ADB:Eglin, Raphael

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Artikel „Eglin, Raphael“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 678–679, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eglin,_Raphael&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 11:22 Uhr UTC)
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Eglin: Raphael E., reformirter Theolog des 16./17. Jahrhunderts, geb. 28. Decbr. 1559 in der Schweiz, † 20. Aug. 1622 in Marburg. Geboren zu Russikon, Canton Zürich, Sohn eines Züricher Predigers (Eglinus, Iconius, auch Götz genannt), vorgebildet in Chur und Chiavenna bei einem Prediger Lentulus, studirte er in Zürich, Genf (bei Th. Beza), Basel (bei J. J. Grynäus), wirkte eine Zeitlang als Lehrer zu Sonders im Veltlin, wurde von da 1586 mit andern Protestanten durch die kathol. Gegenreformation vertrieben, ward Lehrer in Winterthur, 1588 Pädagog am Alumnat, später Professor der Theologie, Diaconus und Archidiakon am großen Münster in Zürich. Durch Beschäftigung mit der Apokalypse wurde er auf theosophische Gedanken und alchymistische Experimente geführt, wobei er sein eigenes wie fremdes Geld zusetzte, so daß er zuletzt Schulden halber 1601 fliehen mußte und Monate lang im Elend umherirrte. Nachdem er mit Hülfe von Freunden sich arrangirt und einen ehrenvollen Abschied aus Zürich erhalten, zog er nach Cassel zu Landgraf Moritz, der, ein Freund der Gelehrten wie der Alchymisten, ihn zum Lehrer in Cassel, später zum Professor der Theologie in Marburg ernannte, 1606, bei seinen alchymistischen Versuchen mit Geld unterstützte, ihm sein Laboratorium abkaufte und mit ihm fleißig correspondirte. 1607 wurde er Dr. theol., 1614 zugleich Schloßprediger in Marburg, [679] wo er starb. – Neben all seinen apokalyptischen, alchymistischen und rosenkreuzerischen Wunderlichkeiten (1618 schrieb er eine „Assertio fraternitatis Ros. Crucis“) war er doch ein respectabler Theolog, beliebter Lehrer und fruchtbarer Schriftsteller, und hat insbesondere auf die Einführung des reformirten Bekenntnisses in Hessen (durch des Landgrafen Moritz sogen. Verbesserungspunkte) nicht geringen Einfluß geübt als Vertreter einer streng calvinischen Prädestinationslehre und einer föderalistischen Theologie. – Seine theologischen Schriften sind meist klein; die bedeutendsten derselben handeln von der Prädestination, von dem Geheimniß unserer Einpflanzung in Christo, von dem Gnadenbund, Sünde wider den heil. Geist etc., unter den philosophischen ist bemerkenswerth eine Schrift über Giordano Bruno (Marburg 1609); die wunderlichste seiner Schriften aber ist seine „Prophetia halieutica oder Meerwunderische Prophezeiung über die 1598 in Norwegen gefangenen Heringe“, aus denen er wichtige Geheimnisse der Offenbarung herauslesen wollte.

Vgl. über sein Leben und seine Schriften Tilemann, Vitae prof. theol. p. 190; Witte, Diar.; Hoffmann, Lex. univ.; Freheri Theatr. vir. erud. p. 414; Strieder, Hess. Gelehrtengesch. III, 301 ff.; Heppe in Herzog’s R. E. Bd. XIX.