ADB:Frosch, Johann

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Artikel „Frosch, Johannes“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 147–148, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Frosch,_Johann&oldid=- (Version vom 4. Juni 2020, 12:22 Uhr UTC)
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Frosch: Johannes F., auch Rana genannt, lutherischer Theologe im 16. Jahrhundert, war zu Bamberg geboren. Nachdem er zu Toulouse baccalaureus theol. geworden war, begab er sich im Frühjahr 1514 nach Wittenberg. Damals war er schon Carmeliter (pater ordinis b. virginis de monte Carmeli). In Wittenberg begehrte er zu Vorlesungen zugelassen zu werden, und auf Grund mitgebrachter Zeugnisse ward er nach gehaltener Disputation ad sententias (zu Vorlesungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus) zugelassen, am Freitage, den 28. April 1514. Nachdem er als solcher die üblichen Vorlesungen gehalten, ward er ebendaselbst zum Licentiatus theol. promovirt am Dienstag, den 29. Januar 1516. Aus diesen Jahren stammt seine genaue Bekanntschaft mit Luther. Im J. 1517 mußte er Wittenberg verlassen, da er als Prior der Carmeliter zu St. Anna nach Augsburg berufen war. Als Luther im October 1518 nach Augsburg kam, um sich vor Cajetan zu verantworten, war er zuerst im Augustinerkloster abgestiegen; hernach wies man ihm seine Wohnung im Carmeliterkloster an, wo F. ihn aufs beste bewirthete. Zu seiner ersten Unterredung mit Cajetan, die am Dienstage, den 12. October, stattfand, begleitete ihn unter anderen auch F. Nachdem Luther am 20. October Augsburg verlassen hatte, reiste auch F. nach wenigen Tagen, wahrscheinlich am 23. October ab und ging auch nach Wittenberg; hier wurde er am 22. November zum Doctor der Theologie ernannt, nachdem er Tags zuvor disputirt hatte. Nicht lange darauf finden wir ihn wieder in Augsburg, wohin er vom Rathe zurückberufen war. Nachdem im J. 1520 auch Urbanus Rhegius und zwar als Prediger am Dom nach Augsburg berufen war, der dann freilich vom December 1521 bis zum Sommer 1524 aus Augsburg verdrängt war, sind F. und Rhegius, denen sich bald Stephan Kastenbauer, genannt Agricola (vgl. Band I. S. 156), anschloß, die eifrigsten Beförderer der Reformation in Augsburg. Weihnachten 1524 theilten F. und Rhegius in der St. Annakirche zu Augsburg zum ersten Mal das Abendmahl unter beiderlei Gestalt aus; im folgenden Jahre trauten die beiden Freunde sich gegenseitig, zuerst im März Rhegius unseren F. mit einer Jungfrau, von welcher wir nur den Vornamen Margaretha wissen, und sodann im Juni F. den Rhegius. Der Abendmahlsstreit, der 1526 ausbrach und in welchem Rhegius bis zum J. 1528 sich der Zwingli’schen Ansicht mehr zugewandt hatte, trennte dann zeitweilig die beiden Freunde; Agricola blieb in dieser Zeit mit F. zusammen auf Luthers’s Seite. Während des Augsburger Reichstages mußten alle drei Augsburg verlassen; während Rhegius einem Rufe des Herzogs Ernst von Lüneburg folgte, wurden F. und Agricola im J. 1531 nach Augsburg zurückberufen; aber noch in demselben Jahre mußte F. wieder Augsburg verlassen, weil er keine Gemeinschaft mit den Zwinglianern halten wollte; es kam hinzu, wie von anderer Seite erzählt wird, daß er auch als Prediger nicht gerade sonderlich beliebt war, und daß man Anstoß daran nahm, daß er auf der Kanzel eine Brille trug. Er bekam noch im J. 1531 einen Ruf an die St. Jacobikirche in Nürnberg, den er annahm; aus dieser Stellung wurde er im J. 1533 an die St. Sebaldikirche in derselben Stadt versetzt; in diesem letztgenannten Jahre aber starb er dann [148] auch schon. Er wird schwerlich 50, wahrscheinlich nicht viel über 40 Jahre alt geworden sein. Von ihm ist eine evangelische Umbildung der katholischen Begrüßung der Maria, des Salve regina, die er im J. 1524 zu Augsburg verfertigt haben soll, mehrfach gedruckt, unter andern in Kapp’s Nachlese, 1727, I. S. 622. Er hat auch Kirchenlieder gedichtet, unter denen eine Bearbeitung des 46. Psalmes, die im J. 1529 zu Straßburg gedruckt ist und mit den Worten „Gott selbst ist vnser schutz vnd macht“ beginnt, am bekanntesten ist; Luther’s „Ein’ feste Burg“, das gleichzeitig über denselben Psalm gedichtete Lied, hat das Frosch’sche freilich verdrängt. – Ob ein zu Straßburg im J. 1535 erschienenes musikalisches Werk, das von Zeitgenossen gelobt wird, und einen Johannes Frosch zum Verfasser hat, von unserem oder einem anderen F. verfaßt ist, vermochte der Unterzeichnete nicht festzustellen.

Vgl. Will, Nürnbergisches Gelehrtenlexikon, 1. u. 5. Theil. Koch, Geschichte des Kirchenlieds, 3. Aufl., 1. u. 2. Bd. Förstemann, Liber decanoroum facultatis theol. acad. Viteb. Adelung.