ADB:Dietrich (Erzbischof von Magdeburg)

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Artikel „Dietrich, Magdeburger Erzbischof“ von Karl Janicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 183–185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dietrich_(Erzbischof_von_Magdeburg)&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 03:29 Uhr UTC)
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Dietrich, einer der hervorragendsten Magdeburger Erzbischöfe (1361–67), war der Sohn eines Gewandmachers in Stendal und stammte aus der später in den Adelstand übergetretenen altmärkischen Familie v. Portitz, von der auch ein Zweig in Böhmen angesessen war. Seine erste Bildung erhielt er in der Domschule seiner Vaterstadt, leistete dann das Mönchsgelübde im Kloster Lehnin, dessen zerrüttete wirthschaftliche Verhältnisse er mit Geschick und Einsicht wieder ordnete. Seine Tüchtigkeit empfahl ihn dem Bischof Ludwig von Brandenburg, der ihn 1329 in seine Dienste nahm und zum Protonotar, dann zum Official und endlich zum Hofmeister machte. Bei Gelegenheit einer Reise an den päpstlichen Stuhl nach Rom, die er im Auftrage seines Bischofes unternahm, wurde ihm die Würde eines Bischofes von Sarepta zu Theil, wol als Belohnung für die von ihm mehrfach bewiesene kirchliche Rechtgläubigkeit. Seine Bewerbung um das durch den Tod Ludwigs erledigte Bisthum Brandenburg (1347) mißlang; Weihbischof D., ein politischer Gegner der Wittelsbacher, begab sich daher an den Hof König Karls von Böhmen, der damals gerade, im Kampfe gegen die Baiern, sich des römischen Reiches unterwand, dem natürlich ein mit den Verhältnissen des baierischen Regiments in der Mark genau bekannter Diener gewiß willkommen war. Sehr schnell gewann er am Hofe König Karls den weitgehendsten Einfluß. Bereits 1353 erhielt er das Bisthum Minden, dem er freilich, da ihn die Dienste bei seinem königlichen Herrn vollständig in Anspruch nahmen, nur wenig von seiner Zeit widmen konnte. In Böhmen war er eine der einflußreichsten Persönlichkeiten, in seinen Händen lag hauptsächlich die Verwaltung des Landes. Der König überhäufte den tapfern und staatsklugen Bischof mit Gnadenbezeugungen, gab ihm das Schloß Parkstein mit Weiden auf Lebenszeit zu Lehn, übertrug ihm die oberste Verwaltung des ganzen Finanzwesens seines Reiches und beförderte ihn zur Würde eines Wissherader Propstes und obersten Kanzlers in Böhmen. Die Urkunden König Karls sind seines Lobes voll, namentlich heben sie seine großen Verdienste um die finanzielle Hebung des Landes hervor. Auch zu diplomatischen Missionen wurde der erfahrene Bischof benutzt: an der Kaiserkrönung Karls hatte er einen wesentlichen Antheil; Papst Innocenz VI. spricht seine Befriedigung darüber aus, daß Karl den Bischof von Minden an ihn abgesandt habe.

Nach dem Tode Erzbischof Otto’s von Magdeburg (30. April 1361) suchte Kaiser Karl seinem Günstlinge die Nachfolge in diesem Hochstifte zu verschaffen. Auf seine Veranlassung untersagte der Papst unter dem 8. Juni dem Domcapitel die Vornahme der Wahl eines Nachfolgers und verlieh am 20. Juni Bischof D. aus apostolischer Machtvollkommenheit mit dem Pallium die erzbischöfliche Würde. Das Domcapitel hatte bereits eine Neuwahl getroffen, die auf Bischof Ludwig von Halberstadt, einen geborenen Markgrafen von Meißen, gefallen war, nicht zur besonderen Zufriedenheit der Bürgerschaft von Magdeburg. Die nachdrückliche Empfehlung Kaiser Karls und die Aussöhnung der widerstreitenden Parteien durch die Bemühungen des dem neuen Erzbischofe nahe verwandten Nicolaus v. Bismarck, den er bald darauf zu seinem Stiftshauptmann [184] machte, beseitigten den Widerstand von einem Theile der Domherren und bewirkten die allseitige freiwillige Anerkennung Dietrichs als Erzbischof. So konnte dieser am 16. November einen feierlichen Einzug in Magdeburg halten und die Huldigung des Landes entgegen nehmen. Dietrichs Sorge richtete sich zunächst darauf, die zerrütteten Finanzen des Erzstifts zu ordnen. Seit lange verpfändete Güter, Dörfer, Schlösser und Städte wurden mit zum Theil sehr großen Summen zurückgekauft, andere Besitzungen neu erworben. Neue Bauten wurden ausgeführt, und trotz alle dem noch Geld erübrigt, um die großen Kosten zur Einweihung der Domkirche, deren Bau bereits Erzbischof Albrecht II. im J. 1208 begonnen hatte, zu tragen. Mit großem Gepränge unter Assistenz vieler hoher geistlicher Würdenträger fand die Ceremonie am 22. Octbr. 1363 statt. Die gleichzeitigen chronikalischen Berichte rühmen Dietrichs vortreffliche Verwaltung und heben hervor, daß er „das Geld mit Klugheit aus dem Lande zog“. Auch dem überhandnehmenden Räuber- und Fehdewesen steuerte er nach Kräften. Mit den benachbarten Fürsten und Herren schloß er (13. Dec. 1362) ein Landfriedensbündniß; mit dem Domcapitel, den Stiftsvasallen und den Städten im Lande zwischen der Elbe und Bode ging er eine Verbindung auf drei Jahre ein, wonach sämmtliche Betheiligte einander wirksamen und kräftigen Beistand zur Verfolgung der Friedensbrecher versprachen (26. April 1363). Gegen die Grafen von Hadmersleben und gegen die von Knesebeck, die sich Gewaltthätigkeiten gegen Magdeburger hatten zu Schulden kommen lassen, zog er mit Heeresmacht zu Felde.

Was Kaiser Karl IV. hauptsächlich bewog, seinem Kanzler das Erzstift Magdeburg zu verschaffen, war sein Verhältniß zu dem baierischen Hause. Was früher durch die von dem Kaiser wenigstens begünstigte Aufstellung des falschen Waldemar und mit Waffengewalt nicht zu erreichen war, die Baiern der Mark zu berauben, hatte er jetzt beschlossen, durch Bande der Liebe und Freundschaft zu versuchen, womit er die Markgrafen allmählich immer fester umspann, bis sie sich zuletzt hülflos ihm ergeben mußten. Zur Ausführung dieses Planes bedurfte er der Mitwirkung Dietrichs, der, in der Mark geboren, durch vieljährige amtliche Thätigkeit in derselben mit Persönlichkeiten und Verhältnissen vollkommen vertraut, dabei dem Kaiser treu ergeben und jetzt durch ihn zum Nachbarfürsten der Mark und zum Metropolitan des größten Theiles derselben erhoben war. Der Erzbischof schritt vorsichtig und allmählich zur Erreichung des ihm gesteckten Zieles. Auf einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Markgrafen Ludwig dem Römer zu Tangermünde schloß er mit diesem (10. Decbr. 1362) einen Vertrag, wodurch er für die nächsten drei Jahre Mitregent der Mark wurde. Andererseits garantirte der Erzbischof dem Markgrafen zu seinem Unterhalte eine bestimmte Rente und streckte ihm außerdem große Geldsummen vor. Andere noch weiter gehende Unterhandlungen zwischen beiden Theilen scheinen vorläufig nur mündlich verabredet worden zu sein. Auf einer im März des folgenden Jahres in Nürnberg veranstalteten persönlichen Zusammenkunft der Markgrafen mit dem Kaiser wurde dem luxemburgischen Hause die Eventualsuccession in der Mark Brandenburg eingeräumt, und auf Anrathen des Erzbischofs D. erschien der Kaiser, von einem Heere begleitet, persönlich in der Mark, um für seinen Sohn Wenzel und alle seine männlichen Nachkommen die Eventualhuldigung entgegen zu nehmen. Hierbei wurde der Kaiser von dem Erzbischofe, unter dessen Mitwirkung die märkische Landesregierung stand, auf das kräftigste unterstützt. Die Verhandlungen der folgenden Jahre, durch die das baierische Haus dem Kaiser immer mehr Rechte in der Mark übertrug, wurden gleichfalls ohne Zweifel durch den Magdeburger Erzbischof geleitet. Mit der Consolidirung und Hebung seiner Hausmacht mag auch ein anderer, aber nicht zur Ausführung gekommener Plan [185] des Kaisers in Zusammenhang stehen, die Elbe zu einer Haupthandelsstraße von Böhmen bis zur Nordsee zu machen. Als man in Mageburg davon Kenntniß erhielt, traf man seitens der Bürgerschaft durch größere Befestigung der Stadt Vorkehrungen gegen die vom Kaiser in Aussicht genommene Expedition. Inwieweit Erzbischof D. auf diesen Plan fördernd oder hemmend einwirkte, ist nicht ersichtlich. Die Zwistigkeiten, welche mehrfach zwischen ihm und der Stadt vorkamen, wußte er zur rechten Zeit stets durch kluge Nachgibigkeit auszugleichen; obwol er den erzbischöflichen Rechten über die Stadt nichts vergab, war er doch, wozu seine bürgerliche Herkunft nicht wenig beitragen mochte, einer der populärsten Erzbischöfe.

In sein letztes Lebensjahr fällt ein unglücklicher Feldzug gegen den Bischof von Hildesheim. Nach einer gleichzeitigen chronikalischen Notiz waren von dem hildesheimischen Schlosse Wallmoden Raubzüge in die Nachbarschaft unternommen, und dies veranlaßte den Erzbischof, als die Beschwerden der dadurch Geschädigten erfolglos blieben, sich mit dem Herzog Magnus von Braunschweig zu verbinden. Die Verbündeten fielen mit ihren Streitkräften in das bischöfliche Gebiet und drangen, ohne Widerstand zu finden, bis in die Nähe von Hildesheim. Hier, zwischen den Dörfern Farmsen und Dinklar, griff sie der Bischof am 3. Sept. unerwartet an und brachte ihnen eine vollständige Niederlage bei. Eine große Anzahl von rittermäßigen Leuten fielen in die Hände des Siegers, die mit schwerem Lösegelde aus der Gefangenschaft losgekauft werden mußten. – Um das Land nach seinem Tode vor Ernennung eines Nachfolgers nicht wieder der Verwüstung durch Fehden und Raubzüge preiszugeben, bestimmte er, daß während dieser Zeit eine Zwischenregierung, aus Domherren, Stiftsvasallen und Vertretern der Städte bestehend, die Interessen des Landes wahrnehmen sollte. Erzbischof D. † am 17. Decbr. 1367.

Magdeburger Schöppenchronik (= Städtechroniken, Bd. VII.), S. 232 ff. Chron. Magdeb. bei Meibom, Script. Rer. Germ. II, p. 342 ss. Sagittarius, Hist. Archiepisc. Magdeb. bei Boysen, Histor. Magazin IV, 3 ff. v. Dreyhaupt, Beschreibung des Saalkreises I, 74 ff. P. Gerike, Leben Theodorici, Ertz-Bischofes zu Magdeburg Hannover und Braunschweig 1743. Derselbe, Fernere Nachricht von dem Leben Theodorici, Helmstedt 1743. Riedel, Gesch. des schloßgesessenen adlichen Geschlechts von Bismarck etc. im XI. Bande der märkischen Forschungen, Berlin 1867. S. 79 ff.