ADB:Fraas, Carl

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Artikel „Fraas, Karl“ von William Löbe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 202–203, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fraas,_Carl&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 00:53 Uhr UTC)
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Fraas: Karl F., Professor der Landwirthschaft an der Universität München und Director der königl. Centralthierarzneischule daselbst, wurde geboren zu Rattelsdorf in Oberfranken 6. Sept. 1810, † zu München 10. Nov. 1875. Nachdem er das Gymnasium in Bamberg absolvirt hatte, studirte er in München Medicin und Botanik. Er machte mit Erfolg das Botanische Examen, erhielt das Stipendium botanicum und wurde infolge dessen Assistent am botanischen Garten und dem Herbarium der Akademie. 1834 promovirte er. Einmal im Examenzuge, bestand er gleich auch das Examen für höhere Lehranstalten. Nach Ablegung der Examina wurde er auch medicinischer Practikant am Spital unter Walther. Bezüglich der Medicin erkannte er aber bald, daß es eine sehr mißliche Sache sei, selbst hilflos, den hilflos Darniederliegenden Rettung zu bringen. Es war ihm deshalb erwünscht, als er einen Auftrag erhielt, als Hofmeister mit dem königl. griechischen Hofmarschall Graf v. Soporta nach Griechenland zu gehen. Als derselbe nach zwei Jahren nach Baiern zurückkehrte, blieb F. als Director der königl. Hofgärten und des von ihm anzulegenden botanischen Gartens und der Staatsbaumschule in Athen zurück. Zugleich wurde er zum Professor der Botanik an der neu errichteten hellenischen Universität ernannt. Er begann nun seine sehr interessanten Excursionen in alle Theile des Reiches von Mezzova bis Vatica und Maina und wiederholte sie alljährlich. Tausende von Obstbäumen wurden von ihm zuerst durch Griechenland verbreitet, eine Masse neuer Kulturpflanzen eingeführt und die ersten Anfänge des Hofgartens gemacht. Seine landwirthschaftliche Richtung bekam er erst in Griechenland. Die Verbindungen mit Aucher Elotz, Mac Adam von der Fregatte Portland, mit Biasoletto, Tenore und andern Gelehrten des Südens waren sehr fruchtbringend. Für die Universität, an der er 1837–38 seine Vorlesungen sogleich in neugriechischer Sprache begann, schrieb er ein Compendium „σουχεία τῆς βοτανικῆς“. Da F. sowol als seine Familie häufig am endemischen Wechselfieber erkrankte, so kehrte er 1839, zwar mit Urlaub, aber entschlossen, nicht wieder nach Griechenland zu gehen, nach Baiern zurück. Er wurde bald Lehrer der Landwirthschaft und Naturgeschichte an der königl. Gewerbeschule zu Freising und zugleich Verwalter einer vom Staate gegründeten Seidenzuchtanstalt am Staatsgute Weihenstephan. 1845 kam er nach Schleißheim als Inspector und Lehrer der Chemie und Technologie der Central-Landwirthschaftsschule. Hier gab er die Frucht seiner Privatstudien in Freising „Synopsis florae classicae“ heraus, welches Werk ihm die Freundschaft Fallmerayer’s eintrug. Zugleich war er nun genöthigt, den gewaltigen Fortschritten der Chemie zu folgen. Er erfaßte mit Begeisterung die neuere Agriculturchemie und betheiligte sich von da ab an allen Versammlungen der deutschen Land- und Forstwirthe, deren Section der Naturwissenschaft er meist vorstand. Dies war auch die Veranlassung, daß er sich der naturwissenschaftlichen Grundlage der Landwirthschaft ganz in die Arme warf, und da seine inzwischen erschienene Broschüre „Klima und Pflanzenwelt in der Zeit“ viel Glück machte, wurde er nach München an die Universität versetzt. Gleichzeitig wurde ihm die Redaction der Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern übertragen. Auch für die Augsburger Allgemeine Zeitung lieferte er manche größere Aufsätze. In den Sturmjahren 1848–49 hielt F. den landwirthschaftlichen Verein vorzüglich zusammen, regte dann seine Reorganisation an und stellte sich in die vorderste Reihe für Hebung agricoler Interessen in Baiern. Dafür erhob ihn der König zum ordentlichen Professor. Inzwischen hatte F. die „Grundzüge der Landwirthschaftslehre“ in Franck’s neuer Encyklopädie [203] geschrieben und immer schon an einer „Geschichte der Landwirthschaft“ gearbeitet, so daß es ihm leicht wurde, um den von der Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe zu Brünn ausgeschriebenen Preis, der ihm erst nach seiner Rückkehr aus Griechenland bekannt wurde, zu concurriren und ihn zu erhalten. Mehr Glück als mit diesem Werke in buchhändlerischer Hinsicht, machte er mit seiner „Schule des Landbaues“, welche 1851 zum ersten Mal erschienen bis 1871 fünf Auflagen erlebte. Da in Baiern die Thierärzte im Laufe der Zeit in eine feindliche Stellung zu den Landwirthen gekommen waren, und die Veterinärschule in München fast kein Lebenszeichen von sich gab, so wurde F. zum Director dieser Anstalt ernannt. Die Reorganisation derselben wurde unter ihm durchgeführt, ein Musterstall aller baierischen Rindviehrassen hergestellt, poliklinischer Unterricht, Contumazstall, ein Laboratorium ins Leben gerufen und auch die Reorganisation des baierischen Civilveterinärwesens angebahnt. Später beschäftigte ihn die künstliche Fischzucht. Nächstdem redigirte er den „Amtlichen Bericht der XVI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe“. Was ihm als besondere Aufgabe schon lange am Herzen gelegen, war eine neue Theorie der Landwirthschaft, welche er auch 1857 unter dem Titel „Die Natur der Landwirthschaft, Beitrag zu einer Theorie derselben“ (2 Bände.) erscheinen ließ. Gleichzeitig gab er das Schriftchen heraus: „Wie wird Waldstreu entbehrlich?“, welches in kurzer Zeit fünf Auflagen erlebte. Außerdem schrieb er „Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft seit dem 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ (1865); „Die Ackerbaukrisen und ihre Heilmittel“ (1866); „Das Wurzelleben der Kulturpflanzen und die Ertragssteigerung“ (1870).