ADB:Grube, August Wilhelm

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Artikel „Grube, August Wilhelm“ von Ferdinand Sander in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 575–577, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Grube,_August_Wilhelm&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 06:41 Uhr UTC)
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Grube: August Wilhelm G., † am 27. Januar 1884, fruchtbarer pädagogischer Schriftsteller, besonders einflußreich als Methodiker des Rechenunterrichtes. – August Wilhelm G. wurde am 16. December 1816 in Wernigerode als Sohn eines Schneidermeisters geboren und besuchte 1825–33 das Lyceum (damals Progymnasium) seiner Vaterstadt, um sich sodann dem Berufe des Volksschullehrers zu widmen. Er war 1833–36 Zögling des Lehrerseminars zu Weißenfels, das damals unter der Leitung von Harnisch in besonderer Blüthe stand und an Ernst Hentschel, Wilhelm Prange u. A. tüchtige Lehrer besaß. Wohl vorbereitet und vielseitig angeregt, trat G. als Hülfslehrer an der Bürgerschule zu Merseburg (1836–40) in die Praxis der Volksschule ein, verließ jedoch nach wenigen Jahren die dortige Stelle, um als Hauslehrer bei dem damaligen Merseburger Regierungspräsidenten, späteren Minister Grafen v. Arnim-Boitzenburg einzutreten. Dem Berufe des Privaterziehers und Mentors blieb er fortan treu und übte ihn, seine Muße auf eifrige Studien und fleißige Schriftstellerei verwendend, nach dem Austritt aus dem Arnim’schen Hause (1843) zuerst in einer anderen adeligen Familie [576] (bis 1848) und dann bei einem Fabrikbesitzer in Hard bei Bregenz (Vorarlberg) aus. Bregenz wählte er zum Aufenthalte, als er 1866 sich zur Ruhe setzte, um ganz litterarischen Arbeiten zu leben. Den zahlreichen Auflagen seiner in Lehrerkreisen, Schulbibliotheken u. s. w. verbreiteten älteren Werke fügte seine fleißige Hand immer neue Bücher und kleinere Studien hinzu, mit denen er, fast den gesammten Bereich des Volksschulunterrichtes umspannte und gemüthvoll anregend beeinflußte. Nach längeren Leiden, zuletzt völlig taub, starb der einsame Mann in Bregenz am 27. Januar 1884. Am nachhaltigsten wirkte G. durch seine Erstlingsschrift: „Leitfaden für das Rechnen in der Elementarschule“ (1842: 17. Aufl. 1881). Er tritt darin mit etwas überschwänglicher Begeisterung für dies Lehrfach ein, von dessen richtiger, methodischer Handhabung er für Geist und Gemüth edelste Frucht erwartet. Neben manchen trefflichen Vorschriften und feinen Winken bringt das Buch einen neuen Gedanken, der bald eifrige Debatten für und wider G. hervorrief. In dem Zahlenraume von 1–100 soll nach G. der Unterricht nicht nach den sogen. vier Species eingetheilt und abgestuft werden, sondern jede einzelne Zahl als Individuum in allen ihren Beziehungen derart zur Anschauung bringen, daß daraus wie von selbst die einzelnen Grundrechenarten hervorwachsen. G. unterscheidet dies sein Verfahren, für das er vorbereitende Andeutungen besonders bei dem hannoverischen Rechenmeister Krancke gefunden hatte, als „Denkrechnen“ von dem sonst geübten „Regelrechnen“. – Für den Realunterricht in Geschichte, Erd- und Naturkunde prägte G. den eigenen litterarischen Typus der „Charakterbilder“ oder „Biographien“. Seine „Charakterbilder aus Geschichte und Sage“ (23. Aufl. 1882, 3 Bde.); „Geographische Charakterbilder“ (Bd. I u. II in 18., Bd. III in 14. Aufl. 1882); „Biographien aus der Naturkunde in ästhetischer Form und religiösem Sinne“ (letzte Aufl. 1877–80, 4 Bde.); „Bilder und Szenen aus dem Natur- und Menschenleben in den fünf Hauptteilen der Erde“ (7. Aufl. 1886, 4 Thle.); „Biographische Miniaturbilder“ (6. Aufl. 1884, 2 Thle.) und andere ähnliche Schriften haben verdienstlich dazu beigetragen, den Unterricht auf diesen Gebieten zu beleben und frischer zu gestalten, auch weitere Kreise zu sinniger Betrachtung von Natur und Menschenwelt anzuleiten. Auf den Religionsunterricht übertrug G. die anderweit erprobte Form in den „Charakterbildern aus der heiligen Schrift im Zusammenhange einer Geschichte des Gottesreiches für Lehrer und Leser des Bibelwortes“ (1853 und 54, 2 Thle.). Auf diesem, ihm besonders am Herzen liegenden Gebiete wünschte er Erhebung der Schule und des geistigen Lebens der Nation überhaupt „aus dem leidigen Gegensatze eines toten Dogmenglaubens und eines nicht minder abstracten Rationalismus“ durch „wahre Aufklärung, die dem Glauben nicht entfremdet, sondern ihm die Herzen gewinnt“. Er urtheilt: „Ein Glaube, der das Wissen zurückweist und vor der Aufklärung des Verstandes sich fürchtet, ist ein schlechter Glaube, und kein Schade drum, wenn er zu Grunde geht“; aber er warnt: „Der Lehrer sei vorsichtig und zerstöre nicht mit dem Lichte des Kopfes die Wärme des Herzens“. Mehr systematisch dargestellt findet man Grube’s pädagogische Ansichten in dem Werke: „Der Elementar- und Volksschulunterricht im Zusammenhange“ (1851). Wie er die pädagogischen und überhaupt die Culturfragen seiner Zeit mit lebendiger Theilnahme begleitete, zeigen seine gesammelten kleineren Aufsätze in den beiden Bändchen: „Pädagogische Studien für Lehrer und Erzieher“ (1860) und „Studien und Kritiken für Pädagogen und Theologen“ (1871). In seinen späteren Jahren übernahm G. die Bearbeitung der neuen Auflagen von Chr. Oeser’s (d. i. Schröer’s) „Briefen an eine Jungfrau über die Hauptgegenstände der Aesthetik“. Gern gelesen [577] wurden ihrer Zeit auch seine „Alpenwanderungen“ (3. Aufl. von Benda 1885).