ADB:Griesinger, Karl Theodor

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Artikel „Griesinger, (Karl) Theodor“ von Rudolf Krauß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 545–547, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Griesinger,_Karl_Theodor&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 03:31 Uhr UTC)
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Griesinger: (Karl) Theodor G., Schriftsteller, am 11. December 1809 in dem damals württembergischen, seit 1810 badischen Dorfe Kirnbach bei Wolfach im Schwarzwald geboren, machte den üblichen Bildungsgang des schwäbischen Theologen durch, wurde nach bestandenem Examen Pfarrvicar in Trossingen (württ. Oberamt Tuttlingen) und Freudenstadt, entsagte aber 1835 dem geistlichen Stande, um sich fortan in Stuttgart dem Schriftstellerberufe zu widmen, womit er zeitweise den buchhändlerischen verband. Zunächst redigirte er den „Württembergischen Landboten“. 1839 bis 1841 gab er eine Zeitschrift „Der Schwäbische Humorist“ heraus. Von den revolutionären Stürmen des Jahres 1848 ergriffen, gründete er ein demokratisches Blatt „Die Volkswehr“ (1849/50), betheiligte sich an der großen Reutlinger Volksversammlung, die Pfingsten 1849 von der radicalen Partei veranstaltet wurde, gerieth infolgedessen mit vielen Andern in Anklagezustand wegen Hochverrathes und hatte eine zweijährige Untersuchungshaft auf der Festung Hohenasperg zu überstehen. Obgleich er von den Geschworenen schließlich freigesprochen wurde, war ihm durch diese Erfahrungen der Aufenthalt in Deutschland doch so sehr verleidet, daß er 1852 mit seiner Familie nach Amerika auswanderte. [546] Aber auch die politischen und socialen Verhältnisse des republikanischen Nordamerika erfüllten seine Hoffnungen nicht, und enttäuscht kehrte er 1857 mit den Seinen nach Stuttgart zurück, wo er bis an sein Ende seinem schriftstellerischen Berufe mit rastlosem Eifer oblag, verschiedene Unternehmungen, wie z. B. eine „Schwäbische Familien-Chronik“ als Beilage zum Staats-Anzeiger (1859/60), ins Leben rief und 1876 ein „Litteratur-Komptoir“ begründete. Er starb am 2. März 1884.

G. führte sich mit den „Silhouetten aus Schwaben“ (Heilbronn 1838, 4. Aufl. Stuttgart 1868) glücklich in die Litteratur ein: es sind hübsche, von gutem Humor und scharfer Beobachtungsgabe zeugende Skizzen aus dem schwäbischen Stadt- und Landleben. Drei ähnliche Werke reihten sich an: „Humoristische Bilder aus Schwaben“ (Heilbronn 1839), „Satyrische Briefe über Altes und Neues“ (Stuttgart 1840) und „Skizzenbuch“ (im eigenen Verlag 1841). 1839 eröffnete er seine epische Production mit einer Anzahl aus der schwäbisch-württembergischen Geschichte entnommener Novellen: „Die letzten Zeiten der Grävenitz“, „Ida, Gräfin von Salmandingen“, „Cagliostriana“, „Friederich von Zollern“. Schon 1843/44 gab er seine „Sämmtlichen Belletristischen Schriften“ in 6 Bänden heraus. Während der Zeit seiner politischen Thätigkeit und Auswanderung trat eine Pause in seinen litterarischen Arbeiten ein. Nach seiner Rückkehr aus Amerika verwendete er mit Vorliebe seine dortigen Erlebnisse und Erfahrungen und traf damit den Geschmack des großen Publicums. Mit den Jahren stieg er zu diesem immer weiter herab, legte seine Schriften mehr und mehr auf sensationelle Wirkung an. 1858 veröffentlichte er „Lebende Bilder aus Amerika“ und zwei Bände Erzählungen unter dem Titel „Emigrantengeschichten“, 1859 das dreibändige Werk „Die alte Brauerei oder Criminalmysterien von New-York“ (2. Auflage 1873). Im folgenden Jahre betrat er mit dem zweibändigen Roman aus der vaterländischen Geschichte „Heinrich von Mömpelgard und Elisabetha von Bitsch“ noch einmal sein altes Stoffgebiet. 1861 folgte „Das politische Welttheater“ und die „Mysterien des Vatikans“ (2 Bände, 4. Aufl. 1865!), 1862 „Freiheit und Sklaverei im Lande unter dem Sternbanner oder Land und Leute in Amerika“ (2 Bände, 2. Aufl. 1863), 1864 „Im hohen Norden. Reisen und Abenteuer“, 1866 „Die Jesuiten“ (2 Bände), 1866/68 „Das Damenregiment an den verschiedenen Höfen Europas“ (2 Bände) mit einer gleichfalls zweibändigen „Neuen Folge“ (1869/70), 1868 „Die heilige Maria von Mörl“, 1869/70 „Die Geheimnisse des Escurial“, 1870 „Zwölf Schicksalswege. Bunte Blätter aus alter und neuer Zeit“. Das Jahr 1872 brachte zwei Volksbücher: „Prinz Eugen von Savoyen“ und eine Neubearbeitung des „altösterreichischen Zauber- und Geistermärchens“: „Die Teufelsmühle am Wienerberg“. 1874 führte er „Die Maitressenwirthschaft in Deutschland“ in zwei Bänden vor und lieferte in den Jahren 1876 bis 1879 je eine Erzählung: „Das große Krach“, „Ein transatlantisches Brüderpaar“, „Die Prophezeiung der Zigeunerin“ und „Des Spielers Ende“.

G. bekundet in allen seinen Schriften eine leichte und vielgewandte Begabung, ein angenehmes Erzählertalent, das aber an der Oberfläche haften bleibt und von höherem, künstlerischem Ehrgeiz nichts weiß. Am sichersten bewegt er sich auf heimathlichem Boden. Seinen belletristischen Arbeiten, die sich auf Schwaben beziehen, hat er auch einige rein historische beigefügt, darunter ein heute noch nicht ganz entwerthetes „Universal-Lexicon von Württemberg, Hechingen und Sigmaringen“ (Stuttgart 1841, 2. Ausgabe 1843) sowie ein illustrirtes Werk: „Württemberg. Nach seiner Vergangenheit und Gegenwart in Land und Leuten gezeichnet“ (Stuttgart 1866). Endlich gehört auch [547] eine „Geschichte der Deutschen von ihrem Beginn bis auf unsere Tage“ (4 Bde., Stuttgart 1872/74) zu den Früchten seiner wissenschaftlichen Studien.

Franz Brümmer, Lexikon d. dtsch. Dichter u. Prosaisten d. 19. Jahrhunderts (5. Ausgabe) II, 41 f. – Rudolf Krauß, Schwäb. Litteraturgeschichte II, 275. – Konversationslexika von Brockhaus und Meyer.