ADB:Fink, Ernst Friedrich

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Artikel „Fink, Ernst Friedrich“ von Wilhelm Gaß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 17, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fink,_Ernst_Friedrich&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 06:04 Uhr UTC)
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Fink: Ernst Friedrich F., geb. am 24. Octbr. 1806 zu Kandern in Baden, unterrichtet zu Lörrach, Müllheim und in dem Gymnasium zu Freiburg im Br., studirte seit 1824 auf der Universität daselbst Philosophie und Sprachwissenschaften und wandte sich dann zu Halle, Berlin und Heidelberg theologischen Studien zu. Obwol eine Zeit lang geneigt, die akademische Laufbahn zu ergreifen, übernahm er doch 1833 eine geistliche Stelle als Pfarrverweser zu Leutesheim und ging 1843 nach Illenau, woselbst er als Hausgeistlicher der dortigen Heilanstalt für Geisteskranke bis zu seinem Tode am 25. Juni 1863 segensreich gewirkt hat. Was ihn eines dauernden Andenkens würdig macht, ist der reiche geistige Gehalt, welchen er diesem einfachen Lebenslauf einzuverleiben wußte. Wie er schon während seiner Studentenzeit als junger Patriot dem Particularismus der Landsmannschaften widerstrebte: so wollte er überhaupt einem großen Ganzen innerlich angehören, ohne damit seine selbständige Gemüths- und Lebensrichtung zu verlieren. Er hatte aus den verschiedensten Quellen geschöpft, war in Freiburg von Hug, in Halle von Gesenius und Wegscheider, in Berlin durchgreifender von Schleiermacher angeregt worden, nachher mit Abegg, Rothe, Umbreit und Ullmann befreundet und hatte seine eifrige Lectüre auf Philosophie und Naturwissenschaften im weiten Umfange ausgedehnt; und von allen diesen Einflüssen vermochte er eine Frucht in sich aufzunehmen. Von Jugend auf religiös erregbar und poetisch gestimmt, gelangte er nach und nach zu einem strengeren kirchlichen Standpunkt, welchen er mit einer lebhaften Vorliebe für Zinzendorf verband; niemals aber ist seine Denkart in orthodoxe Härten ausgeartet, vielmehr blieb seine Kirchlichkeit unionistisch und sein Christenthum ruhte auf einem weitherzigen humanistischen Untergrunde. Eifrig betheiligte er sich an der Thätigkeit der inneren und äußeren Mission; auch dieses Interesse hing mit der Freude an der Erweiterung der christlichen Geistesmächte zusammen. Schon als Knabe hatte ihn der Anblick der Missionare gerührt, weil sie das Evangelium in ferne Gegenden tragen wollten. Eine Anknüpfung an Zinzendorf’s Bestrebungen konnte sich dabei leicht ergeben. Uebrigens hat er als Hausgeistlicher von Illenau unter Kranken und Gesunden friedfertig und mit unermüdlicher Treue gearbeitet, selbst im Verkehr mit den Geisteskranken wollte er der Gemeinde dienen. Diese Gesinnung und Thätigkeit, wie er sie auch in kleineren katechetischen, pädagogischen und kirchlich praktischen Schriften darlegte, wurde 1856 von Heidelberg aus und unter Rothe’s Decanat durch Verleihung der theologischen Doctorwürde anerkannt. Auch ist er thätiges Mitglied der Durlacher Conferenzen gewesen, sowie der beiden Synoden von 1855 und 1861, ohne jedoch die von der zweiten Synode entworfene freie Kirchenverfassung genehmigen zu wollen. In der Schrift: „Aus dem Nachlaß von E. Fr. Fink nebst einem Abriß seines Lebens“, Berlin 1866, hat ihm Ehrenfeuchter ein Denkmal gestiftet, woselbst außer Gedichten auch Skizzen und Aphorismen zur Philosophie und theologischen Encyklopädie, sowie über einzelne kirchliche Fragen Aufnahme gefunden.

Vgl. auch den Artikel in Weech, Badische Biographien I. S. 249.