ADB:Gesenius, Wilhelm

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Artikel „Gesenius, Wilhelm“ von Gustav Moritz Redslob in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 89–93, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gesenius,_Wilhelm&oldid=2487704 (Version vom 19. Oktober 2017, 05:36 Uhr UTC)
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Band 9 (1879), S. 89–93 (Quelle).
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Gesenius: Heinrich Friedrich Wilhelm G., Orientalist, geb. am 3. Febr. 1786 zu Nordhausen, † am 23. Oct. 1842. Sein Vater, ein seiner Wissenschaftlichkeit und Berufstüchtigkeit wegen hochangesehener Arzt zu Nordhausen, ließ ihn zunächst durch häuslichen Unterricht vorbilden und später das Gymnasium daselbst von der Tertia an besuchen. Nach des Vaters Tode zog G. 1801 in das Haus des Rectors dieser Schule Christ. Ludw. Lenz, welchem er für die ihm zugewandte liebevolle Aufnahme und mancherlei geistige Anregung stets sich zu Danke verpflichtet fühlte. 1803 verließ er die Schule und wandte sich zum Studium der Theologie nach Helmstädt. Hier waren es Pott und Lichtenstein, unter deren Einflusse seine bereits auf der Schule hervorgetretene Vorliebe für das Studium der hebräischen Sprache gefördert wurde, und Henke, dessen theologischer Richtung er folgte. Neben den morgenländischen aber trieb er auch fleißig die classischen Sprachen. Nachdem er eine Zeit lang als Lehrer am Pädagogium zu Helmstädt thätig gewesen war, siegte die Neigung zu einer akademischen Berufsthätigkeit in ihm, und veranlaßte ihn, 1806 die Stellung eines theologischen Repetenten zu Göttingen anzunehmen. In demselben Jahre erlangte er auch den philosophischen Doctorgrad mit der Dissertation: „Symbolae observationum in Ovidii fastos“. Seine Lehrthätigkeit erstreckte sich nun mit gutem Erfolge zunächst auf die Gebiete der classischen Philologie, der morgenländischen Sprachen und der alttestamentlichen Exegese, beschränkte sich in der Folge aber auf die beiden letzteren Fächer, und in diesen leistete er so ausgezeichnetes, daß die Frequenz seiner Vorlesungen eine den Verhältnissen nach bedeutende war, und er schon jetzt in seinem Fache als eine außergewöhnliche Kraft gelten konnte. Trotzdem bot sich ihm in den nächsten Jahren keine Aussicht auf eine feste akademische Stellung, und so sah er sich denn 1809 genöthigt, eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Heiligenstadt anzunehmen. Seine gelehrten Studien setzte er auch unter diesen Umständen mit ungeschwächtem Eifer fort und legte bereits den Grund zu den lexikalischen Arbeiten, welche später vornehmlich seinen Ruhm verbreiten sollten. Im nächsten Jahre wurde nun auch sein sehnlicher Wunsch, die akademische Laufbahn weiter beschreiten zu können, erfüllt: 1810 wurde er zum außerordentlichen Professor der Theologie zu Halle ernannt, und schon 1811 folgte die ordentliche Professur, nachdem er eine Berufung nach Breslau abgelehnt hatte. Jetzt eröffnete sich ihm ein Wirkungskreis von seltenem Erfolge. Außer seiner gründlichen und eine neue Richtung der semitischen Philologie anbahnenden Gelehrsamkeit, von deren Bedeutung später noch die Rede sein wird, war es die volle Hingebung zu dem betriebenen Gegenstande sowie zu seinen Schülern, namentlich in der 1813 von ihm gestifteten exegetischen Gesellschaft, ein ungewöhnliches Lehrtalent und ein lichtvoller Vortrag, verbunden mit gewinnender Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehre, [90] was seine Lehrthätigkeit zu einer so ersprießlichen machte und die Zahl seiner Zuhörer, unter ihnen nicht weniger Ausländer, auf eine in seinem Fache bisher nicht erreichte Höhe steigen ließ. Er las über alttestamentliche Exegese und Einleitung, morgenländische Sprachen und Paläographie, auch Kirchengeschichte und biblische Archäologie. Daneben machten ihn seine schriftstellerischen Arbeiten (s. unten) weit über Deutschlands Grenzen hinaus zu einer wissenschaftlichen Celebrität ersten Ranges. Wesentlich mit durch seinen Ruhm konnte die Hallenser theologische Facultät damals als weitaus die erste Deutschlands gelten, und trotzdem sie, durch die 1815 aufgehobene Universität Wittenberg verstärkt, an tüchtigen Kräften keinen Mangel hatte, schien er Alles um sich herum in Schatten zu stellen und für die seinen Studien verwandten Bestrebungen den Mittelpunkt zu bilden. Eine Reihe tüchtiger Männer, u. A. v. Bohlen, Hupfeld, Rödiger, Tuch, gingen aus seiner Schule hervor und suchten eine Ehre darin, sich als seine Schüler zu bezeichnen. 1813 zeichnete ihn die theologische Facultät zu Halle durch die Ernennung zum Ehrendoctor aus. Bedeutungsvoll für die Förderung der biblischen und morgenländischen Wissenschaft waren seine beiden Reisen ins Ausland. Die erste, welche er im Sommer 1820 in Begleitung seines Freundes Thilo nach Paris, London und Oxford unternahm, galt vornehmlich der Ausnutzung der dortigen Bibliotheken im Bereiche ungedruckter Bibelübersetzungen und morgenländischer Lexikographen und Grammatiker. Die „Anecdota orientalia“, der Kenntniß des Syrischen und Samaritanischen gewidmet (s. unten), brachten einige ihrer Früchte ans Licht, nicht minder aber hatte er für die Fortsetzung seiner lexikalischen Arbeiten fruchtbaren Stoff gesammelt. Eine zweite Reise nach England und Holland im J. 1835 hatte namentlich die Erforschung der phönizischen Inschriften zum Zwecke. Inzwischen war er 1827 an Eichhorn’s Stelle nach Göttingen berufen worden, er lehnte indessen ab und erhielt als Anerkennung nun den Titel Consistorialrath. Eine gehässige Anfeindung hatte er im Vereine mit seinem Collegen Wegscheider 1830 durch einen Artikel der Hengstenberg’schen „Evangelischen Kirchenzeitung“ zu erleiden, in welchem die beiden Männer ihrer rationalistischen Richtung wegen in einer Weise, welche auf allen Seiten Unwillen hervorrief, angegriffen und verdächtigt wurden. Die Sache erregte solches Aufsehen, daß auf höhere Anordnung eine Untersuchung eingeleitet wurde, welche indessen keinen Anlaß zu einem weiteren Vorgehen gegen die Angegriffenen ergab. Uebrigens trat der rationalistische Standpunkt bei Gesenius’ versöhnlichem Sinne keineswegs, weder in seinen Schriften, noch in seinem Lehrvortrage, in ausgeprägter Weise hervor, da er in erster Linie nur die Consequenzen seiner philologischen und historisch-kritischen Auffassung der biblischen Schriften vertrat, und es mochte nur die hervorragende Stellung, welche er überhaupt in der Wissenschaft und an der Hallenser Universität einnahm, der Grund sein, der ihn auch außerhalb seiner eigentlichen Sphäre als das Haupt einer von ihm vertretenen Richtung erscheinen ließ. Mit dem J. 1836 stellten sich bei G. durch ein hartnäckiges Magenleiden bedenkliche Störungen seines körperlichen Befindens ein, welche allmählich zunahmen und endlich auch seinen Tod zur Folge hatten. – Der Einfluß, welchen Gesenius’ wissenschaftliche Thätigkeit auf die morgenländischen und die mit diesen verwandten Studien übte, war ein namentlich für das Hebräische tiefgehender, ein geradezu umgestaltender und befreiender. Er schuf zuerst nach allen Seiten hin eine selbständige semitische Philologie. Er löste die hebräische Sprachforschung aus ihrer Abhängigkeit von der Theologie und stellte sie als ebenbürtig den übrigen Wissenschaften an die Seite. Frei von theologischer und religiöser Voreingenommenheit, ließ er als Richtschnur für ihre Behandlung nur die Ergründung des historischen Entwicklungsganges der Sprache aus sich selbst heraus und aus der Vergleichung mit den anderen, namentlich den verwandten Sprachen [91] gelten, und vereinigte in glücklicher Weise eine ausgiebige Benutzung der aus gesicherten Quellen geschöpften Ueberlieferung mit selbständiger Forschung und Kritik. Mochten auch bereits vor ihm einzelne Forscher nach dieser oder jener Richtung hin eine Wendung zu tieferer Auffassung angebahnt haben, so war er es doch, der mit sicherem Blicke für das Natürliche und Nächstliegende die richtigen Ergebnisse der verschiedenen Schulen und Methoden zu einem harmonischen Ganzen vereinigte und weiter fortbildete, das Verfehlte aber zurückwies. Trotz mancher Modificationen und Erweiterungen im Einzelnen hat sich doch im Großen und Ganzen die von ihm begründete Methode bis heute behauptet, und die nachfolgende Fortbildung und Vertiefung der semitischen Philologie beruht auf den durch sie gewonnenen zuverlässigen Resultaten. So nahm er, ohne sich wie ältere Sprachforscher (Reuchlin, die beiden Buxtorf und die sich an sie anschließenden Schulen) zu einseitig von den rabbinischen Ueberlieferungen abhängig zu machen, ohne wiederum wie andere (Forster, Bohle, Gousset, Houbigant) diese Ueberlieferungen als werthlos zu verwerfen und damit eine nothwendige feste Basis aufzugeben, aus ihnen bereitwillig das an, was sich mit einer gesunden philologischen und historischen Auffassung vertrug. Ohne ferner in die Fehler der durch Schultens begründeten sogen. holländischen Schule zu verfallen, welche ohne genügende Rücksicht auf Selbständigkeit und Eigenartigkeit des hebräischen Sprachgebrauches diesen oft sehr willkürlich aus den verwandten Sprachen, namentlich der arabischen, zu erklären suchte, wußte G. die gesicherten Ergebnisse dieser Richtung wohl zu verwerthen und jene Sprachen für das Hebräische in fruchtbringender Weise auszunutzen. Dabei verschaffte er auch dem aramäischen Sprachstamme, welcher, wiewol dem Hebräischen in mancher Beziehung näher stehend, neben dem reicheren arabischen bisher zu wenig berücksichtigt war, die ihm gebührende Geltung. So lenkte er auf Grund seiner 1820 gewonnenen Reiseresultate die Aufmerksamkeit auf die beachtenswerthe einheimische Lexikographie der Syrer in den Abhandlungen: „De Bar Alio et Bar Bahlulo lexicographis Syro-Arabicis ineditis“, 1834. Part. 2, 1839 (zusammengefaßt unter dem Titel: „Anecdota orientalia“ Fasc. 2. 1839). Von grundlegender Bedeutung für die semitische Dialektforschung und Paläographie sind seine freilich nicht unangefochten gebliebenen Arbeiten über die phönizischen Sprachreste: „De inscriptione Phoenicio-Graeca in Cyrenaica nuper reperta“, 1825. „Paläographische Studien über phönizische und punische Schrift“, 1835. „Disputatio de inscriptione Punica Lybica“, 1836, vor allem aber: „Scripturae linguaeque Phoeniciae monumenta quotquot supersunt edita et inedita“, P. 1–3. 1837, welches Werk außer den Inschriften selbst auch eine Erklärung derselben und eine Darstellung der phönizischen Sprache gibt, deren Ausführungen Ewald’s lebhaften Widerspruch hervorriefen. Die Kenntniß der vorher wenig betriebenen samaritanischen Sprache wurde wesentlich gefördert durch die ihr von G. gewidmete Sorgfalt; er schrieb: „De Pentateuchi Samaritani origine, indole et auctoritate“, 1815. „Commentatio de Samaritanorum theologia ex fontibus ineditis“, 1822. „Carmina Samaritana e codicibus Londinensibus et Gothanis edidit et illustravit“ („Anecdota orientalia“. Fasc. 1), 1824. Den maltesischen Dialekt, welcher bisher für phönizischen Ursprunges angesehen war, stellte er überzeugend als einen entarteten Abkömmling des Arabischen hin in der Schrift: „Versuch über die maltesische Sprache“, 1810. – Die gründliche Kenntniß der verwandten Dialekte und der neueren Formen des Hebraismus ermöglichte ihm für die Förderung des Hebräischen, in welcher unstreitig sein ausgezeichnetstes Verdienst liegt, ein feineres Verständniß der grammatischen Erscheinungen, reichere lexikalische Ergebnisse und eine sichere Handhabung der Etymologie. Gesenius’ Stärke und nachhaltige Bedeutung liegt unzweifelhaft mehr in der empirischen Behandlung der Sprache, in der zuverlässigen Beobachtung und Darstellung der [92] thatsächlichen Spracherscheinungen, als in der Abstraction und rationellen Auffassung. Aber gerade dieser Umstand hat im Vereine mit Klarheit und Leichtfaßlichkeit des Ausdrucks, mit einer zweckmäßigen, durchsichtigen Anordnung des Stoffes viel zur Belebung des semitischen Sprachstudiums auch in weiteren Kreisen beigetragen und seinen Lehrbüchern die ungemeine Popularität und praktische Verwendbarkeit verschafft, welche sie bis auf den heutigen Tag in zahlreichen, bei zeitgemäßer Umarbeitung doch die ursprüngliche Anlage und Methode treu bewahrenden Auflagen genossen haben, trotzdem andere Forscher nach ihm die Sprache in rationeller Beziehung tiefer erfaßt und für ein weiter gehendes Studium mehr Anregung und Reiz geboten haben mögen. Für den selbständig Forschenden haben daher auch seine Arbeiten auf lexikalischem Gebiete hauptsächlichen Werth. Schon die kürzeren hebräischen Wörterbücher gehen über den Bedarf des Lernenden weit hinaus und bezeichnen in der Reichhaltigkeit und selbständigen Verarbeitung des Sprachstoffes gegen die früheren einen wesentlichen Fortschritt. Die Grundlage der verschiedenen von ihm herausgegebenen Wörterbücher ist das „Hebräisch-deutsche Handwörterbuch über die Schriften des A. T. durchaus nach alphabetischer Ordnung“, 2 Bde. 1810–12. Aus diesem ging als ein kürzerer Auszug für Schulen hervor das „Neue hebräisch-deutsche Handwörterbuch über die Schriften des A. und N. T.“, 1815. Von letzterem erschien eine neue vermehrte Auflage unter dem Titel: „Hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch über das A. T.“, 2. Aufl. 1823, und an diese schloß sich eine Reihe neuer, sich stetig erweiternder Auflagen, von denen nach Gesenius’ Tode die 5.–7. von Dietrich besorgt wurde, die 8., von Mühlau und Volck herausgegeben, soeben (1878) zum Abschlusse gebracht ist. Nach der 3. Auflage erschien auch eine für das Ausland bestimmte lateinische Bearbeitung: „Lexicon manuale Hebraicum et Chaldaicum in V. Ti. libros“, 1833, von dieser eine von A. Th. Hoffmann herausgegebene 2. Auflage 1846–47. Als Gesenius’ ausgezeichnetste Leistung aber muß unstreitig hingestellt werden der „Thesaurus philologicus criticus linguae Hebraeae et Chaldaeae V. Ti.“, T. 1–3, 1835–53, nach Gesenius’ Tode von E. Rödiger zum Abschluß gebracht und von diesem 1858 mit Registern und Nachträgen versehen. Wiewol von dem Verfasser als 2. Auflage des 1810 erschienenen Handwörterbuches bezeichnet, ist es im Grunde doch seiner ganzen Anlage nach ein neues, mit jenem kaum zu vergleichendes Werk, das bei seiner Reichhaltigkeit auf allen, auch den fachlichen Gebieten, bei der zuverlässigen Wiedergabe der Bedeutungen an der Hand historischer und kritischer Forschung, bei der erschöpfenden Ausnutzung der vorhandenen Hülfsquellen, endlich bei der umsichtigen Entwicklung der etymologischen Belege eine Fundgrube für jede eingehendere Erforschung der hebräischen Sprache und des alten Testamentes geworden und geblieben ist. – Die „Hebräische Grammatik“ (auch unter dem Titel: „Hebräisches Elementarbuch“, Th. I) erschien zuerst 1813 und verdrängte mit Einem Schlage die zuvor gebräuchlichen Lehrbücher von Vater, Hezel, Biedermann u. A. Zu ihr trat als Chrestomathie das „Hebräische Lesebuch“ („Hebräisches Elementarbuch“, Th. II), 1814. Schnell folgte immer mehr verbessert und erweitert eine Auflage auf die andere, von der Grammatik 1842 als die letzte von G. selbst besorgte die 13., die folgenden bis zur 21. 1872 von Rödiger, die 22. 1878 von E. Kautzsch mit steter Berücksichtigung der neueren Ergebnisse der Sprachwissenschaft, aber durchaus in Gesenius’ Geiste bearbeitet, von dem Lesebuch 1834 die 6., hierauf von de Wette herausgegeben 1844 die 7. Uebersetzungen der Grammatik erschienen in fast sämmtlichen europäischen Sprachen. Neben dieser kürzeren zunächst für den Anfänger bestimmten Sprachlehre erschien 1817 das „Ausführliche grammatisch-kritische Lehrgebäude der hebräischen Sprache mit Vergleichung der verwandten Dialekte“. Eine ursprünglich für dieses [93] gründliche und reichhaltige Werk bestimmte historische Einleitung nahm im Laufe der Ausarbeitung einen solchen Umfang an, daß der Verfasser sich genöthigt sah, sie vorweg als besonderes Werk erscheinen zu lassen; sie führt als solches den Titel: „Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift“, 1815. Zu der beabsichtigten Umarbeitung dieser beiden letzteren Werke kam G. später nicht mehr, weshalb sie nicht ganz auf der Höhe seiner vollendeten Gelehrsamkeit stehen. – Die alttestamentliche Exegese hat er mehr in seinen Vorlesungen als in Schriften behandelt. In diesem Zweige seiner Thätigkeit waltet das philologische und historisch-kritische Interesse vor, und der Einfluß auf die Entwicklung der Exegese war in dieser Richtung ein nachhaltiger. Das einzige hierher einschlagende Werk: „Der Prophet Jesaja übersetzt und mit einem Kommentare begleitet“, 3 Thle., 1820–21, von welchem der erste die Uebersetzung enthaltende Theil 1829 in 2. Auflage erschien, bietet die gründlichste Bereicherung unserer sprachlichen Kenntnisse in Anwendung auf die alttestamentliche Auslegung. Werthvolle Beiträge zur semitischen Philologie enthalten auch die von seinem vielseitigen Wissen zeugenden Aufsätze in der Ersch und Gruber’schen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, sowie die zahlreichen Recensionen in der Allgemeinen Literaturzeitung, an deren Redaction er seit 1828 betheiligt war und welche durch eine gewissenhafte Leitung mit strengwissenschaftlichem Geiste zu durchdringen er sich mit anerkanntem Erfolge eifrig angelegen sein ließ. Endlich gewähren auch die Anmerkungen, welche er zu der deutschen Uebersetzung von J. L. Burckhardt’s „Reisen in Syrien, Palästina und der Gegend des Berges Sinai“ („Neue Bibliothek der wichtigsten Reisebeschreibungen“, Bd. XXXIV. u. XXXVIII), 1823–24, lieferte, schätzbare Beiträge zur Topographie der genannten Länder.

Vgl. seinen Nekrolog in d. Allgem. Literaturzeitung, 1842. Intelligenzblatt Nr. 62. 63 (von Fr. A. Eckstein). Neuer Nekrolog d. Deutschen 1842, II. 737. Gesenius. Eine Erinnerung für seine Freunde, 1843 (anonym, von R. Haym).