ADB:Hagen, August

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Artikel „Hagen, Ernst August“ von Josef Bernhard Nordhoff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 770–771, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hagen,_August&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 12:00 Uhr UTC)
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Hagen *): Ernst August H., geboren am 12. April 1797 in Königsberg i. Pr. als Sohn des Professors und Hofapothekers C. G. Hagen, erhielt seine Vorbildung im Altstädtischen Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog die Albertina im J. 1816, um zunächst auf den Wunsch seines Vaters Naturwissenschaften und Medicin zu studiren; bald jedoch wandte er sich, einer schon früh hervorgetretenen Neigung folgend und angeregt durch mehrfache Reisen in die Heimathprovinz, auf welchen er den Historiker Johannes Voigt begleitete und die alten Kunstdenkmäler der Ordenszeit kennen lernte, dem Studium der Kunst und Litteratur zu. 1821 erlangte H. die philosophische Doctorwürde und habilitirte sich als Docent an der Universität; in demselben Jahre trat er eine längere Studienreise an, hielt sich während des Wintersemesters 1821/22 in Göttingen auf, um die Vorlesungen Otfried Müller’s zu hören, und besuchte alsdann die berühmtesten Kunststätten Deutschlands und Italiens, wo er mit zahlreichen bedeutenden Gelehrten und Künstlern in theils wissenschaftliche, theils persönlich freundschaftliche Verbindung trat. 1823 nach Königsberg zurückgekehrt, begann er seine Lehrthätigkeit und wurde 1825 nach dem Fortgange Lachmann’s zum Prof. extraord. („für die Fächer der Theorie und Kritik der schönen Künste und Wissenschaften“) und zugleich zum stellvertretenden Prof. eloquentiae neben Lobeck ernannt. 1830 folgte die Berufung in ein Ordinariat für Kunstgeschichte und Aesthetik, womit zugleich die Aufsicht über die damals sehr dürftigen Kunstsammlungen der Universität verbunden war. Nachdem 1845 Königsberg der Sitz einer Kunstakademie geworden war, wurde H., welcher an der Gründung derselben thätigen Antheil genommen hatte, kunstgeschichtlicher Lehrer der Anstalt und verblieb bis kurze Zeit vor seinem Tode am 16. Februar 1880 auch in dieser Stellung.

Hagen’s litterarische Thätigkeit war eine sehr ausgedehnte. Schon als junger Student veröffentlichte er ein großes romantisches Gedicht in zehn Gesängen „Olfried und Lisena“ (Königsberg 1820), welches Goethe’s Aufmerksamkeit erregte und von ihm anerkennend beurtheilt wurde. Eine Frucht seiner auf der Studienreise angestellten kunsthistorischen Forschungen sind zwei Werke, in welchen er in anmuthiger novellistischer Form das Künstlerleben in Nürnberg und Florenz zur Zeit ihrer größten Blüthe schildert: „Norica, d. s. nürnbergische Novellen aus alter Zeit nach einer (fingirten) Handschrift des 16. Jahrhunderts“ (Leipzig 1827) und „Die Chronik seiner Vaterstadt vom Florentiner Ghiberti“ (1833). Erstere Schrift hat sieben Auflagen erlebt, von welchen die beiden letzten nach Hagen’s Tode 1889 und 1897 erschienen sind, sie wurde auch ins Englische übertragen (wie der Ghiberti in das Italienische), und begründete hauptsächlich Hagen’s litterarischen Ruf. Hieran reihen sich die von H. gleichfalls als „Künstlergeschichten“ bezeichneten Schriften „Die Wunder der heiligen Catharina in Siena“ und „Leonardo da Vinci in Mailand“ (1840). Weitere Publicationen sind „Der Dom zu Königsberg i. Pr.“ (gemeinschaftlich mit Gebser, Königsberg 1835), „Geschichte des Theaters in Preußen, vornehmlich der Bühnen in Königsberg und Danzig“ (zuerst erschienen in den Neuen Preußisch. Provinzialblättern 1854), „Max [771] v. Schenkendorf’s Leben, Denken und Dichten, unter Mittheilungen aus seinem litterarischen Nachlaß dargestellt“ (Berlin 1863), „Acht Jahre aus dem Leben Michel Angelo Buonarotti’s nach Berichten von Georg Vasari“ (Berlin 1869). Zahlreiche kleinere Aufsätze finden sich in den von H., z. Th. in Gemeinschaft mit Meckelburg in den Jahren 1846–1857 herausgegebenen „Neuen Preußischen Provinzialblättern“.

Außerdem war H. mit Erfolg bemüht, das Interesse für Kunst in seiner Heimath zu fördern. Schon erwähnt ist die auf sein Betreiben durch Vermittlung des Oberpräsidenten v. Schön zu Stande gekommene Errichtung der Kunstakademie; seine Schöpfungen sind ferner die werthvolle Universitätskupferstichsammlung, welche er in liberalster Weise weiteren Kreisen zugänglich machte, und die Königsberger öffentliche Gemäldegalerie. Ebenso ist die Gründung eines Kunstvereins (1832) und die Veranstaltung regelmäßig wiederkehrender, auch von fremden Künstlern beschickten Kunstausstellungen in Königsberg (die erste fand im J. 1831 als Wohlthätigkeitsausstellung zur Linderung eines durch den Ausbruch der Cholera verursachten Nothstandes statt) auf H. zurückzuführen. Auch auf ein anderes Gebiet erstreckte sich sein schöpferisches Wirken; die in Königsberg seit 1844 bestehende Alterthumsgesellschaft Prussia blickt auf ihn als ihren Stifter zurück, von welchem zu der gegenwärtig im Besitz der Gesellschaft befindlichen sehr reichhaltigen Sammlung prähistorischer Alterthümer der Grund gelegt wurde. – Hagen’s liebenswürdige Persönlichkeit erfreute sich wegen der Lauterkeit seines Charakters, seines auf das Ideale gerichteten Sinnes und seiner selbstlosen Bescheidenheit der größten Achtung.

August Hagen, eine Gedächtnißschrift zu seinem hundertsten Geburtstage. Berlin 1897; Verfasser ist der 1905 gestorbene Generallieutenant Heinrich v. Hagen, ein Sohn Hagen’s. – Prutz, Die Königl. Albertusuniversität zu Königsberg im 19. Jahrhundert. Königsberg 1894.

[770] *) Zu Bd. XLIX, S. 700.