ADB:Walther, Philipp Franz von

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Artikel „Walther, Philipp Franz von“ von Georg Korn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 121–122, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walther,_Philipp_Franz_von&oldid=3069321 (Version vom 17. Januar 2018, 15:12 Uhr UTC)
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Walther: Philipp Franz v. W., Arzt, geboren am 3. Januar 1782 zu Burweiler in der Rheinpfalz, † am 29. December 1849 zu München, wurde schon im Alter von 15 Jahren als Student der Medicin an der Heidelberger Hochschule immatriculirt und studirte dann in Wien unter Peter Frank und Beer noch drei Jahre. Nachdem er in Landshut 1803 zum Doctor promovirt war, wurde ihm, der damals erst 21 Jahre zählte, eine Stellung als Medicinalrath, ordentlicher Professor und Oberwundarzt am Spitale zu Bamberg zu theil. In Bamberg trat er in nähere Beziehungen zu seinem dortigen Collegen Schelling, dessen Naturphilosophie ihn tief beeinflußt hat, wie auch seine „Physiologie des Menschen mit durchgängiger Rücksicht auf die vergleichende Physiologie der Tiere“ (2 Bände, Landshut 1806–1808) erweist. Eine Reise nach Paris ließ ihn die großen Fortschritte in der Diagnostik und pathologischen Anatomie, welche die Franzosen damals bereits gemacht hatten, zwar kennen lernen, aber nicht würdigen. Wenigstens fertigte er bald nachher Corvisart im Jahrbuch der Medicin von Markus und Schelling 1805, I, 1, S. 154 folgendermaßen ab: „Er ostentiert ganz eigenthümliche Ansichten und Kenntnisse als diagnostische Einsichten in die organischen Krankheiten des Herzens; er unterscheidet z. B. die Verknöcherung der Valveln der arteriellen Mündungen von jenen der venösen“. 1804 wurde er nach Landshut als Professor für Physiologie, später auch für Chirurgie berufen und gewann hier großes Ansehen als Chirurg und Augenarzt. [122] Noch bedeutender wurde sein Ruf als genialer Meister auf diesen Gebieten, als er von 1818 bis 1830 an der neubegründeten Universität Bonn wirkte. Die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens widmete er der Universität München, zugleich als Leibarzt des Königs Ludwig I. thätig; doch gab er 1836 die Leitung der chirurgischen und Augenklinik auf und hielt bis zu seinem Tode dann nur noch theoretische Vorlesungen. – Obwol ein Anhänger der Naturphilosophie, verkannte er nie die Nothwendigkeit der inductiven Methode für die Medicin und verlor nie das praktische Ziel in seinen Arbeiten aus den Augen. Von umfassender, gediegener Bildung, gewinnender und imponirender Haltung, dabei ein Muster ärztlicher Humanität und edlen collegialischen Charakters, übte er durch Persönlichkeit und Lehrthätigkeit einen weit reichenden Einfluß auf seine Zeitgenossen und die Entwicklung der deutschen Medicin. Namentlich wirkte er wahrhaft reformatorisch auf die wissenschaftliche Bearbeitung der Chirurgie und Augenheilkunde, der er eine solide anatomische Grundlage zu geben und naturwissenschaftlichen Charakter zu verleihen bestrebt war. Seine Beobachtungen und Erfahrungen legte er in zahlreichen Veröffentlichungen nieder, vor allem in seinem „System der Chirurgie“ (1833), in dem er erklärte, „er sei „seit der frühesten Zeit der leitenden Idee gefolgt, daß die Heilkunde, in ihrem tieferen Grunde betrachtet, nicht nur auf Naturforschung beruhe, sondern fortgesetzte Naturforschung selbst sei, wodurch, wenn das Verhältniß richtig aufgefaßt wird, weder ihrer künstlerischen Richtung, noch ihrer wohlthuenden Dienstbarkeit für leidende Mitmenschen irgend ein Abbruch geschieht“. Der Gegensatz der inneren und äußeren Heilkunde, der Medicin im engeren Sinne des Wortes und der Chirurgie, entspringe weder in der Physiologie, noch in der allgemeinen Pathologie und Therapie. Dieser Auffassung gemäß, die er noch weiter in einer eigenen Schrift („Ueber das Verhältniß der Medicin zur Chirurgie und die Duplicität im ärztlichen Stande“ 1841) vertrat, war er stets ein Vorkämpfer gegen die damals noch bestehende unnatürliche Trennung der Chirurgie und inneren Medicin und für die Gleichstellung des chirurgischen Standes. Von seinen einzelnen Arbeiten sei nur seine Schrift über die schwammigen Auswüchse auf der harten Hirnhaut, die über Harnsteine und über die erste gelungene Heilung des Kropfes durch Unterbindung der Arteria thyreoidea genannt. Ferner gab W. den ersten Aufschluß über die Entstehung des grauen Stars, über die Entzündungen des Ciliarkörpers, über das Iris-Colobom, über Hornhauttrübungen u. a. m. Auch für die Interessen des ärztlichen Standes trat W. warm ein; er erhob in dem Reformcongreß der bairischen Aerzte für die Freigebung der ärztlichen Praxis und eine würdige Stellung des ärztlichen Standes seine gewichtige Stimme. Mit Erfolg kämpfte er für Beseitigung der landärztlichen und chirurgischen Schulen in Baiern, aus welchen nur halbgebildete Aerzte auf die Bevölkerung losgelassen wurden, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Als Lehrer war er klar, anregend, ja begeisternd. Allgemeine Trauer war um den trefflichen Mann, als er nach kurzem Krankenlager dem Unterleibstyphus, der Geißel des damaligen München, erlag.

Vgl. die deutsche Medicin im 19. Jahrh. Eine Festgabe z. 40jähr. Dienstjubiläum Ph. Fr. v. Walther’s, v. ärztl. Verein in München am 23. Mai 1843, 4°. – F. Seitz, Rede am Grabe Ph. v. Walther’s als Nekrolog in Prof. v. Lang’s Akadem. Monatsschrift (Jhg. 1850.) – Ders., Lex. ber. Aerzte, VI, 188. – A. Martin, v. Walther’s Leben und Wirken in v. Walther u. Ammon’s Journal f. Chir. u. Augenh. IX, Heft 5. – v. Ringseis, Gedächtnißrede auf Ph. v. Walther in d. Akad. d. Wiss. zu München 1851. – v. Nußbaum, Festrede zu Ph. v. Walther’s 100jähr. Geburtstag 3. Jan. 1882 im ärztl. Verein zu München.