ADB:Grailich, Joseph

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Artikel „Grailich, Wilh. Joseph“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 574–575, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Grailich,_Joseph&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 07:18 Uhr UTC)
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Grailich: Wilh. Joseph G., ausgezeichneter Krystallograph, geb. am 16. Febr. 1829 zu Preßburg, gest. am 14. Septbr. 1859 zu Wien, Sohn eines Professors der Philologie, verschaffte sich an den Unterrichtsanstalten seiner Vaterstadt und später an dem polytechnischen Institute in Wien, wo er besonders den naturwissenschaftlichen Studien oblag, eine gründliche allgemeine und umfassende Fachbildung. Schon frühzeitig hatte G. die Förderung der Mineralphysik, insbesondere der Krystallographie zu seiner Hauptlebensaufgabe gewählt. Er begann kaum 23 Jahre alt seine Arbeiten mit der Untersuchung der optischen Verhältnisse der Krystalle, namentlich des Glimmers. Schon seine Erstlingsarbeit „Bestimmung des Winkels der optischen Axen mittelst der Farbenringe“, welche er 1852 der kaiserl. königl. Akademie in Wien vorlegte (Sitzb. der kaiserl. königl. Akad. der Wissensch. in Wien IX, 1852), hatte die Aufmerksamkeit auf den geistvollen jungen Forscher gelenkt. Unterstützt von Ettingshausen, Schrötter, insbesondere von Wilhelm Haidinger, verfolgte er den eingeschlagenen Weg weiter, erhielt den Doctorhut und wurde Docent für Krystallographie sowie für höhere mathematische Physik. Die von Mohs angebahnte Behandlung der Krystallographie verlassend, zog er die Projectionsmethode von Neumann und Miller vor. Des letzteren Krystallographie (A treatise on crystallographie) hat G. durch eine Uebersetzung (1856) in einer Weise überarbeitet und erweitert, daß dieses Werk als eines der vorzüglichsten, wenn nicht als das beste Lehrbuch der Krystallographie anzusehen ist. Inzwischen waren verschiedene werthvolle Abhandlungen von G. in den Wiener Akademieschriften erschienen: „Bestimmung der Zwillinge in prismatischen Krystallen mit Hilfe des polarisirten Lichtes“ (Sitz.-B X. 1853) „Untersuchungen über den ein- und zweiaxigen Glimmer“ (das. XI. 1853); „Bewegung des Lichtes in optisch-einaxigen Zwillings-Krystallen“ (das. XI. 1853); „Ueber die Grundgestalt des Glimmers“ (das. XII. 1854); „Beitrag zur Theorie der gemischten Farben“ (das. XII und XIII. 1854); „Ueber eine [575] merkwürdige Krystallbildung am Salmiak“ (das. XV. 1855); „Ueber die Brechung und Reflexion des Lichtes an Zwillingsflächen optisch-einaxiger Krystalle“ (Denkschr. XV. 1855, XIX. 1856); gemeinschaftlich mit Pekárek: „Das Sklerometer, ein Apparat zur genaueren Messung der Härte der Krystalle“ (das. XIII. 1854) und gemeinschaftlich mit Handl: „Ueber den Zusammenhang zwischen der Aenderung der Dichten und der Brechungsexponenten in Gemengen von Flüssigkeiten“ (das. XXV. 1857). Als 1855 die Akademie der Wissenschaften die Preisfrage „Ueber die Bestimmung der Krystallgestalten“ stellte, war es G., welcher dieselbe bearbeitete und 1857 mit dem Preis gekrönt wurde. Diese Arbeit wird von den Fachgelehrten als ein Meisterwerk bezeichnet, in welchem die optische Untersuchung auch auf zahlreiche künstlich hergestellte Krystalle ausgedehnt und die Erscheinung der sog. Fluorescenz zuerst wissenschaftlich begründet wurde. Auch erläuterte G. die Theorie des durch v. Kobell erfundenen sinnreichen Stauroskop’s auf wissenschaftlich mathematischem Wege („Krystallographisch-optische Untersuchungen“, 1858) und schrieb in der Zeitschrift für österreichische Gymnasien (1855 u. ff.) mehrere Aufsätze: „Ueber eine zweckmäßige Modification des Wheatstone’schen Schwingungsapparates“ und „Ergänzungen und Berichtigungen zu Lotter’s Grundriß der Physik“. Nach Kenngott’s Abgang vom Hofmineraliencabinet trat G. daselbst an dessen Stelle und wurde bald darauf zum außerordentlichen Professor der höheren Physik an der Wiener Universität ernannt. Doch schon nach kurzer Zeit erlag einem schon frühzeitig während der Studienzeit hervorgetretenen Leiden der junge, geistvolle unermüdlich thätige Gelehrte, von dem die Wissenschaft noch Großes erwarten durfte, viel zu früh für diese. G. verband mit einer unermüdlichen Arbeitskraft eine glückliche Gabe der feinen Beobachtung, der Entdeckung zweckdienlicher Mittel zu seinen Untersuchungen, zugleich mit einer großen Sicherheit und Geschicklichkeit im Rechnen, so daß seine Arbeiten von stets dauerndem Werthe bleiben werden. Mehrerer gelehrter Gesellschaften Mitglied war G. auch Correspondent der Münchner Akademie der Wissenschaft.

Wurzbach, Biogr. Lex. V. 305; Poggendorff, Biogr. I, 937; Wiener Presse Nr. 235. 1859. Lit. Centralblatt von Zarncke. 1855. 297.