ADB:Grimm, Siegmund

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Artikel „Grimm, Siegmund“ von Ernst Kelchner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 690, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Grimm,_Siegmund&oldid=- (Version vom 10. Dezember 2019, 08:56 Uhr UTC)
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Grimm: Siegmund G. war ein Gelehrter und Doctor der Medicin, aus Zwickau gebürtig, der sich 1512 in Augsburg niederließ und hier 1513 Magdalene Welser heirathete. Auf diese Art mit den angesehensten Familien der Stadt verwandt, ward er in das medicinische Collegium aufgenommen. Bald nach seiner Niederlassung errichtete er in seinem Hause eine Apotheke und gegen 1517 eine Buchdruckerei, welcher letzteren Unternehmung sich im folgenden Jahre der reiche Kaufmann Marx Wirsung anschloß. Diese Druckerei wurde von dem geschickten Factor Sympert Ruff geführt und gingen aus derselben eine große Anzahl, zum Theil sehr schöner Werke hervor. Außerdem wurde diese Buchdruckerei durch den Druck verschiedener musikalischer Werke zu damaliger Zeit berühmt, unter denen sich das 1520 gedruckte Werk: „Liber selectarum cantionum, quas vulgo mutetas appellant sex quinque et quatuor vocum“ besonders auszeichnet. An der Ausbreitung der Reformation nahm die Druckerei den lebhaftesten Antheil, indem in derselben sehr viele Schriften, die kirchliche Bewegung betreffend, gedruckt wurden, unter Anderem ein großer Theil der Schriften von Ulrich v. Hutten. Auf den Büchern, welche aus der Officin der Beiden hervorgegangen sind, findet man die Wappen Beider als gemeinschaftliches Buchdruckerzeichen vor. Beide druckten bis ins J. 1522 gemeinschaftlich; dann (d. h. schon im J. 1522, vgl. Weller, Repert. typogr. Nr. 2417) erscheint zunächst Grimm’s Name allein auf den Drucken, 1523 scheint er die Druckerei an seinen Factor Sympert Ruff verkauft zu haben (vgl. Weller, l. c. Nr. 2687), der auch Werke auf Grimm’s Kosten druckte, z. B. 1524 Nachtigall’s „Psalter“ (l. c. Nr. 3109). Vielleicht sah sich G. zum Verkauf der Druckerei durch Geldnoth gedrungen, denn wir wissen, daß er durch alchymistische Versuche u. a. Verluste erlitt. Im J. 1527 verpfändete er sein Hab und Gut. 1530 kommt sein Name in den Steuerbüchern der Stadt Augsburg nicht mehr vor. Daß er und auch Wirsung 1532 todt waren, geht aus Stayner’s Vorrede zu der bei ihm in jenem Jahr gedruckten Uebersetzung von Petrarca’s Buch „De remediis“ hervor, indem er ausdrücklich sagt, daß den ersten Theil dieser Uebersetzung bereits G. und Wirsung auf ihre Kosten hätten anfertigen lassen, das Werk aber nach ihrem Tode ins Stocken gerathen sei.

Geßner, Buchdruckerkunst, III. S. 229. Lesser, Typographia jubilans, p. 97. Schelhorn, Amoenitates literariae VI. p. 466. Jöcher. Zapf, Augsburgs Buchdruckergeschichte, Bd. I. S. XLIV ff. Zapf, Annales typographiae Augustanae, p. 79. Metzger, Augsburgs illustr. Druckdenkmale, S. 10. Meyer, Buchdruckerkunst in Augsburg, S. 25. Böcking, Index bibliographicus Huttenianus a. v. O. Preger, Hutten in litterarischer Hinsicht. Butsch, Die Bücher-Ornamentik der Renaissance, S. 23, etc.