ADB:Furtenbach, Joseph von

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Artikel „Furtenbach, Joseph“ von Gotthold Höchstetter in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 250–251, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Furtenbach,_Joseph_von&oldid=- (Version vom 22. Januar 2021, 06:13 Uhr UTC)
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Furtenbach: Joseph F., Architekt, geb. den 30. Decbr. 1591 in der Reichsstadt Leutkirch. Sein Vater Hieronymus, städtischer Rechner und Bauherr daselbst, brachte ihn in seinem zehnten Jahre in die Schule nach Isny, wo er aber nur zwei Jahre blieb; dann kehrte er zurück nach Leutkirch und wurde trotz seiner Jugend zwei Jahre auf der städtischen Kanzlei beschäftigt. 1605 reiste F., um sich für den Handelsstand, den er zu seinem künftigen Beruf erwählt hatte, auszubilden, nach Italien. Er verbrachte in Mailand, Genua und Florenz 10 Jahre und eignete sich in dieser Zeit nicht blos gründliche Kenntnisse in den Handelsfächern an, so daß ihm die wichtigsten Geschäfte anvertraut wurden, sondern er legte sich auch mit besonderem Eifer und Erfolg auf mathematische Wissenschaften, namentlich aber auf die Baukunst, das Ingenieur- und Artilleriewesen. Als seinen Lehrer in diesen Fächern rühmt F. Paolo Ritzio, dessen Unterricht er in Genua 7 Jahre lang genoß, Gratio Parigi, in dessen Kriegsschule in Florenz er sich ein Jahr lang aufhielt, Ambrosio Cusano, außerdem von Deutschen Hans Veldhausen aus Regensburg und Hauptmann Georg Hoff von St. Veit am Pflaum. Außerdem machte er auf seinen ausgedehnten Reisen in Italien, auf denen er wiederholt in ziemliche Lebensgefahr gerieth, an den verschiedensten Bauwerken eingehende Studien (in dieser Hinsicht hebt er namentlich den von da Vignola in Caprarola für den Cardinal Farnese erbauten Palast hervor) und erhielt durch den Umgang mit einer Reihe von Gelehrten und Künstlern, mit Galilei zum Beispiel, der ihm ein von ihm verbessertes Modell einer Schraube ohne Ende verehrte, die vielseitigste Anregung und Ermunterung. Eine specielle Frucht seines Aufenthalts in Italien ist sein itinerarium Italiae, ein Bädeker des 17. Jahrhunderts, der allerdings nur Ober- und Mittelitalien umfaßt und mit einer Karte dieser Länder und vielen Kupferstichen von Gegenständen, die für den Architekten und Ingenieur von Bedeutung sind, ausgestattet ist. Nach seiner Rückkehr aus Italien wandte sich F. nach Ulm, wo er ein Handelsgeschäft zu leiten hatte. Er betrieb das Geschäft auch mit solchem Erfolg, daß sein Principal ihn bald zum Compagnon annahm. Dies Verhältniß dauerte aber nicht lange, da es zwischen beiden widerwärtige Streitigkeiten gab, und F. sich bitter über die Chikanen seines Geschäftsfreundes zu beklagen hatte. Im J. 1627 wurde F. die Stelle eines bürgerlichen Lieutenants, 1628 die eines Artilleriehauptmanns anvertraut. 1631 wurde er zum Bauherrn, d. h. zum zweiten Deputirten des Bauamts, ernannt, 1636 in den Rath erwählt. Als Bauherr entwickelte F. eine sehr umfassende und fruchtbringende Thätigkeit. Er verbesserte ein in der Stadt gelegenes Lazareth, so daß nunmehr eine größere Zahl Kranker dort verpflegt werden konnte, und baute vor der Stadt 1634 aus Anlaß einer heftigen Pest ein zweites, bedeutend größeres, dessen bequeme und zweckmäßige Einrichtung allgemein Anklang fand, ferner ein Wasserwerk, für dessen gelungene Ausführung ihm der Magistrat freies Wasser in seine Wohnung lieferte, ein Schulhaus, bei dessen Bau er die damals noch wenig gewürdigte Absicht hatte „die Schulkinder bequem auseinander setzen zu können, damit sie in den kleinen Stuben nicht ferner wie die Heringe aufeinander gepreßt sein dürften“, ein Theater im Waisenhaus, in dem die Waisenkinder kleine Stücke aufführen konnten. Sein eigenes Haus, das er in seiner architectura privata eingehend beschreibt, ist ein sprechendes Beispiel seines Geschmacks und seines praktischen Verstandes. Auch auswärts hatte F. mancherlei Bauten auszuführen, oder doch die Risse anzufertigen, so für die abgebrannte Kirche in Schorndorf und für das Gymnasium in Munderkingen. Von Festungswerken in [251] Ulm führte er zwei Redouten oberhalb der Stadt auf beiden Ufern auf, zwischen denen der Strom durch eine Kette gesperrt wurde, ein Ravelin ebenfalls an der Donau unterhalb der Stadt und eines vor dem jetzigen Donauthor. Auch an die schon vorhandenen Werke legte er seine bessernde Hand. Neben seiner praktischen Thätigkeit machte er sich auch noch als Lehrer im Architektur- und Ingenieurfach zu schaffen und unterrichtete Leute, die theilweise von Norwegen nach Ulm gekommen waren. Von Werth für seine Unterrichtszwecke war seine reichhaltige Modellsammlung, deren erste Anfänge in seinen Aufenthalt in Italien zurückreichen, und die er fortwährend zu erweitern bemüht war. Wie bedeutend dieselbe war, erhellt schon daraus, daß sie bis zum Jahre 1663 von über 1200 Ausländern besucht war, darunter von Fürsten und Grafen, so vom Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, der dann F. nach Heidelberg einlud, ihn zur Tafel zog und noch mit einem Faß Wein regalirte, vom Markgraf Karl von Baden und anderen. F. starb den 12. Januar 1667 an der Wassersucht. Sein Wahlspruch war: Con la patienza, s’aquista scienza.

Kästner, Geschichte der Mathematik, Bd. IV. Josef Furtenbach, Manuscript der Ulmer Stadtbibliothek von ungenanntem Verfasser. Weyermann, Nachrichten von Gelehrten, Künstlern etc. aus Ulm. Ulm 1798.