sog. Frankfurter Receß 1558, über Beschickung des Tridentiner Concils 1561), aber auch wegen seiner treuen Anhänglichkeit an seinen Lehrer Melanchthon, wegen seines sog. Philippismus und angeblichen Kryptokalvinismus allerlei Anfechtungen und Verdächtigungen von Seiten der Gnesiolutheraner erfahren (J. Andreä nannte ihn Schleichling): wurde er am 2. März 1575 wider Willen emeritirt, jedoch mit Beibehaltung seines vollen Gehaltes wie seines Superintendententitels. Auch nachher wurde er noch zu den verschiedensten Dienstleistungen in Nürnberg und auswärts gebraucht, war insbesondere 1577 Mitverfasser der Nürnberger Censur des Bergischen Buchs (s. Heppe, Gesch. der Concordienformel I, S. 300 ff.), wirkte mit bei der Stiftung und ersten Einrichtung der Universität Altorf, sorgte für Stipendien, führte die Aufsicht über Buchläden und Meßkatalog, 1588 bei der Beilegung der flacianischen Streitigkeiten im Erzherzogthum Oesterreich etc. Doch scheint im letzten Decennium seines Lebens sein Einfluß mehr und mehr zurückgetreten zu sein; bis an sein Ende aber bewahrte er sich den Ruhm eines der treuesten Anhänger Melanchthons und eines der friedliebendsten Theologen. Aus drei Ehen hatte er 20 Kinder, von denen ein Sohn Diaconus in Nürnberg, eine Tochter die Frau des Altorfer Professors der Theologie Georg Volkard war. – Seine Schriften waren besonders lateinische „carmina“ biblischen Inhalts, besonders ein „carmen“ auf die Geburt Christi; lateinische colloquia und Reden, besonders „orationes de scholarum constitutione et officio magistratus in erigendis scholis“; „de legum auctoritate et utilitate“; endlich Geschichtstabellen unter dem Titel „tabulae historicae s. chronologia IV monarchiarum“ (1578; neu aufgelegt und fortgesetzt von Felwinger, Nürnberg 1667) u. A.

Quellen besonders G. G. Zeltner, M. Helingii Vita et fata etc. Altorf 1715, 4; Will, Nürnb. Gel.-Lex. II, 80; Nopitsch, Suppl. VI, 55; Rotermund in der Allg. Enc. II, 5, S. 108 fl.; vgl. auch Melanchthonis epp. im C. Ref. t. V. VI. VII. und Chytraei epp.