ADB:Diepold

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Artikel „Diopuld, Graf v. Acerra“ von Eduard Winkelmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 248–249, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Diepold&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 14:48 Uhr UTC)
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Diopuld, Graf v. Acerra 1197, Herzog von Spoleto 1210, gest. nach 1221. Von Geburt nicht ein Markgraf oder Ritter von Vohburg, wie man ihn gewöhnlich aber irrig bezeichnet, sondern ein Angehöriger des Dienstmannengeschlechts von Schweinspeunt (östlich von Lechsgemünd), ist er, wir wissen nicht um welche Zeit und aus welcher Veranlassung, in den Dienst Kaiser Heinrichs VI. gekommen, dem er bei der Eroberung des normännischen Reiches wichtige Dienste leistete. Er wurde von Kaiser Heinrich 1191 zum Castellan der festen Grenzburg Rocca d’Arce ernannt und hielt von dort Jahre lang die Nachbarschaft bis nach Salerno hin in Furcht und Schrecken, bis des Kaisers zweiter Zug im J. 1194 das Königreich vollends den Deutschen unterwarf. Aus diesen Jahren des Kampfes hat der zeitgenössische Dichter Petrus de Ebulo von ihm manche charakteristische Züge mitgetheilt, welche ihn als einen Mann erweisen, der Furcht nicht kennt, seinem Schwerte unbedingt vertraut, des Bewußtseins voll ist, im kaiserlichen Dienste zu stehen und voll Verachtung auf das vor ihm bebende Land herabsieht, welches nur weibische Männer zu erzeugen vermöge. Der Dichter vergleicht ihn seinem Wappenthiere, dem Eber. Im J. 1197 wurde er vom Kaiser, nachdem wol sein bisheriger Herr, der Graf von Lechsgemünd, ihn aus der Dienstmannschaft entlassen hatte, zum Grafen von Acerra erhoben und er wußte sich als solcher auch in den stürmischen Zeiten, welche dem Heinrichs folgten, sowol gegen dessen deutsch-feindliche Wittwe, als auch gegen Innocenz IV., den Vormund des jungen Friedrich II., und endlich gegen diesen selbst zu behaupten, indem er sich offenbar von dem Gedanken leiten ließ, daß das Königreich nicht für die staufische Dynastie, sondern für Deutschland und den jeweiligen Kaiser erobert worden sei. Sobald es daher in der Person des Welfen Otto IV. wieder einen Kaiser gab und als dessen Verhältniß zum Papste und zum Könige Friedrich sich feindlich anließ, war D. an seiner Seite und hat ihn dazu angetrieben, die Eroberung Siciliens zu versuchen. Otto aber erhob den unverwüstlichen Gegner des Papstes im Februar 1210 zum Herzog von Spoleto und ließ sich durch ihn (Nov. 1210) den Weg ins Königreich bahnen. Als jedoch Otto, um dem vom Papste angefachten Aufstande in Deutschland zu begegnen, die fast schon vollendete Eroberung des Südens preisgeben und aus Italien abziehen mußte, da brach Diopulds Macht für immer zusammen. Er hat sich zwar noch einige Jahre in einzelnen Städten Spoleto’d und der Mark Ancona nothdürftig gegen die Päpstlichen gehalten; als er aber 1216 von dort ins Königreich zurückkehrte und seinen alten Anhang zum Kampfe gegen Friedrich II. sammelte, gehorchte sein eigener Schwiegersohn der Graf v. S. Severino dem Befehle des abwesenden Königs und nahm ihn im J. 1218 gefangen. Erst nach Friedrichs Kaiserkrönung und auf Bitte der Friedrich begleitenden [249] Deutschen erlangte er die Freiheit. Er fühlte jedoch wol selbst, daß seine Rolle ausgespielt und für ihn in dem strammen Staatswesen des Staufers kein Platz sei, und so hat die Nachricht einiges für sich, daß er in den deutschen Orden eingetreten sei. Als Ordensbruder soll er noch lange gelebt haben. Seine mit ihm nach Unteritalien eingewanderten Brüder Otto und Siegfried und sein Sohn Konrad verschwinden seitdem gleichfalls aus der Geschichte; Töchter Diopulds waren mit den Grafen Wilhelm von Caserta und Jakob von S. Severino verheirathet.

Ueber seine Herkunft s. Forsch. zur deutsch. Geschichte, Bd. XVI, 171 und 373, über seine italienischen Erlebnisse: Toeche, Heinrich VI.; Abel, Otto IV. und Friedrich II., und des Unterzeichneten Philipp von Schwaben und Otto IV., besonders Bd. II.