ADB:Hauer, Georg (Benediktiner)

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Artikel „Hauer, Georg“ von H. Herre. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 66–68, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hauer,_Georg_(Benediktiner)&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 05:09 Uhr UTC)
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Hauer: Georg H. aus Schwanenkirchen bei Deggendorf, Geschichtschreiber. Geburts– und Todesjahr sind unbekannt. H. trat wahrscheinlich im Jahre 1458 in das Benedictinerkloster Niederaltaich ein. Am Tage der officiellen Eröffnung der Universität Ingolstadt (26. Juni 1472) erfolgte seine Immatriculation in die Artistenfacultät derselben. Ueber die Richtung, in der sich seine Studien bewegten, und über die Dauer seines Ingolstädter Aufenthaltes ist leider nichts überliefert. Man darf allenfalls vermuthen, daß er zu den Schülern des bekannten Humanisten Samuel Karoch von Lichtenberg gehörte, der von 1472 an einige Jahre in Ingolstadt lehrte. Im Jahre 1478 und noch 1481 erscheint H. als Prior von Niederaltaich. Auf diese Würde verzichtete er jedoch aus nicht näher angegebenen Gründen schon bald nach 1481. Er trat in das Nürnberger Egidienkloster über. Auch hier rückte er sehr bald zum Prior auf. In dieser Stellung wurde er wiederholt zur Visitation und Reformation von Benedictinerklöstern zugezogen und mit Sendungen an weltliche und geistliche Fürstenhöfe in Sachen seines Ordens und Klosters betraut. Sein Nürnberger Aufenthalt währte nur wenige Jahre. Am 11. Februar 1485 wählten ihn nämlich Vertreter des Bischofs von Passau und Prior und Convent von Niederaltaich zum Administrator dieses Klosters. Er trug anfänglich Bedenken, die Wahl anzunehmen, da er fürchtete, es könnten ihm einmal aus Angebereien unzufriedener Mönche Unannehmlichkeiten mit seinen Oberen erwachsen. Schließlich willigte er aber doch ein, nachdem zwischen dem Bischof von Passau, dem altersschwachen Abt Friedrich, dem [67] Prior und Convent und ihm selbst ein Abkommen dahin getroffen worden war, daß ihm der Abt die ganze Verwaltung des Klosters übergeben und sich lediglich seinen Titel und seine Würde vorbehalten sollte. Darauf erfolgte am 12. März der Verzicht des Abtes und gleichzeitig Hauer’s Bestätigung als Administrator durch den Bischof. Mit der neuen Würde fiel H. auch die Vertretung seines Klosters in der Landshuter Landschaft zu. Er erhielt hier Gelegenheit, sich im December 1489 und im Januar 1490 an dem allerdings erfolglosen Vermittlungsversuch der Landschaft zwischen Herzog Albrecht IV. von München und dem Löwenbunde zu betheiligen, indem er mit dem Ritter Hans von Aichberg als Gesandter der Landschaft nach München und von da zu Vertretern des Löwenbundes nach Regensburg ging. Im Spätsommer des letztgenannten Jahres trat ein, was H. schon bei der Uebernahme der Administration geahnt hatte: Einige Mitglieder des Klosters beschwerten sich über ihn beim Bischof von Passau. Die Folge war, daß er am 21. September 1490 des Amtes entsetzt und verhaftet wurde. Man warf ihm unter anderm finanzielle Mißwirthschaft vor und schob ihm die Absicht unter, das Kloster der Jurisdiction des Bischofs zu entziehen, Beschuldigungen, über deren Berechtigung oder Nichtberechtigung aus den überlieferten Acten kein sicherer Aufschluß zu gewinnen ist. Die Untersuchung zog sich Monate lang hin, während deren H. natürlich in Haft blieb. Seine Enthaftung erfolgte anscheinend erst im Frühjahr 1491, jedenfalls aber erst nachdem der am 14. Januar 1491 verstorbene Abt Friedrich Ende Februar in dem Abt Johann III. einen Nachfolger erhalten hatte. Von Hauer’s weiteren Schicksalen wissen wir nur, daß er im Auftrage Abt Johann’s im Mai 1491 nach Bamberg reiste und dort als Procurator des Abtes am 19. Mai die Investitur empfing. Für die Folgezeit fehlt es an Nachrichten.

Das Werk, dem H. seinen freilich ziemlich untergeordneten Platz unter den bairischen Geschichtschreibern verdankt, führt den Titel „Gesta illustrium ducum Bavariae“. Den Anlaß zu ihrer Abfassung gab ein Brief Herzog Georg’s des Reichen von Landshut an den Abt Friedrich vom 21. October 1478. Der Herzog bat darin, ihm die in Niederaltaich vorhandenen Nachrichten über den Stifter des Klosters, die bairischen Herzöge und besonders die Kaiser Heinrich II. und Konrad II. in lateinischer Sprache mitzutheilen. H. machte sich sofort an die Arbeit und vollendete das Werk noch im Laufe des Jahres 1479. Das dem Herzog übersandte Exemplar ist vielleicht identisch mit dem Clm. 1214 der Münchener Hof- und Staatsbibliothek. H. selbst bemerkt am Schluß der Vorrede, daß er die bairische Geschichte von Karl dem Großen, den er der damals gäng und geben Ansicht folgend für den Stammvater der Baiernherzöge hält, bis auf Friedrich III. schreiben wolle. Dem entspricht scheinbar, daß der Text der Münchener Handschrift mit der Kaiserkrönung Karl’s beginnt. Aber die Handschrift ist unvollständig; es fehlt ihr ein kleiner zwischen die Vorrede bezw. die dieser unmittelbar folgende erste Hälfte des Registers und den Text fallender Theil. Deshalb läßt sich der Zeitpunkt, mit dem die Erzählung einsetzte, nicht sicher bestimmen. Doch spricht manches dafür, daß H. einleitend noch vor die Zeit Karl’s, vielleicht bis auf die Constantin’s d. Gr. zurückgriff. Seine Hauptquellen waren das Speculum historiale des Vincenz von Beauvais und das Chronicon de ducibus Bavariae des Andreas von Regensburg. Daneben benutzte er die dem Ekkehard von Aura zugeschriebene Weltchronik, die großen Lorscher Annalen, die Legenda aurea des Jacobus a Voragine, die Passio S. Quirini, die jüngere Vita Cunegundis, Otto von Freising und einige andere Quellen, alle mit wenig Sinn für Kritik. Eigene Nachrichten hat er so gut wie gar nicht. [68] Darum beruht auch der Werth der Gesta als Geschichtsquelle einzig und allein auf den hier und da eingestreuten und zum Theil nur hier überlieferten Actenstücken: Niederaltaicher Urkunden, Briefen über die Eroberung von Negroponte durch die Türken, Reden des Königs Ladislaus Postumus und des Johann von Rabenstein und einem Briefe des bekannten bairischen Staatsmannes Martin Mair an die Ingolstädter Professoren. Hinter den Nachrichten über die Kaiserkrönung Karl’s d. Gr. ist ein umfangreicher, mit vielen Citaten aus Valerius Maximus, Seneca, Cicero, Augustin und anderen kirchlichen und profanen Schriftstellern verbrämter Fürstenspiegel eingeschoben, der uns H. auch von der Seite des Philosophen kennen lehrt. H. behandelt hier in 21 Capiteln bald mehr bald weniger breit die vier Arten der Thronbesteigung, die Vorzüge der Erb- vor der Wahlmonarchie, das Verhältniß der Fürsten zur Kirche, ihre Pflichten in Krieg und Frieden, die ihrer Rathgeber und die Einrichtung des Staatswesens. Die Abhandlung ist zum größeren Theile sein geistiges Eigenthum; der kleinere Theil ist der Schrift des Aegidius Romanus „De regimine principum“ entlehnt.

Theile der Gesta sind gedruckt im Historisch-literarischen Magazin für Pfalz-Baiern und angränzende Gegenden, herausg. von Finauer, Bd. 1 (München 1782), S. 23–49, und bei Waltzer. – Riezler, Geschichte Baierns 3, 894–895. – Waltzer, Georg Hauer von Niederaltaich, ein bayerischer Chronist d. 15. Jahrh. (Archival. Zeitschr., N. F. 10, 184–310).
H. Herre.