ADB:Halbax, Michael Wenzel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Halbax, Michael Wenzel“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 398–400, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Halbax,_Michael_Wenzel&oldid=- (Version vom 16. Mai 2021, 22:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 10 (1879), S. 398–400 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand November 2015, suchen)
GND-Nummer 136838537
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|398|400|Halbax, Michael Wenzel|Bernhard Grueber|ADB:Halbax, Michael Wenzel}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136838537}}    

Halbax: Michael Wenzel H. (fälschlich auch Halwachs oder Hallpax genannt), Maler des 17. Jahrhunderts, wurde um 1660 wahrscheinlich in Oberösterreich geboren. Seine Bildungsgeschichte ist eben so unbekannt, wie der Ort und die Zeit seiner Geburt: da jedoch der Name H. in Linz öfters vorkommt, dürfte die im Künstlerlexikon des Dlabacz enthaltene Nachricht, daß er aus Oesterreich stamme, begründet sein. Wie aus den Arbeiten des Künstlers deutlich hervorgeht, hat derselbe in seiner Jugend gründlichen Unterricht erhalten, auch scheinen die Eltern nicht unbemittelt gewesen zu sein, da H. nach Italien reisen und in die Schule des Karl Loth (Carlo Lotti) eintreten konnte. Unter Leitung dieses Meisters machte H. überraschende Fortschritte, indem er anfänglich in Loth’s Manier arbeitete, späterhin aber nach Art der Eklektiker, bald den Annibale Caracci, bald den Correggio oder Guido Reni zum Vorbilde nahm. Als hochangesehener Künstler ließ er sich um 1685 in Prag nieder, wo er heirathete und mit Aufträgen überhäuft wurde. Neben verschiedenen Altargemälden fertigte er auch Bildnisse, welche sich durch geistreiche Auffassung und kräftiges Colorit auszeichnen. Im J. 1694 weilte H. noch in Prag, schloß am 4. October mit dem Propste des Stiftes St. Florian bei Linz einen Contract, in [399] welchem er die Anfertigung und Ablieferung von vier Staffeleibildern bis Pfingsten des kommenden Jahres verspricht. Bald darauf siedelte der Künstler ganz nach St. Florian über, wo er bis zu seinem Tode verblieb und sowol für das Kloster wie die Kirchen der Umgegend eine fast unübersehbare Reihe von Werken ausführte. In St. Florian vermählte sich H. zum zweiten Mal am 20. Mai 1709, starb aber schon am 11. August 1711 im kräftigsten Mannesalter, wie es in einem Berichte heißt, beiläufig fünfzig Jahre alt. Die einzigen ganz zuverlässigen Nachrichten über H. befinden sich im Klosterarchive St. Florian, wo sein Name im Trau- und Sterberegister in obiger Schreibweise eingetragen ist, auch mehrere von ihm eigenhändig unterzeichnete Contracte und Quittungen vorhanden sind. Die in Füßli’s Künstlerlexikon enthaltenen Mittheilungen beruhen auf Verwechslung mit einem anderen gleichzeitigen Künstler und sind voll von Irrthümern. H. lebte immer in angenehmen Verhältnissen und seine Bilder wurden gut bezahlt; so erhielt er u. a. für ein in der Frauencapelle zu Florian ausgeführtes Plafondbild das Honorar von 1600 Gulden und 150 Gulden als Extraentschädigung, eine für jene Zeit sehr bedeutende Summe. Von seinen in Prag ausgeführten Werken sind nur wenige auf uns gekommen, mehrere verschwanden zur Zeit der Klosteraufhebung, andere wie z. B. ein Altarbild in der St. Jacobskirche sind so ungünstig aufgestellt, daß sie nur mit Hilfe von Leitern besichtigt werden können. Eine vorzüglich schöne Skizze zu einem Plafondgemälde mythologischen Inhalts sieht man in den Sammlungen des Stiftes Strahow in Prag, wo auch mehrere Handzeichnungen des Künstlers aufbewahrt werden; ein größeres jedoch nicht sehr bedeutendes Oelbild besitzt die Gallerie des Grafen Nostiz. Wer den Künstler in seiner ganzen Bedeutung kennen lernen will, wird sich nach St. Florian begeben müssen, wo seine Hauptwerke versammelt sind. Vor allem sind zu nennen seine Deckenmalereien, darunter der schon angeführte Plafond in der Frauencapelle, die Himmelfahrt Mariä darstellend; ein zweiter Plafond im sogenannten Kaiserzimmer mit reicher, in der Weise des Michelangelo gemalten Umrahmung, zwischen welcher Scenen aus der alten Geschichte und allegorische Figuren eingeschaltet sind. Dann enthalten die Prachttreppe und das Cardinalzimmer Deckengemälde seiner Hand. Diese Werke sind theils al fresco, theils in einer vom Künstler selbst erfundenen enkaustischen Manier ausgeführt. Unter seinen Staffeleibildern verdienen hervorgehoben zu werden: verschiedene Scenen aus dem Leben des heiligen Augustin, namentlich eine Darstellung des Heiligen, wie er begeisterungsvoll gegen die Ketzer schreibt: ein Bild von imponirendem Gepräge und glänzendem Helldunkel in der früheren Manier des Guido Reni gehalten. Es reihen sich an „Die Enthauptung der heiligen Barbara“, „Der verlorene Sohn“, „David, den Bauriß des Tempels betrachtend“, „Der Zinsgroschen“, „Der Kindermord zu Bethlehem“, „St. Veit“, „St. Franciscus in Entzückung“, „Die vier Evangelisten“ als Einzelbilder, „Cäsar, wie ihm der Kopf des Antonius überbracht wird“, „Semiramis läßt ihren Gemahl ermorden“, verschiedene Porträts, darunter das des Künstlers und noch viele andere zum Theil umfangreiche Gemälde. H. ist ein Talent von ungewöhnlicher Erfindung und Sinn für allgemeine Haltung, er zeichnet sehr correct und besitzt eine bewunderungswürdige Leichtigkeit des Vortrags. Doch ist er keineswegs frei von den Mängeln, welche den Geschichtsmalern seiner Zeit und überhaupt den eklektischen Nachahmern der großen italienischen Meister anhaften, wenn auch die affectirten und nichtssagenden Gestalten, denen man in den Werken eines Sandrart, Skreta, Loth und anderer gleichzeitigen Maler begegnet, von ihm mit Glück vermieden werden. Wirkliche Empfindung, Naturwahrheit und volle Farbenharmonie sind zurückgesetzt, um der durch Pietro Berrettini eingeführten [400] Schnellmalerei und Faustpraxis Platz zu machen. Trotz dieser Einseitigkeit nimmt H. unter den deutschen Künstlern seines Zeitalters eine der hervorragendsten Stellen ein, weshalb sehr zu bedauern, daß seine Arbeiten an einem einzigen ziemlich abgelegenen Orte angesammelt sind. Dies die Ursache, daß der Name H. sozusagen verschollen ist, daß die durch Füßli verbreiteten falschen Notizen ohne nähere Prüfung in die verdienstvollen Werke Nagler’s, Fr. Müller’s und Klunzinger’s übergegangen sind und selbst die gründlichsten Forscher der deutschen Kunstgeschichte, E. Förster, Kugler und Waagen, den Namen nicht einmal anführen. Auch G. Joh. Dlabacz, Böhmisches Künstlerlexikon, enthält größtentheils nur die aus Füßli entnommenen Nachrichten. (P. Cerny, Stiftsbibliothekar in St. Florian, theilte handschriftliche Auszüge aus dem dortigen Archive mit, mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit geordnet.)