ADB:Gundelius, Philipp

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Gundelius, Philipp“ von Ludwig Geiger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 124–125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gundelius,_Philipp&oldid=- (Version vom 19. September 2019, 00:54 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 10 (1879), S. 124–125 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juni 2018, suchen)
GND-Nummer 119695006
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|124|125|Gundelius, Philipp|Ludwig Geiger|ADB:Gundelius, Philipp}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119695006}}    

Gundelius: Philipp G., geboren in Passau 1493, gestorben in Wien 1567. Er war ein thätiger Humanist, besonders mit Cuspinian befreundet, dessen einen Sohn er erzog, und mit Joachim Vadian, an dessen Stelle er 1518 Professor der Poesie und Eloquenz wurde, in späterer Zeit mit dem Mathematiker Andreas Perlach und dem Historiker Kaspar Brusch. Die Stelle eines Professors der Poesie bekleidete er nicht lange. Nachdem er 1521, der Pest wegen, Wien verlassen, und in Krakau, wohin er sich begeben, die Rechte gelehrt hatte, wendete er sich ganz der Jurisprudenz zu und bekleidete bis zu seinem Tode die Stelle eines Professors der Rechte, wurde 1530 Dekan in seiner Facultät, 1540 Rector, von der Universität mit den sonst nicht vorkommenden Ehrentiteln: beständiger patronus und conservator geschmückt. Auch von dem König Ferdinand erhielt er mannigfache Gunstbezeigungen, wurde von ihm zum Geh. Rath seiner Gemahlin Maria und zum Fiscaladvocaten von Niederösterreich ernannt. Trotz [125] dieser großen praktischen juristischen Thätigkeit hat G. keine juristischen Publicationen hinterlassen (handschriftlich sind von ihm auf der Hofbibliothek zu Wien „Consilia pro Ferd. I imp. contra Paulum IV papam“, die vielleicht eine Untersuchung verdienten); seine Veröffentlichungen sind vielmehr alle humanistischer Art und zwar Ausgaben alter Autoren, Reden und Gedichte. Die von ihm herausgegebenen Schriftsteller sind entweder alt- und spätrömische (Ovid, „Fasti“, 1513, Claudian, In Ruffinum, Wien 1518, Plinius, Nat. hist. lib. 7, Wien 1519, Cicero, Pro lege Manilia und pro Milone), meist Textausgaben, für seine Vorlesungen bestimmt, oder Kirchenväter (eine Schrift Tertullians, Wien 1521), oder Humanisten (Jakob Faber’s Compendium philosophiae, Ant. Geraldinus, Bucolicon, und Briefe des Philelphus und Piko). Die Ausgaben sind mit kleinen Anreden an den Leser, manche auch mit Gedichtchen gedruckt. Von den Reden des G. ist eine handschriftlich erhalten (an Ferdinand I., 1522, Wien, k. k. Hofbibliothek) und eine bei Maximilians I. Leichenfeier gedruckt (Wien 1520). Gedichte hat er sehr viele verfaßt und sie nach humanistischer Sitte den jetzt fast gänzlich verschollenen Schriften seiner Freunde beigegeben; als selbständige Sammlungen erschienen 1518 „Eclogae duae Apollinodia et Callinera“; und 1539 „Carminum libri II“.

Vgl. Aschbach, Gesch. der Univ. Wien (II. 1877), S. 319–26.