ADB:Enke, Ferdinand

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Artikel „Enke, Ferdinand“ von Karl Friedrich Pfau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 379–380, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Enke,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 14:45 Uhr UTC)
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Enke: Ferdinand E., geboren am 8. October 1810, † am 8. December 1869, ist der Begründer eines der bedeutendsten deutschen wissenschaftlichen Verlagsgeschäfte. E. übernahm 1837 aus der väterlichen Buchhandlung in Erlangen das Sortimentsgeschäft, führte es unter seinem Namen weiter und fügte noch einen Verlag hinzu, der sich ausschließlich auf wissenschaftlichem Gebiete bewegte. Anfänglich ohne scharf ausgeprägte Richtung verlegerisch thätig, concentrirte er sich später auf Naturwissenschaften und Medicin, Rechts- und Staatswissenschaften. Entscheidend für ihn wurde der 1847 erschienene erste Band von „Canstatt’s specieller Pathologie und Therapie“, ein von durchschlagendem Erfolg begleitetes Werk, welchem im Jahr darauf unter Canstatt’s und Eisenmann’s Leitung der vielbändige „Jahresbericht über „die Fortschritte der gesammten Medicin in allen Ländern“ folgte. Diese beiden Unternehmungen wiesen der Firma den Weg, auf welchem sie sich bewegen und lebenskräftig entwickeln sollte. Innerhalb weniger Jahre gelang es E. mit Hülfe einer Anzahl berufener Männer der Aerztewelt dauernde Verbindungen anzuknüpfen. Neben der Medicin widmete sich die Firma in der [380] Folge auch dem Verlage theologischer, philologischer, naturwissenschaftlicher und auch juristischer Werke. Der rechts– und staatswissenschaftliche Verlag entwickelte sich indessen erst in bemerkbarer Weise mit der im J. 1849 von L. v. Jagemann begründeten und später von Fr. O. v. Schwarze und v. Holtzendorff fortgeführten Zeitschrift „Gerichtssaal“, der gleichzeitig im juristischen Sinne für die Firma das geworden ist, was von Canstatt’s Jahresbericht für das medicinische Gebiet gesagt werden kann. Dem „Gerichtssaal“ schlossen sich 1855 die „Schletter’schen Jahrbücher der deutschen Rechtswissenschaft“ und 1858 Goldschmidt’s „Zeitschrift für das gesammte Handelsrecht“ an. Außer diesen periodisch erscheinenden Unternehmungen erschienen noch zahlreiche in sich abgeschlossene Werke meist größeren Umfanges, die alle von Bedeutung für die Wissenschaft waren. Der Verlag naturwissenschaftlicher und verwandter Litteratur nahm ebenfalls in den 50er Jahren einen gewaltigen Aufschwung. Von der Litteratur der angewandten Naturwissenschaften tritt vor allem diejenige des Gartenbaues, zunächst mit der im rein wissenschaftlichen Sinne von E. v. Regel begründeten „Gartenflora“ in den Vordergrund, die den Mittelpunkt für diesen Zweig des naturwissenschaftlichen Verlags hinfort bilden sollte. Es ist unmöglich, auch nur ein annäherndes Bild von all den großen und für die Wissenschaft bedeutungsvollen Unternehmungen anzuführen. Es mag genügen, einige Autornamen zu nennen, wie z. B.: R. Virchow, Theodor Billroth, Freiherr v. Pitha etc., um die Bedeutung des Enke’schen Verlags zu charakterisiren. Die rapide Entwicklung des Verlags und die damit naturgemäß verbundene größere Arbeitslast für E. legte eine Theilung des Geschäfts nahe. E. entschloß sich denn auch, 1868 den Verlag vom Sortiment zu trennen und letzteres anderen Händen zu übergeben. Das Sortiment ging käuflich an Theodor Krische über. Bald aber sollte Enke’s Thatkraft ein Ziel gesteckt werden. Eine schwere chronische Krankheit befiel den bisher so rüstigen Mann und am 8. December 1869 zollte er der Sterblichkeit den Tribut. In ihm schied ein schaffensfreudiger und gediegener Geschäftsmann dahin, dessen Sinn stets auf das Ganze gerichtet war. E. scheute keine Opfer, wenn es sich um Durchführung großer Unternehmungen handelte und ebenso wenig ließ er sich durch Rathschläge Anderer oder durch anfängliche oder auch dauernde Mißerfolge irre machen, die bekanntlich keinem Verleger auf diesem oder jenem Gebiete erspart bleiben. Nach seinem Tode ging das Geschäft an seine Erben über. Die Leitung übernahm hinfort ein dem Geschäft schon mehrere Jahre angehörender Buchhändler, Paul Wagner, bis am 28. October 1874 der Sohn des Verstorbenen und bisherige Mitbesitzer Alfred E. das väterliche Geschäft für alleinige Rechnung übernahm und es gleichzeitig, angelockt durch die reiche Auswahl an trefflichen technischen Hülfsmitteln, nach Stuttgart, dem Mittelpunkt des süddeutschen Buchhandels verlegte. Der Nachfolger des Begründers der Firma hat im Sinne und Geiste des Vaters das Geschäft seither weitergeführt und eine Reihe bedeutsamer Unternehmungen haben sich den schon vorhandenen Verlagsbeständen angeschlossen: einige davon seien genannt, wie: „Entscheidungen des Reichsoberhandelsgerichts“ (25 Bände 1871–1880), ferner die „Deutsche Chirurgie“, herausgegeben von Billroth und Lücke u. s. w., u. s. w.