ADB:Otto von Freising

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Artikel „Otto von Freising“ von Wilhelm Wattenbach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 688–690, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Otto_von_Freising&oldid=2490006 (Version vom 22. Oktober 2018, 10:26 Uhr UTC)
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Otto, von 1137–1158 Bischof von Freising, wurde geb. um das Jahr 1114. Er war der Sohn des Markgrafen Leopold des Heiligen von Oesterreich und seiner Gemahlin Agnes, Tochter Heinrichs IV. und Wittwe des Herzogs Friedrichs I. von Schwaben, also ein Stiefbruder Konrads III. und Oheim Friedrichs II. Frühzeitig zum Propst des neubegründeten Chorherrenstifts Klosterneuburg bestimmt, wurde er zu höherer Ausbildung mit ansehnlichem Gefolge nach Paris geschickt, wo er sich die vollständigste Kenntniß der philosophisch-theologischen Wissenschaft jener Zeit erwarb, und namentlich dem Studium der auf Aristoteles begründeten Scholastik zuwandte. Besonders anziehend war ihm die vermittelnde Richtung seines Lehrers Gilbertus Porretanus, während der einseitige Eifer Bernhards von Clairvaux ihm weniger zusagte. Doch machte [689] auf seiner Heimreise bei einem Besuche im Kloster Morimund der Cistercienserorden in der noch ungetrübten Reinheit seiner Weltentsagung einen so überwältigenden Eindruck auf ihn und seine Genossen, daß sie alle das Kleid des neuen Ordens annahmen. Er ist dort auch Abt geworden, folgte aber nach dem Tode des Bischofs Heinrich von Freising (9. Oct. 1137) der Wahl, welche ihn zu dessen Nachfolger berief. Dadurch wurde er ganz gegen seine Neigung tief in die Stürme der Welt gezogen, denn das Bisthum war ganz zerrüttet, die Geistlichkeit verwildert, die Besitzungen in die Gewalt des Adels gekommen. Von dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach hatte er sogar persönliche Mißhandlungen zu erdulden. Nach und nach ist es ihm gelungen, der Unordnung Herr zu werden und namentlich auch die Schule des Bisthums zu einem blühenden Zustand zu erheben. Noch in der Bitterkeit seines Herzens aber, mitten in den wilden Parteikämpfen unter Konrad III. vor dem Kreuzzug, welcher für kurze Zeit Frieden brachte, schrieb er seine Chronik oder, wie er es nannte, sein Buch von den zwei Städten (civitates), nämlich Babel und Jerusalem, das irdische und das himmlische Reich, welches er hienieden in unauflöslicher Verwirrung erblickte; im achten Buche aber schilderte er die künftige Herrlichkeit. Die erfolgreiche Arbeit der früheren Chronisten, namentlich des Ekkehard, machte es ihm möglich, den Stoff als fertig gegeben zu betrachten und nun mit Freiheit zu behandeln, als erster Verfasser einer wirklichen Weltgeschichte. Indem er sich in dem Grundgedanken an Augustin und Orosius anschloß, folgte er überhaupt einer theologischen Auffassung; staatsrechtliche Kenntnisse sowol wie Gedanken fehlen ihm, und die dogmatischen Streitigkeiten der Zeit sind ihm mindestens ebenso bedeutend, wie große geschichtliche Begebenheiten. Eben dieser Standpunkt eines Mannes, der selbst an den wichtigsten Verhandlungen Theil hat, ist historisch bedeutsam; außerdem enthält der letzte Theil der Chronik auch schätzbare Nachrichten. Als Friedrich I. König geworden war, verlangte er die Zusendung der Chronik (1157), welche O. ihm übersandte mit entschuldigenden Worten und dem Erbieten, auch die glücklichere Zeit der neuen Herrschaft darzustellen, wenn ihm der Kaiser das Material dazu geben wolle. Das geschah auch wirklich in einem uns noch erhaltenen Abriß seiner Thaten bis 1156, und darauf gestützt begann O. seine Arbeit, welche nun von ganz anderem, zuversichtlicherem Geiste getragen ist. Vorangeschickt ist im ersten Buch dieser „Thaten Friedrichs“ eine Uebersicht der Begebenheiten seit dem Ausbruch des Kampfes zwischen Kaiser und Papst, wenig zuverlässig in Einzelheiten und nicht ohne Parteilichkeit für das Geschlecht der Staufer. Das ist auch im 2. Buche (bis 1156) der Fall, wo nun Friedrich I. ganz in den Vordergrund tritt. Offene Parteinahme gegen das Papstthum kann man von ihm nicht erwarten, und durchweg war auch seine praktische Thätigkeit auf Vermittelung und Versöhnung gerichtet; sehr stark wirkte bei ihm aber auch das Bestreben, in Nachahmung der alten Schriftsteller eine wohllautende und glatte Darstellung zu geben. Philosophisch-theologische Excurse unterbrechen die Geschichte und beeinträchtigen den historischen Charakter des Werkes, welches aber darum nicht minder von hervorragendem Werth ist. Nachdem O. dem K. Konrad auf dem unglücklichen Kreuzzuge von 1147 begleitet hatte, trat er unter Friedrich den Reichsgeschäften näher, und vermittelte namentlich die Aussöhnung mit Heinrich dem Löwen und die Stiftung des Herzogthums Oesterreich (1156). Der wieder ausgebrochene Streit mit der Curie, welcher ihn besonders schmerzlich berühren mußte, war noch einmal glücklich beigelegt, als er im Juni 1158 zu Augsburg von dem Kriegszuge nach Italien wegen seiner wankenden Gesundheit entlassen, sich zum Generalcapitel seines Ordens begab. Auf dieser Reise starb er am 21. Sept. [690] 1158 in Morimund, noch in der Blüthe der Jahre. Den Mönchen überließ er die Censur über sein Werk in Betreff der dogmatischen Theile, die Fortsetzung aber trug er seinem treuen Begleiter und Notar Rahewin auf.

Die umfangreiche Litteratur s. bei Wattenbach, Geschichtsqu. (5. Aufl.) II, 241 ff. – Erste krit. Ausgabe von R. Wilmans, Mon. Germ. SS. XX, und in 8° 1867. – Neue Ausgabe der Gesta Frid. v. Waitz 1884 Uebers. von Horst Kohl.