ADB:Friedrich (Fürst zu Anhalt-Bernburg)

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Artikel „Friedrich, Fürst zu Anhalt-Bernburg-Harzgerode“ von Ferdinand Siebigk in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 453–455, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_(F%C3%BCrst_zu_Anhalt-Bernburg)&oldid=- (Version vom 19. November 2019, 03:55 Uhr UTC)
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Friedrich, Fürst zu Anhalt-Bernburg-Harzgerode, der jüngste Sohn Fürst Christian I. von Bernburg und der Fürstin Anna, einer Gräfin von Bentheim, ward am 16. Nov. 1613 zu Ensdorf in der Oberpfalz geboren und erhielt, wie seine übrigen Geschwister, eine gute Erziehung, die er auf weiten Reisen vollendete. Im J. 1634 trat er in schwedische Dienste und zeichnete sich in Böhmen, namentlich bei Leitmeritz, aus, verließ aber dieselben bereits im nächsten Jahre, da die anhaltischen Fürsten dem Prager Frieden beitraten und ging nach der Heimath zurück, wo er am 5. December mit seinem Bruder, Fürst Christian II., über das väterliche Erbe dahin sich einigte, daß er die Aemter Harzgerode, Güntersberge und einige andere Ortschaften als Fürstenthum Anhalt-Bernburg-Harzgerode erhielt. Ebenso wie die übrigen Theile des anhaltischen Landes, hatte aber auch das Erbe des jungen Fürsten durch die Verwüstungen des 30jährigen Krieges zu leiden und da die Residenzstadt Harzgerode kurz nach dem Regierungsantritt Fürst Friedrichs bis auf wenige Häuser ein Raub der Flammen wurde, so entschloß dieser sich 1636 zunächst den erfahrenern Händen seines Bruders die Verwaltung seines Ländchens zu übergeben und wieder auf Reisen zu gehen, von denen er zwar im J. 1637 zurückkehrte, aber nur um sofort in die Dienste des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Cassel zu treten, der ihn hochschätzte und häufig sich seines Rathes bediente. Fürst F. blieb jedoch nur bis 1641 in diesem Verhältniß, dann kehrte er aus Verlangen seines Bruders und der übrigen anhaltischen Fürsten nach der Heimath zurück, entschlossen nunmehr, dem ihm gewordenen Erbe seine persönliche Sorgfalt zuzuwenden. Er richtete dort seine eigene Hofhaltung ein, vermählte sich 1642 mit der Gräfin Johanne Elisabeth von Nassau und war in den nächsten Jahren eifrigst bemüht, seine Hauptstadt und andere verwüstete Ortschaften wieder herzustellen, seine Aemter und Güter wieder in Aufnahme zu bringen, die Einfälle feindlicher Streifparteien zu verhindern und seinen Unterthanen überhaupt die Drangsale des Krieges möglichst zu erleichtern. Als F. aber bereits im J. 1647 Wittwer geworden, hielt es ihn nicht lange mehr in der Heimath, die alte Reiselust erwachte wieder, er übergab seine beiden Kinder, den Erbprinzen Wilhelm und eine Tochter, Elisabeth Charlotte, den verwandten Höfen zu Dessau und Dillenburg zur Erziehung, sowie die Regierung seines Landes der brüderlichen Sorgfalt des Fürsten Christian II. von Bernburg, und trat im J. 1650 eine Reise an, die ihn durch einen großen Theil Europas führte und von der er erst gegen Ende des J. 1656 nach Harzgerode zurückkehrte. Während dieser Reise stiftete der Fürst 1651 zu Venedig eine Gesellschaft unter dem Namen der Brüderschaft der beständigen Freundschaft, in welcher sich die Mitglieder verpflichteten, einander in allen guten Sachen, in Krieg und Frieden, Noth, Armuth, Gefangenschaft beizustehen und jedes Mitgliedes guten Ruf zu vertheidigen. Nur Adelichen stand der Zutritt offen. Jedes Mitglied der Gesellschaft, deren Haupt Fürst F. war und zu der viele Fürsten und angesehene Herren traten, trug an weißem silberdurchwirkten Bande eine goldene Medaille, welche auf der einen Seite des Mutius Scävola brennende Hand mit einem von der Sonne beleuchteten Schwerte und die Umschrift: Perseverando risplende, auf der anderen Seite eine gekrönte mit Epheu umgebene Pyramide und die Umschrift: Non si cangia cangiando zeigte; ob diese Verbindung ihren Begründer überlebte, ist uns unbekannt. Nach seiner Rückkehr nach Harzgerode lebte Fürst F., obwol jene stets wache Reiselust ihn 1664 noch die Schweiz und 1667 Holland besuchen ließ, fortan seinen Unterthanen, denen er im J. 1657 in der Gräfin Anna Katharina zur Lippe eine neue Landesmutter zuführte. Er nahm sich der Regierung seines Landes eifrigst an, sorgte für Kirchen und Schulen, baute das eingeäscherte Güntersberge vollständig wieder auf und war überhaupt [454] nach allen Richtungen hin bemüht, die noch zahlreichen Spuren des verheerenden Krieges möglichst zu verwischen. Im J. 1665 führte er in seinem Lande das Erstgeburtsrecht ein und erwarb in demselben Jahre das durch die Succession der fürstl. augustäischen Linie in dem vacant gewordenen cöthenschen Landestheile an Bernburg zurückgefallenen Amt Plötzkau durch Tausch gegen das Dorf Radisleben. Nach dem im J. 1660 erfolgten Tode des Fürsten Johann Casimir von Dessau zum Seniorat gelangt, führte er dasselbe mit eifrigster Sorge für das Gesammtwohl des anhaltischen Fürstenhauses und Landes. Er empfing 1661 die kaiserliche Belehnung über das Fürstenthum Anhalt, wirkte eifrigst für Aufstellung und Einführung (1666) einer neuen Landes- und Proceßordnung und für das Zustandekommen des Senioratsvertrages vom J. 1669, durch welchen die bisher von dem jedesmaligen Senior in seinem Interesse verwalteten Senioratsgüter den einzelnen Linien käuflich überlassen wurden mit der Verpflichtung, die Jahreszinsen der Kaufsummen hiefür dem jedesmaligen Nutznießer zu zahlen. Fürst F., der durch diesen Vertrag selbst in den Besitz von Gernrode gelangte, starb am 30. Juni 1670. Er war von ansehnlicher Gestalt, besaß gute Kenntnisse, namentlich in den Naturwissenschaften, war auch in theologicis wohlerfahren und hat, wie der anhaltische Chronist erzählt, mit dem englischen Theologen Johann Duraeus und mit französischen und anderen Gottesgelehrten in bezüglichem Schriftwechsel gestanden. Da seine zweite Ehe kinderlos blieb, so hinterließ der Fürst nur die schon erwähnte Tochter Elisabeth Charlotte, die sich zuerst 1663 mit dem bereits 1665 verstorbenen Fürsten Wilhelm Ludwig von Cöthen und dann mit dem Herzoge August von Holstein-Plön vermählte, und seinen Nachfolger, den Fürsten Wilhelm. Fürst Wilhelm war am 16. August 1643 geboren. Er erhielt, meist am Hofe seines Oheims, des Fürsten Johann Casimir von Dessau, eine ausgezeichnete Erziehung, und sammelte, wie die noch vorhandenen Berichte über eine mit ihm vorgenommene Prüfung uns zeigen, in den verschiedensten Wissenschaften einen wahren Schatz von Kenntnissen ein, den er dann vom J. 1660 an durch weite langdauernde Reisen noch zu vermehren eifrigst bestrebt war. Nach Harzgerode nach einer fast achtjährigen Abwesenheit zurückgekehrt, bereitete er sich für das Kriegswesen vor und war eben im Begriff in kurfürstlich brandenburgische Dienste zu treten, als ihn 1670 der Tod seines Vaters zur Regierung des Fürstenthums Harzgerode berief. Dieser widmete sich denn auch der junge Fürst mit dem rühmlichsten Eifer und ihm hatte das Land es zu verdanken, daß auch die letzten Spuren der noch immer nicht ganz überwundenen Drangsale des 30jährigen Krieges gänzlich verschwanden. Er gründete 1682 das Vorwerk Wilhelmshof unweit der Ruinen der alten Burg Anhalt, baute 1683 die beiden Dörfer Tilkerode und Siptenfelde wieder auf, erneuerte 1685 die alte Klosterkirche zu Frose, legte 1688 die Neustadt bei Harzgerode an, welche 1705 nach des Fürsten zweiter Gemahlin Augustenstadt genannt ward und baute das Gut, den Altenberg bei Güntersberge, dem er zu Ehren seiner ersten Gemahlin den Namen Albertinenberg beilegte, fast ganz wieder auf. Auch die Kirche zu Harzgerode verdankt ihm 1699 ihre Erweiterung und ist es hauptsächlich seinen Bemühungen zuzuschreiben, daß den in Verfall gerathenen allen fürstlich anhaltischen Linien gemeinschaftlichen Harzbergwerken wieder mehr Sorgfalt zugewendet ward. Sie wurden in der Folge 1691 zwei Unternehmern überlassen, aber obwol man schon 1695 aus neugewonnenem Silber wieder Münzen prägen konnte, gelang es doch nicht, die Werke zu einem bedeutenden Aufschwunge zu bringen. Fürst Wilhelm starb, tief betrauert von seinen Unterthanen, denen er stets ein wohlwollender, gütiger Herr gewesen, am 14. Dec. 1709, ohne von seinen beiden Gemahlinnen, der Gräfin Elisabeth Albertine von Solms-Laubach und der Prinzessin Sophie [455] Auguste von Nassau-Dillenburg, die ihn überlebte, Kinder zu hinterlassen und ging demgemäß sein Land auf den nächsten Agnaten, den Fürsten Victor Amadeus von Bernburg, über. Noch in seinem Testamente hatte der verstorbene Fürst einen Beweis seiner wohlthätigen Gesinnungen gegeben, indem er darin den Armen seines Landes ein Legat von 12000 Thlr. und dem hallischen Waisenhause ein solches von 6000 Thlr. bestimmte.