ADB:Francé, Josef de

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Artikel „France, Joseph de“ von Heinrich Kábdebo in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 205–206, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Franc%C3%A9,_Josef_de&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 13:21 Uhr UTC)
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France: Joseph de F., Generaldirector der gesammten k. k. Schatzkammern und Galerien in Oesterreich, geb. zu Besançon im J. 1691, † zu Wien 25. Febr. 1761 (alt 70 Jahre) an Brustwassersucht. F. stammte aus einer wohlhabenden Familie; er kam frühzeitig nach Wien, wo er ein Wechselgeschäft eröffnete. Gebildet und durch seine Manieren ausgezeichnet, verstand er es sehr bald sich Reichthum und Ansehen zu erwerben; sein Geschäft stand mit allen größeren Städten in Verbindung und gewann immer mehr an Bedeutung. Er selbst war ebenso sehr Finanzmann als Diplomat, weßhalb er auch längere Zeit hindurch den königlich polnischen und den kurfürstlich sächsischen Hof in Wien vertrat. Nachdem er schon im Jahre 1732 zum österreichischen Hofagenten ernannt wurde, legte er 1734 sein Geschäft gänzlich nieder, um sich ganz dem Hofdienste zu widmen. Vorerst wurde er Vice-, dann (1736) wirklicher Hof-, Schatz- und Kammerzahlmeister der verwittweten Kaiserin Wilhelmina Amalia; als die Kaiserin im Jahre 1742 starb, wurde er zum „Abhandler und Bevollmächtigten dero Verlassenschaft“ ernannt. Schon während seines Wirkens als Wechselagent hatte de F. seinen großen Kunstsinn bezeigt; er war ein leidenschaftlicher Sammler von Gemmen, Cameen, Broncen und Goldschmiede-Arbeiten, außerdem hatte er sich eine für jene Zeit sehr bedeutende Münzensammlung angelegt. Seine freien Stunden verbrachte er inmitten seiner Schätze; nach und nach hatte er sich große praktische Kenntnisse in Classificirung und Schätzung solcher künstlerischer oder historischer Denkmale erworben, ja sein Urtheil galt in solchen Sachen als entscheidend. Als somit de F. im J. 1747 mit der Verlassenschaftsabhandlung der verstorbenen Kaiserin zu Ende gekommen war und im Hofdienste verfügbar stand, suchte die Kaiserin Maria Theresia für ihn eine Stelle aus, wo er auch seine anderweitigen Kenntnisse zur Geltung bringen konnte: er wurde mit der Ordnung und Aufstellung der kaiserlichen Schatzkammer betraut. Nach dreijähriger Arbeit hatte de F. die neue Aufstellung vollendet und der Kaiserin das Inventar vorgelegt. Die Principien, nach welchen diese Ordnung bewirkt wurde, sind weder aus der Vorrede, noch aus dem Inventar selbst zu ersehen; es scheint eben außer einer erhöhten decorativen Wirkung nichts Weiteres durch die Neuordnung erzielt worden zu sein. Die Schatzkammer blieb, was sie früher war: eine unvergleichlich reiche Kunst- und Wunderkammer. – Die Eintheilung als geistliche und weltliche Schatzkammer wurde ebenfalls beibehalten. (G. Leitner, Die k. k. Schatzkammer, S. 2.) Als de F. die Aufstellung beendet hatte, wurde er von der Kaiserin zum Generaldirector sämmtlicher k. k. Schatzkammern und Galerien mit dem Titel eines Hofkammerrathes ernannt, somit unterstanden seiner Leitung und Oberaufsicht auch das k. k. Münzcabinet und die k. k. Gemäldegalerie. In seiner Eigenschaft als Director des Münzcabinets ordnete er auch die Aufnahme eines genauen Inventars an, bei welcher Arbeit de F. auch die 37 in Verlust [206] gerathenen Kupferplatten zu dem berühmten Münzwerke von Heraeus: „Thesaurus numismatum recentiorum Caroli VI Imperatoris jussu ex Gazophylacio aulae caesareae Vindobonensis per tabulas LXV exhibitus“ im Augustinerkloster zu Wien auffand. Die Privatsammlung des de F. war eine ungemein werthvolle; sein Haus in der Kärntnerstraße war mit kostbaren Meubeln und hauptsächlich kunstvollen niederländischen Gobelins ausgestattet; in hohen Schränken waren seine Sammlungen untergebracht. de F. nahm in der Gesellschaft Wiens eine hervorragende Stellung ein; sein Haus war der Versammlungspunkt aller Notabilitäten: in seiner Stellung als Hofkammerrath empfing er alle hochgestellten Beamten, in jener als königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Landrath die Diplomatie, dann als Generaldirector der kaiserlichen Galerien etc. die Wiener Künstler und Kunstfreunde. Unter diesen war es besonders der sehr kenntnißreiche, gekrönte Hofpoet Joh. C. Newen, der mit de F. vielfach und freundschaftlich verkehrte und welcher auch auf die Sammlungen desselben Einfluß nahm. Als de F. starb, erbte seine Gemahlin, eine Tochter des reichen Wiener Banquiers und Juweliers Smitner, seine Sammlungen, von ihr gingen sie erblich an den Reichshofrath von Heß und dessen Gemahlin über. Von Heß beschloß das Museum zu veräußern; er setzte sich mit einigen Gelehrten in Verbindung und ließ von denselben einen raisonnirenden Catalog aufnehmen. Im J. 1781 erschien dieser Catalog unter dem Titel: „Musei Franciani descriptio“ in zwei Octavbänden (432 und 248 Seiten). Der erste Theil enthielt die Münzen und Gemmen; jene hat der gelehrte Numismatiker Eckhel beschrieben, diese der Professor Friedrich Wolfgang Reiz, welcher zu diesem Zwecke eigens von Leipzig nach Wien berufen wurde und sich hier über ein Jahr aufhielt; der zweite Theil des Cataloges umfaßte die Siegel, Broncen, Goldschmiedearbeiten, Instrumente etc. und wurde vom Rector Martini nach den Aufzeichnungen des Professor Reiz herausgegeben. Die Sammlung bestand aus 1688 Münzen, 2507 geschnittenen Steinen, 735 großen und kleinen Statuen aus Bronce, Marmor, Elfenbein, 261 Köpfen und Büsten, 269 Reliefs, 92 Gefäßen, Bechern und Schüsseln, 307 Instrumenten und kleinen Geräthschaften und 407 verschiedenen Gegenständen, so daß das ganze Cabinet aus 6266 Stücken gebildet wurde, mithin das bedeutendste Privatmuseum jener Zeit war. Die Münzen gingen an das Hunter’sche Museum nach England; die Cameen kaufte die Kaiserin Katharina II.; die Broncen und Werkzeuge etc. das k. k. Antikencabinet in Wien. Der Catalog des Cabinets ist der trefflichste Beleg für den großen Reichthum, aber auch für das große Wissen und den feinen Geschmack des Sammlers.

K. K. Hofkammer-Archiv. – Todtenprotocoll der Stadt Wien. – Bergmann, Die Pflege der Numismatik in Oesterreich, in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie 1856.