ADB:Reiz, Friedrich Wolfgang

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Reiz, Friedrich Wolfgang“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 178–179, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reiz,_Friedrich_Wolfgang&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 07:40 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Reizer, Adam
Band 28 (1889), S. 178–179 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Wolfgang Reiz in der Wikipedia
GND-Nummer 116433132
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|28|178|179|Reiz, Friedrich Wolfgang|Richard Hoche|ADB:Reiz, Friedrich Wolfgang}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116433132}}    

Reiz: Friedrich Wolfgang R., eigentlich Reitz, hervorragender Philologe des 18. Jahrhunderts. Er war in dem Reichsstädtchen Windsheim in Franken, wo seine Vorfahren durch eine lange Reihe von Geschlechtern hindurch Geistliche waren, als der Sohn des Stadtpfarrers M. Wolfgang Ludwig Reitz am 2. September 1733 geboren, erhielt seine Bildung auf dem heimathlichen Gymnasium und studirte dann von 1753 an in Leipzig, vorzüglich unter Christ’s und Ernesti’s Leitung classische Philologie. 1757 wurde er Magister, übernahm dann seiner Armuth wegen Hofmeisterstellen in mehreren Familien, auch Correcturen für die Breitkopf’sche Buchdruckerei in Leipzig. Erst 1766 konnte er sich habilitiren, erhielt bald darauf eine Collegiatur und wurde 1772 außerordentlicher Professor der Philosophie. Als Nachfolger von Morus, der zur theologischen Facultät übertrat, wurde er 1782 ordentlicher Professor der griechischen und lateinischen Sprache, 1785 nach Clodius’ Tode auch Professor der Dichtkunst und Beredtsamkeit. Daneben war er Universitätsbibliothekar. Mehrfache Anerbietungen nach auswärts [179] hatte R., da er nur in Leipzig leben zu können meinte, abgelehnt, sich aber doch 1771 entschlossen, einer von St. Petersburg an ihn ergangenen Aufforderung zu einer archäologischen Reise nach Griechenland und auf die Inseln des ägäischen Meeres zu folgen; die Sache zerschlug sich jedoch. 1773 war er einige Zeit in Wien, um dort das dem Freiherrn v. Heß gehörige Antiquitätencabinet, welches Joseph de France, Schatzmeister der Kaiserin Maria Theresia begründet hatte, zu ordnen. – Er starb in Leipzig am 2. Februar 1790. – Als Lehrer, wie als Gelehrter gehörte R. zu den bedeutendsten seiner Zeit; sein Schüler Gottfried Hermann rühmt es, daß er von R. gelernt habe, immer nur einen Schriftsteller auf einmal zu behandeln und „nichts auf Treu und Glauben hinzunehmen, sondern nach den Gründen jeder Sache zu forschen“. In seinen litterarischen Arbeiten, welche wahre Muster gründlicher Gewissenhaftigkeit sind, beschränkte R. sich fast ausschließlich auf die Grammatik, Metrik und Textkritik; bei der bedächtigen Sorgfalt seiner Arbeiten hat er auch nicht entfernt den Umfang der Schriftstellerei seiner Zeitgenossen erreicht. Aber Fr. Aug. Wolf, mit dem er in lebhaftem Verkehre stand, nennt ihn „einen Mann, den das Publicum aus seinen sehr wenigen Schriften nur sehr unvollkommen kennt, der so viele, zum Theil neue und selbsterforschte Kenntnisse mit aus der Welt nimmt, daß ein kleiner Teil in Schriften vorgetragen hinreichen würde, einem Gelehrten bleibenden Ruhm zu erwerben.“ Von Reiz’s grammatischen Schriften sind die namhaftesten „De temporibus et modis verbi graeci et latini“ 1766, in welcher er die Ansichten der Stoiker über das Wesen der Tempora und Modi vertrat, und namentlich die von F. A. Wolf nach seinem Tode (1791) herausgegebene Schrift „De prosodiae graecae accentus inclinatione“, welche für die Lehre von den griechischen Accenten grundlegend geworden ist. In der Metrik folgte er als der erste deutsche Gelehrte, den Grundsätzen Bentley’s, der ihm überhaupt das Ideal eines Kritikers war („Burmannum de Bentleii doctrina metrorum Terentianorum iudicare non potuisse“ 1787); seine Ausgabe des Plautinischen Rudens mit vielfach verbessertem Texte, welche 1789 erschien, zeigte die praktische Anwendung von Bentley’s Lehren. Von griechischen Schriftstellern hat ihn am meisten Aristoteles angezogen; 1772 gab er mit Christian Garve zusammen die Rhetorik heraus, 1786 den Text der Poetik; weitere Arbeiten sind ebenso wenig, wie seine Herodot-Ausgabe (1778, Buch 1–4) zum Abschluß gekommen. Seine Vorlesungen über römische Alterthümer erschienen nach seinem Tode 1796; die „Musei Franciani descriptio“ war bereits 1781 in 2 Bänden herausgegeben worden. Von Reiz’s formvollendeten lateinischen Dichtungen ist die bedeutendste „Saeculum ab inventis clarum“ von F. A. Wolf der Ausgabe der „Accentus inclinatio“ beigegeben worden.

Schlichtegroll, Nekrolog 1790, I, 127–140. – K. G. Bauer, F. W. Reiz, einige Grundstriche zur Characteristik desselben. – Baur, Gallerie hist. Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, VI, 201–206. – G. Hermann, praef. ad acta societ. graecae I, S. VII f. – F. A. Wolf, kleine Schriften, herausgegeben von Bernhardy II, S. 1155. – Bursian, Geschichte der classischen Philol. S. 419–422. – Schriftenverzeichniß bei Meusel, XI, 211–213. – Die überaus anziehende Gedächtnißrede G. Hermann’s auf R. befindet sich in den Verhandlungen der Dresdner Philologenversammlung (1844), S. 6–10.