ADB:Fricke, Johann Karl Georg

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Artikel „Fricke, Johann Karl Georg“ von August Hirsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 381–382, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fricke,_Johann_Karl_Georg&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 13:35 Uhr UTC)
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Fricke: Johann Karl Georg F., Arzt, ist den 28. Januar 1790 in Braunschweig geboren. Schon bei dem Knaben machte sich eine ausgesprochene Neigung für den ärztlichen Stand bemerklich, so daß sein Vater, der als Arzt und Professor der Chemie und Physik am Collegium Carolinum in Braunschweig lebte, sich veranlaßt sah, ihn zum Besuche der anatomischen Lehranstalt daselbst anzuhalten. In seinem 18. Lebensjahre ging F. nach Göttingen, und studirte hier unter Blumenbach, Hempel, Himly, Krauß, Langenbeck und Richter Medicin und Chirurgie; am meisten schloß er sich an Richter an. Schon im J. 1810 promovirte er daselbst, wandte sich dann, behufs einer weiteren wissenschaftlichen Ausbildung nach Berlin, kam 1813 nach Hamburg und erlangte hier bei der eben damals gebildeten hanseatischen Legion eine Stellung als Bataillonsarzt. In dieser Eigenschaft machte er den Feldzug mit, trat dann als Oberstabsarzt in braunschweigische Dienste, nahm aber bald seinen Abschied und kehrte nach Hamburg zurück. Hier erhielt er zuerst eine Anstellung an dem daselbst befindlichen Hospital, wo er seinen Ruf als Wundarzt begründete, im J. 1817 wurde er Arzt an der allgemeinen Armenanstalt und Armenchirurg bei der israelitischen Gemeinde, 1818 Mitglied des eben damals neu errichteten Gesundheitsrathes, endlich 1823 dirigirender Wundarzt an dem allgemeinen Krankenhause, wo er eine sehr segensvolle Thätigkeit entfaltet hat. Auf seinen dringenden Wunsch sah sich die Hamburger städtische Behörde im J. 1831 veranlaßt, eine anatomisch-chirurgische Lehranstalt zu begründen. Im J. 1840 hatte F. das Unglück, seine Frau, mit welcher er seit seinen Studienjahren verbunden gewesen war und mit welcher er eine sehr glückliche Ehe geführt hatte, durch den Tod zu verlieren; dieser schmerzliche Verlust, verbunden mit einer aufreibenden Berufsthätigkeit, untergrub seine an sich nicht starke Gesundheit, im Winter 1840–41 bekam er Bluthusten, er verkaufte sein Hab und Gut, machte sein Testament und verließ Hamburg. Zuerst ging er nach Heidelberg, später nach Ems, schließlich nach Italien, wo er am 4. Decbr. 1841 an Schwindsucht gestorben ist. F. zählt zu den tüchtigsten deutschen Chirurgen seiner Zeit; sein Ruf als Arzt und Operateur reichte über die Grenzen Hamburgs hinaus, wo er wegen seiner Humanität und Uneigennützigkeit, sowie wegen seiner Verdienste um die Organisation und Leitung des allgemeinen Krankenhauses hochgeschätzt worden ist. – Von seinen originalen ärztlichen Leistungen ist die von ihm gelehrte Methode der Blepharoplastik („Die Bildung neuer Augenlider“ etc., 1829) als die bedeutendste zu nennen; erwähnenswerth sind ferner seine Mittheilungen über die Küstenepidemie des J. 1826. „Bericht über eine Reise nach Holland“ etc., 1826, mit einem Nachtrage, 1827), sodann die von ihm herausgegebenen „Annalen der chirurgischen Abtheilung des allgemeinen Krankenhauses in Hamburg“, 2 Bde., 1828, 1831 (in dem ersten Theile trat er als Vertheidiger der nicht-mercuriellen Behandlung der Syphilis auf, worüber er bereits früher einen Artikel in Gräfe und Walther, Journal, 1826, X. S. 119 veröffentlicht hatte), seine Empfehlung der zuerst von Amussat geübten Methode der Torsion der Arterien (in Rust, Magazin für Heilkunde, 1830, XXXII. S. 468) und seine „Geschichtliche Darstellung des Ausbruches der asiatischen Cholera in Hamburg“, 1831. – Demnächst hat F. noch einige kleine Gelegenheitsschriften und Journalartikel veröffentlicht (vgl. das Verzeichniß derselben in Callisen, Med. Schriftstellerlexikon, [382] VI. S. 467 und XXVIII. S. 113) und sich in Gemeinschaft mit Dieffenbach und Oppenheim an der Herausgabe der (Hamburger) Zeitschrift für die gesammte Medicin betheiligt.