ADB:Forster, Georg (Liedersammler)

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Artikel „Forster, Georg“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 164–165, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Forster,_Georg_(Liedersammler)&oldid=- (Version vom 26. April 2019, 00:42 Uhr UTC)
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Forster: Georg F., Arzt und deutscher Liedercomponist. Zeit und Ort seiner Geburt sind nicht bekannt geworden. Den ersten Grund seiner Kenntnisse legte er zu Ingolstadt, worauf er die Heidelberger Universität besuchte. In der Vorrede zum dritten und vierten Theil der deutschen Liedlein gedenkt F. mit besonderer Vorliebe dieser Zeit und erwähnt besonders, daß er am Hofe des Kurfürsten am Rhein, Pfalzgrafen Ludwig, erzogen worden ist und von dem dortigen Capellmeister und Componisten Laurentius Lemlin in Gemeinschaft mit seinen „tisch- und bethgesellen“ Stephan Zierler und Gaspar Othmayr in der Musik unterrichtet worden ist. In Heidelberg erwarb er sich nicht nur die Gunst der Professoren Grynäus und Sebast. Münster, sondern auch durch sein musikalisches Talent und die „besondere Annehmlichkeit seiner Stimme die Gnade des Fürsten, der ihn studiren ließ“. Von hier aus ging er nach einem 10jährigen Aufenthalte nach Wittenberg und verweilte dort 3 Jahre. Hier lernte er Matth. Gabricius kennen und schloß ein reges Freundschaftsbündniß mit ihm, besonders galt er aber bei Melanchthon und Luther überaus viel. Letzterer vergnügte sich hauptsächlich an seiner Musik und ließ sich auch Psalmen und verschiedene Schriftstellen von ihm componiren. Hierauf prakticirte F. als Arzt in Amberg und Würzburg, dann wurde er vom Pfalzgrafen am Rhein und Herzog von Baiern Wolfgang (1532–69) nach Heidelberg berufen, machte von da aus als Leibarzt des Herzogs die Feldzüge wider den Herzog von Jülich und den König von Frankreich mit und wurde nach diesem von seinem Herrn „mit ansehnlichem Gehalte“ bei sich behalten. 1540 ging F. nach Nürnberg, wurde dort Leibarzt des Abtes Friedrich zu Hailsbronn und starb am 12. Nov. 1568. Das Verdienst Forster’s besteht nicht sowol in den von ihm selbst componirten geistlichen und weltlichen Gesängen und Liedern, als in den von ihm veranstalteten Sammlungen deutscher weltlicher Lieder, welche als sehr wichtige Quellen für die Volksliedermelodien zu betrachten sind. Seine Hauptthätigkeit in dieser Beziehung fällt in die J. 1538–56, und zwar durch die Herausgabe der großen Liedersammlung, welche in fünf Theilen erschien, 380 meist vierstimmige Gesänge von [165] verschiedenen Componisten enthält und viele Ausgaben erlebte. Der Titel des ersten Theiles lautet: „Ein Außzug guter alter vnd newer Teutschen liedlein, einer rechten Teutschen Art, auff allerley Instrumenten zu brauchen, außerlesen. Nürnberg 1539 bey J. Petrejus“. Die anderen vier Theile erschienen 1540, 1549 und 1556 ebenfalls in Nürnberg. Von F. sind in den fünf Theilen 36 Lieder componirt. Auch in anderen Sammelwerken des 16. Jahrhunderts, namentlich in den bei Georg Rhau in Wittenberg erschienenen, sind geistliche und weltliche Gesänge von ihm enthalten. Seine Compositionen sind nicht ohne contrapunktische Kenntnisse geschrieben; die Stimmen sind fließend und stimmgerecht behandelt, so daß er sich seinen Zeitgenossen mit vollem Recht als ebenbürtiger Künstler anschließen kann. Er gab noch zwei Sammelwerke heraus, in denen Compositionen von ihm nicht enthalten sind. Das erste dieser Werke enthält 49 Motetten zu 4 und 5 Stimmen und erschien 1540 in Nürnberg. Die zweite Sammlung enthält 113 Psalmen zu 4, 5 und mehr Stimmen und erschien in 5 Theilen 1538, 1539 und 1542 ebenfalls in Nürnberg. Ein Beispiel von Forster’s Satzkunst theilt Winterfeld (Der evangelische Kirchengesang“ I. Mus.-Beil. Nr. 21) mit, worin zum Cantus im Tenor: „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“, der Discant die Melodie des alten Volksliedes: „Aus fremden Landen komm ich her“, sehr geschickt ausführt. Er ist öfters verwechselt worden mit dem gleichnamigen Georg F., kurfürstl. sächsischen Capellmeister. Derselbe war nach Walther’s Angabe (Musikalisches Lexikon 1732) Cantor in Zwickau (1556) und Annaberg (1564). Von dort kam er 1568 als Bassist in die kurfürstl. Cantorei nach Dresden, wurde 1581 Vicecapellmeister und 1586 wirklicher Capellmeister, welchen Posten er bis zu seinem Tode am 16. Octbr. 1587 bekleidete. Compositionen von ihm sind nicht bekannt geworden.

Monatshefte für Musikgeschichte (Berlin 1869). Eitner, Bibliographie der Musiksammelwerke des 16. und 17. Jahrh. (Berlin 1877).