ADB:Ruff, Simprecht

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Artikel „Ruff, Simprecht“ von J. Braun in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 593–594, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ruff,_Simprecht&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 18:30 Uhr UTC)
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Ruff: Simprecht R., Buchdrucker zu Augsburg, der daselbst von 1517 bis 1524 im Auftrag und auf Kosten zweier Augsburger Bürger, später aber auf eigene Rechnung seine Kunst ausübte. Sigmund Grimm, ein gelehrter Arzt aus Zwickau, kam 1512 nach Augsburg, errichtete daselbst in seinem Hause eine Apotheke und gegen 1517 eine Buchdruckerei, an welch letzterer sich im folgenden Jahre der reiche Kaufmann Marx Wirsung (s. d.) betheiligte. Diese gemeinschaftliche Officin ließen sie durch R. als Factor führen, und als 1522 Wirsung austrat, setzte Grimm das Geschäft allein noch zwei Jahre fort. Ob dieser 1524 gestorben ist, oder ob er aus Mangel an Capital hat aufhören müssen, ist nicht bekannt; doch weiß man, daß er durch Unglücksfälle sein Vermögen verloren hat. Die Druckerei, welche besonders dadurch Bedeutung hat, daß sie in der Reformationszeit lebhaft Partei nahm und einen großen Theil der Schriften Ulrich’s v. Hutten veröffentlichte, scheint dann in die Hände von R. gänzlich übergegangen zu sein, denn auf den von ihm bekannten Drucken findet sich Grimm’s Druckerzeichen, Herkules und Cerberus darstellend. Nach Dommer’s Angabe hätte R. schon seit 1523 auch unter eigener Firma gedruckt, was wol möglich ist, dagegen beruht die Notiz bei demselben, R. habe noch bis 1526 für Grimm gearbeitet, auf einem Irrthum. Das „Tauff büchlin verteütschet durch Martinum Luther“ ist mit Typen gedruckt, die sowohl bei Grimm’schen als bei Drucken von R. vorkommen, was beweist, daß R. des ersteren Officin erworben hat. Mit den gleichen Typen ist gedruckt: „Dye Euvangelisch hystori nach aller ordnung wie sie ergangen jn ain red gestellt. Von Ammonio Alexandrino Kriechisch beschrieben, vnd durch Othmarum nachtgal Doctorem zu latein vnd teutschem gebracht“, 1524. Es gilt dieses Buch als die erste Evangelienharmonie, welche bald dem Ammonius Alexandrinus, bald dem Tatianus zugeschrieben, [594] bald beiden abgesprochen wird; der Uebersetzer Othmar Nachtigall (s. A. D. B. XIX, 655), welcher dieses Werk dem Raimund Fugger widmete, verfaßte im darauffolgenden Jahre selbst eine Evangelienharmonie, die erste in deutscher Sprache. Noch verdient von den Drucken Ruff’s genannt zu werden: „In Evangelium Lucae Anno-Tationes Joannis Agricolae Islebii. Summa scripturarum fide Tractatae“. 1525. Ueber sein Leben ist nichts bekannt; seine Officin scheint nur bis 1526 in Betrieb gewesen zu sein.

Vgl. Kapp, Geschichte, S. 133, 823. – Klemm, Katalog, S. 272. 273. – Falkenstein, Geschichte, S. 161. Zapf, Augsburger Buchdruckergeschichte, S. XLVI. – v. Dommer, Lutherdrucke, S. 204–205. – Thesaurus lib. hist. ref.. Suppl. Nr. 26. – Weller, Annalen 3109. – Panzer, Annalen 1675. – Goedeke, Grundriß 1, 114, 355 u. s. w.