ADB:Albrecht II. (Erzbischof von Magdeburg)

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Artikel „Albert I., Erzbischof von Magdeburg“ von Eduard Winkelmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 184–185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Albrecht_II._(Erzbischof_von_Magdeburg)&oldid=2485899 (Version vom 24. November 2017, 15:00 Uhr UTC)
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Albert I., Erzbischof von Magdeburg, † 15. Oct. 1232, Sohn des Grafen Günther III. von Käfernburg, Bruder des Grafen Heinrich von Schwarzburg, Halbbruder des Grafen Ludolf von Hallermund und des späteren Erzbischofs von Magdeburg Willebrand. Es ist für Alberts Leben entscheidend geworden, daß er durch Verwendung seines Schwagers, des Hofkanzlers Konrad von Hildesheim, schon mit jungen Jahren eine Präbende am Magdeburger Dome erhielt. Er setzte dann seine auf der Hildesheimer Schule begonnenen Studien zu Paris fort. Obwol die Gunst des Papstes Innocenz III., dem er während eines vorübergehenden Aufenthalts in Rom einen wichtigen Dienst hatte leisten können, ihn 16. Febr. 1200 zum Dompropste beförderte, muß A. doch, als Innocenz zu Anfang 1201 offen für Otto IV. gegen Philipp von Schwaben Partei nahm, schon damals sich entschieden für den letzteren erklärt haben, da nicht nur der staufisch gesinnte Erzbischof Ludolf ihn gegen seine Neider schützte, sondern auch das Capitel unter dem Einflusse des gleichfalls staufischen Bischofs von Halberstadt ihn zum Nachfolger des 17. Aug. 1205 gestorbenen Ludolf erwählte. In der That begab A., zur Zeit der Wahl in Bologna studirend, sich sogleich zu König Philipp, um sich von ihm die Regalien verleihen zu lassen. Er wies die Zumuthungen des Papstes, durch Abfall von Philipp sich die Bestätigung zu verdienen, von sich und Innocenz seinerseits wagte nicht weiter gegen ihn einzuschreiten, weil der schließliche Sieg Philipps nicht mehr zweifelhaft war. Als A. zu Ende 1206 in Geschäften des Königs und in seinen eigenen nach Rom ging, sah Innocenz, der mehr als je eines Mittelsmannes bedurfte, über seine politische Stellung ganz hinweg und ließ ihn 24. Dec. zum Bischofe weihen. Er soll, nachdem er 15. April 1207 nach Magdeburg zurückgekehrt war, wo am 20., dem Charfreitage, der alte Dom abbrannte, die Bemühungen des Papstes und seiner Legaten um Beilegung des Thronstreites unterstützt haben, natürlich in dem Sinne, daß Otto abdanken sollte, und er wird, als Otto sich dessen weigerte, zu denjenigen Fürsten gehört haben, welche im Juni 1208 zu Quedlinburg versammelt waren, um mit König Philipp vereinigt die Unterwerfung des Welfen zu erzwingen. Da aber statt Philipps die Nachricht von seiner Ermordung kam, bewährte sich sowol Alberts Patriotismus als auch sein staatsmännischer Blick darin, daß er in der unverweilten und allgemeinen Anerkennung Otto’s das beste Mittel zur Herstellung der Einheit und zur Verhinderung eines neuen Bürgerkrieges im Reiche erkannte, welcher übrigens auch seinem eigenen Fürstenthume hätte verderblich werden müssen. Nachdem er selbst schon zu Anfang des Juli, wol als der erste der deutschen Fürsten, seinen Frieden mit Otto gemacht hatte, bewirkte er auf einem Tage zu Halberstadt, daß derselbe in Sachsen und Thüringen allgemein anerkannt wurde, und war mit auf dem großen Reichstage zu Frankfurt, wo auch die übrigen Stämme im November Otto als König annahmen. Er begleitete ihn 1209 zur Kaiserkrönung nach Rom, kehrte aber schon 5. Dec. nach Magdeburg zurück, weil er auf dem Rückwege von Rom mit Otto in Zwist gerathen war.

Es ist wahrscheinlich, daß Otto’s Auftreten in Mittelitalien gegen den Papst jene Meinungsverschiedenheit veranlaßt hat. Als Innocenz aber 18. Nov. [185] 1210 den Kaiser excommunicirte, hat A. sich trotzdem lange gegen die Verkündung des Bannes gesträubt, dann aber, als er sich fügen mußte, sich um so entschiedener denjenigen deutschen Fürsten angeschlossen, welche mit Wissen des Papstes Otto IV. in der Person des letzten Staufers Friedrich II. von Sicilien einen Gegenkönig entgegenzustellen beabsichtigen. A. nahm an der Besprechung zu Nürnberg 1211 Theil, wo die Berufung Friedrichs entschieden wurde und die durch Philipps Tod zersprengte staufische Partei sich gewissermaßen wieder zusammen fand. Während jedoch manche Mitglieder derselben, als Otto IV. 1212 nach Deutschland zurückkam, aufs neue sich dem Kaiser unterwarfen, blieb A. der einmal ergriffenen Sache treu, obwohl selbst der wichtigste Vasall des Erzstifts, der Markgraf von Brandenburg, zu Otto hielt und sein Fürstenthum nun fast Jahr für Jahr von verwüstenden Einfällen der Welfen heimgesucht wurde. „Wer das Ungemach und den Jammer beschreiben wollte, der müßte sich dazu ein großes Buch machen“, sagt die Magdeburger Stadtchronik. Otto’s Tod am 19. Mai 1218 und Alberts Friedensschluß mit dem Bruder desselben, Heinrich von Braunschweig, am 11. Sept. 1219 beendeten die Noth.

Seitdem finden wir A., der seit 1207 den Wiederaufbau des Domes betrieb und namentlich auf den äußeren Glanz seiner Kirche durch Erwerbung berühmter Reliquien u. dgl. sehr bedacht war, noch mehr als früher vom Dienste des Reiches und Friedrichs II. in Anspruch genommen. Er half im April 1220 Friedrichs Sohn, Heinrich, zum römischen Könige wählen und blieb in den nächsten Monaten bei jenem, bis er seinen Römerzug antrat. Zu Anfang 1222 besuchte er dann den Kaiser in Capua und wurde etwa im Mai zum Stellvertreter des Kaisers für Oberitalien, ein Jahr später auch zum Grafen der Romagna ernannt. Bis zum Herbste 1224, also fast drei Jahre, war er in Italien beschäftigt. Obwol er als Legat von Oberitalien 1226 durch den Grafen Thomas von Savoyen ersetzt wurde, blieb er doch Graf der Romagna und die Geschäfte dieses Amtes wie des Reiches haben ihn noch drei Mal in sechs Jahren nach Italien geführt. Er war Mitglied des Fürstengerichtes, welches Juli 1226 die Liga der Lombarden verurtheilte; er stand an der Spitze einer fürstlichen Gesandtschaft, welche sich 1228 im Interesse des Reiches um die Herstellung des Friedens zwischen Kaiser und Papst bemühte. Die Agitationen der päpstlichen Partei fanden an A. ebensowenig einen Halt, wie die Neuerungen des Königs Heinrich VII. in der Reichspolitik, welche in den nächsten Jahren fast zu offener Auflehnung gegen den Kaiser heranwuchsen. Auf dem Reichstage zu Aquileja April 1232 mußte Heinrich sich jedoch unterwerfen und Erzbischof A., der schon im December zum Kaiser nach Ravenna gegangen war, übernahm nun in Gemeinschaft mit anderen Fürsten die Bürgschaft für das weitere Betragen des Königs, also auch eine Art Aussicht über seine Regierung. Er ist von Anfang bis zu seinem Ende, welches nach der Heimkehr von Aquileja erfolgte, immer derselbe geblieben, vor vielen fürstlichen Zeitgenossen ausgezeichnet durch die Consequenz, mit welcher er die Einheit und den Frieden im Reiche nach allen Seiten hin vertreten hat. Leider fehlen alle Vorarbeiten, um seine Bedeutung für Magdeburg selbst genügend würdigen zu können.

Vgl. Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig, Bd. I. S. 377 ff.