ADB:Konrad III. (deutscher König)

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Artikel „Konrad III., deutscher König“ von Wilhelm Bernhardi (Historiker) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 556–562, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Konrad_III._(deutscher_K%C3%B6nig)&oldid=2490693 (Version vom 17. Dezember 2018, 13:02 Uhr UTC)
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Konrad III., deutscher König von 1138–1152, der erste aus dem Geschlecht der Staufer. – K. wurde im J. 1093 als der Sohn des Herzogs Friedrich I. von Schwaben (1079–1105) und dessen Gemahlin Agnes, einer Tochter Kaiser Heinrich IV. geboren. Sein um drei Jahre älterer Bruder Friedrich folgte dem Vater als Herzog von Schwaben, eine Schwester, Namens Gertrud wurde später die Gemahlin des Grafen Hermann von Stahleck. Seine Mutter Agnes ging vermuthlich im J. 1106 mit dem Markgrafen Leopold dem Frommen von Oesterreich eine zweite Ehe ein, in welcher sie noch 18 Kinder zur Welt brachte, von denen sieben in früher Jugend starben, 11 aber, 6 Söhne und 5 Töchter, sie überlebten. So trat das staufische Geschlecht in Blutsverwandtschaft mit dem babenbergischen, eine Verbindung, durch welche die Regierung Konrads vornehmlich ihre Richtung empfing. Ueber die Jugend Konrads, seine Erziehung und Entwickelung ist nichts überliefert. Sicher ist jedoch, daß er mit seinem Bruder Friedrich stets im besten Einverständniß lebte, mit welchem gemeinsam er sogar dem Willen des Oheims, des Kaisers Heinrich V. sich entgegensetzte, als es sich im J. 1121 um die Wahl eines Bischofs von Würzburg handelte. Nach dem Tod Heinrichs V. 1125, mit dem das salische Geschlecht ausstarb, schien der deutsche Thron dem staufischen Geschlecht zufallen zu müssen, da sich durch die Aufeinanderfolge der sächsischen und fränkischen Dynastie die Anschauung einer Erbberechtigung gebildet hatte. Obgleich in der That die Majorität der Fürsten geneigt war, die Erhebung Friedrichs von Schwaben als des nächsten Verwandten Heinrichs V. ihre Zustimmung zu ertheilen, gelang es dennoch der römisch gesinnten Geistlichkeit, an deren Spitze der Erzbischof Adalbert I. von Mainz stand, die Wahl des Herzogs Lothar von Sachsen zum König durchzusetzen. Mit gutem Grund fürchtete die Geistlichkeit eine kräftige Wiederaufnahme der salischen Politik durch die Staufer, während Lothar als ein gefügiger Sohn der Kirche bekannt war. Anfänglich unterwarf sich die staufische Familie dem Ausspruch der Wahlversammlung, Friedrich leistete dem neuen König sogar die Huldigung. Als indeß die Maßnahmen Lothars deutlich zeigten, daß es auf eine Vernichtung der Erben Heinrichs V. abgesehen war, da erhoben sich beide Brüder in Empörung gegen den König. Bereits im Jahre 1127 kam es zu blutigen Kämpfen. Lothar belagerte Nürnberg, welches die Staufer mit einer Besatzung belegt hatten, zwei Monate hindurch, als Friedrich und K. mit einem Entsatzheer herbeieilten und ihn zum Rückzug nöthigten. In einem Treffen besiegte K. den König. Dieser Erfolg gab der aufständischen Partei ungeahnten Aufschwung. Am 18. December 1127 wurde K. zum König ausgerufen, die Wahl Lothars für nichtig erklärt. Der ältere Bruder Friedrich verzichtete vielleicht deshalb auf die Krone, nach welcher er so eifrig gestrebt hatte, weil er dem König Lothar den Huldigungseid geleistet hatte, K. dagegen scheint dem König nicht persönlich verpflichtet gewesen zu sein. Als dessen Wahl stattfand, verweilte er im heiligen Lande, bei seiner Heimkehr 1126 war der Zwist zwischen Lothar und Friedrich bereits ausgebrochen, sodaß er sich der Huldigung überhaupt entzogen hatte. K. hielt seinen Bruder und seine übrigen Anhänger überhaupt für stark genug, sich gegen Lothar zu behaupten, er selbst begab sich im Mai 1128 nach Italien, um hier seinem Gegner zuvorzukommen. Zunächst suchte er sich in den Besitz der Mathildischen Güter zu setzen. In der That gewann er zuerst nicht unbedeutende Erfolge. Am 29. Juni 1128 wurde er unter großem Jubel der Bevölkerung zu Monza vom Erzbischof Anselm von Mailand zum König von Italien gekrönt, die Regierungsrechte übte er alsbald [557] mit Energie und Geschick aus. Auf den roncalischen Feldern hielt er einen Reichstag und traf Verfügungen über die Pflichten der Reichsvasallen; einen rebellischen Grafen ließ er hinrichten. Dennoch vermochte er sich in Italien nur wenige Jahre zu halten. Als im J. 1130 das Schisma in der römischen Kirche zwischen Anaclet II. und Innocenz II. ausbrach, hoffte er, daß einer von beiden auf seine Seite treten würde. Aber beide Päpste erklärten sich gegen ihn, so daß er sich veranlaßt sah, Italien aufzugeben. 1131 oder 1132 erschien er wieder in Deutschland, um hier an den Kämpfen gegen Lothar, welche in der Zwischenzeit nicht geruht hatten, theilzunehmen. Näheres über seine Thätigkeit ist jedoch nicht bekannt. Allmählich gewann Lothar, der im J. 1133 in Rom zum Kaiser gekrönt war, auf allen Punkten das Uebergewicht, so daß sich Friedrich von Schwaben 1134 endlich unterwarf. Ihm folgte K. Anfang October 1135. Beide Brüder erhielten Verzeihung und Zurückgabe ihrer confiscirten Güter. Vom Kirchenbann wurden sie gelöst. Seitdem blieb K. ein ergebener Anhänger des Kaisers, dem er im J. 1136 nach Italien folgte. Als kaiserlicher Bannerträger genoß er im Heer hohes Ansehen, welches er durch militärische Leistungen noch zu steigern wußte. Am 8. Novbr. 1136 schlug er vor Pavia die Besatzung dieser Stadt vollständig, so daß am nächsten Tag die Capitulation dieser Stadt erfolgte. Im J. 1137 nahm er das Castell Ragnano bei Siponto und belagerte San Angelo auf dem Monte Gargano. Daneben war er politisch keineswegs unthätig. Er verstand es die Freundschaft des Papstes zu gewinnen, sowie die des Erzbischofs Albero von Trier, der das Vertrauen der römischen Curie genoß. Offenbar verfolgte K. hierbei die Absicht, sich bei der nächsten Erledigung des deutschen Thrones der Mitwirkung der Kirche zu seinen Gunsten zu versichern. Lothar war alt und krank, seine einzige Tochter Gertrud an den Herzog Heinrich den Stolzen von Baiern vermählt, dessen Nachfolge im Reich der Papst fürchtete. Am 4. Decbr. 1137 starb Lothar, der Kampf um die deutsche Krone begann von Neuem. Durch eine überwiegende Macht und als Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers hatte Heinrich der Stolze die meisten Aussichten von den Fürsten gewählt zu werden, aber die Wirksamkeit des vom Papst entsendeten Cardinals Dietwin und die Geschicklichkeit des Erzbischofs Albero von Trier vereitelten seine Hoffnungen. Zur Kur des neuen Königs war eine Versammlung der Fürsten auf den 22. Mai 1138 angesagt, aber schon vorher traten unter dem Vorsitz jener Geistlichen eine geringe Anzahl Fürsten zusammen und wählten am 7. März 1138 K. zum König. Am 13. März erfolgte seine Krönung zu Aachen durch den Cardinal Dietwin. Obwol Konrads Erhebung unter Verletzung des herkömmlichen Rechts stattgefunden hatte, wurde ihr doch die Zustimmung der meisten Fürsten zu Theil. Auf seinem ersten allgemeinen Reichstag, den er zu Pfingsten 1138 in Bamberg abhielt, erschienen weltliche und geistliche Herren aus fast allen Reichsgebieten, um seine Wahl anzuerkennen und ihm Huldigung zu leisten. Doch der Mächtigste fehlte, Herzog Heinrich von Baiern und Sachsen, der die ihm von Lothar anvertrauten Reichsinsignien noch in seiner Hand hielt. Obwol er dieselben zu Regensburg auslieferte, kam es dennoch zu keiner Annäherung zwischen ihm und dem König, der sich weigerte, dem Welfen den Besitz zweier Herzogthümer zuzugestehen. Und in der That wäre die Königsgewalt Konrads illusorisch geworden, wenn neben ihm Heinrich der Stolze als Herzog von Sachsen und Baiern, als Markgraf von Toscana und Inhaber der Mathildischen Güter existirt hätte. Da Heinrich jeden freiwilligen Verzicht auf eines der Reichslehen ablehnte, kam es zum Bruch. Noch in demselben J. 1138 ließ K. zu Würzburg die Acht über Heinrich den Stolzen aussprechen und verlieh das Herzogthum Sachsen an den Markgrafen der Nordmark, Albrecht den Bären, der sofort die staufische Partei [558] ergriffen hatte. Diese Verfügung entzündete einen schweren Bürgerkrieg zunächst in Sachsen. Die Wittwe Lothars, die Kaiserin Richenza trat an die Spitze der Bewegung zu Gunsten ihres Schwiegersohnes, der Anfang 1139 selbst in Sachsen erschien, den König verjagte und auf allen Punkten das Uebergewicht gewann. Albrecht und seine Anhänger mußten aus Sachsen flüchten, K., der dem Welfen inzwischen auch das Herzogthum Baiern hatte absprechen lassen, übertrug dieses seinem Halbbruder, dem Markgrafen Leopold von Oesterreich und bot die Reichsheerfahrt gegen die aufrührerischen Sachsen auf. Bei Kreuzburg an der Werra lagerten die Truppen Konrads und Heinrichs im August 1139 einander gegenüber. Aber es kam nicht zum Kampfe. Unter Vermittelung der Bischöfe wurde ein Waffenstillstand bis Pfingsten 1140 abgeschlossen. Allein Heinrich erlebte den Ablauf desselben nicht. Am 20. Octbr. 1139 starb er zu Quedlinburg. Als Erben seiner Ansprüche hinterließ er einen zehnjährigen Sohn, den nachmaligen Heinrich den Löwen, dessen Schutz seine Großmutter Richenza übernahm. Dem König starb Heinrich der Stolze unzweifelhaft sehr gelegen, aber er mußte bald erkennen, daß er im Irrthum gewesen war, wenn er gemeint hatte, mit dem Tod dieses gefährlichsten Feindes den Frieden gewonnen zu haben. Die sächsischen Fürsten verweigerten nach wie vor dem vom König ernannten Herzog Albrecht dem Bären den Gehorsam, sie hielten treu zu dem Sohn Heinrichs des Stolzen. Und auch in Baiern brach der Aufstand gegen seinen Halbbruder Leopold aus. Ein Bruder Heinrichs des Stolzen, Namens Welf, war hier der Leiter der Bewegung. Allerdings gewann der König am 20. Decbr. 1140 bei Weinsberg einen Sieg über Welf, aber eine Unterwerfung der Gegner wurde damit nicht erreicht. Für das J. 1141 hatte K. einen Kriegszug gegen die Sachsen beschlossen, als er hörte, daß Richenza am 10. Juni gestorben war. Da auch sein Halbbruder, der Herzog Leopold von Baiern, durch Krankheit verhindert wurde, ihm Truppen zuzuführen, und am 18. Octbr. gleichfalls verschied, gab er den Kampf gegen die Sachsen auf, zumal der Erzbischof Markolf von Mainz eifrig für den Frieden wirkte, der auch im nächsten Jahre zu Frankfurt zu Stande kam. Albrecht der Bär wurde dazu vermocht, auf das Herzogthum Sachsen zu verzichten, mit welchem der König den jungen Heinrich, den Sohn Heinrichs des Stolzen belehnte. Das Herzogthum Baiern überließ er seinem Halbbruder Heinrich, der bisher Pfalzgraf bei Rhein gewesen war. Die dadurch erledigte Pfalzgrafschaft empfing der Schwager des Königs, Graf Hermann von Stahleck. Ueberhaupt bemühte sich K., in freigewordene Aemter seine nächsten Verwandten zu bringen. Das Bisthum Freising verlieh er seinem Halbbruder Otto, das Herzogthum Niederlothringen an Gottfried von Löwen, der eine Schwester der Königin zur Gemahlin hatte. Andere Fürsten suchte er durch Verschwägerung zu gewinnen. Eine seiner Halbschwestern wurde Herzogin von Böhmen, der oströmische Kaiser Manuel heirathete eine Schwester der Königin, seinen eigenen Sohn Heinrich verlobte er mit einer Tochter des Königs Bela von Ungarn. Aber trotz dieser dynastischen Verbindungen blieb der Friede nicht bestehen. Im J. 1142 unternahm der König einen Feldzug gegen die Böhmen, welche den Herzog Wladislaw, seinen Schwager verjagt hatten, und restituirte diesen binnen kurzer Zeit und ohne Verluste. Dieser schnelle Erfolg hob das Ansehen des Königs im Reich. Weniger glücklich verlief eine Expedition gegen Polen. Der im J. 1138 verstorbene Herzog von Polen Boleslaw III. hatte das Land unter vier Söhne vertheilt mit der Bestimmung, daß der älteste Wladislaw die Obergewalt über seine Brüder als Großherzog führen sollte. Allein bald brachen Zwistigkeiten aus, deren Ergebniß eine Vertreibung Wladislaws durch seine Brüder war. Derselbe war gleichfalls mit einer Halbschwester Konrads Namens Agnes vermählt und suchte daher bei seinem Schwager Schutz. Der [559] König erklärte ihn auch als den alleinigen Herzog von Polen und beschloß ihn mit Waffengewalt zur Anerkennung zu bringen. Im J. 1146 setzte sich das deutsche Heer gegen Polen in Marsch. Aber die Grenzen waren gut gedeckt, das Vorrücken gerieth ins Stocken, eine Schlacht im offenen Feld vermieden die Polen, an deren Spitze der zweite Bruder Wladislaws, Boleslaw IV. als Großherzog stand. Bald trat bei den Truppen des Königs Mangel an Lebensmitteln ein, so daß nur noch ein möglichst ehrenvoller Rückzug in Betracht kommen konnte. Auf die Restitution Wladislaws mußte K. Verzicht leisten. In den Verhandlungen, die zwischen ihm und Boleslaw IV. sowie dessen Brüdern nunmehr stattfanden, versprachen diese, auf dem nächsten Hoftag des Königs zu erscheinen und seinen Forderungen Gehör zu geben. Als Geisel empfing der König den jüngsten Bruder Namens Casimir und zog nun nach Deutschland zurück. Seinem Schwager Wladislaw wies er Altenburg als Aufenthaltsort an. Wie zu erwarten stand, erschien Boleslaw IV. nicht vor dem König, dessen Ansehen eine schwere Schädigung durch ein so völlig mißglücktes Unternehmen erleiden mußte, und der keine Zeit fand, sein mißachtetes Gebot zur Geltung zu bringen. Weit trauriger noch war der Ausgang der größten Unternehmung, die K. überhaupt ausführte, des zweiten Kreuzzuges von 1147 bis 1149. Die Eroberung Edessa’s im December 1144 durch die Moslimen gab die Anregung zu einem neuen Zug der Abendländer nach Asien. Ursprünglich war die Idee, daß nur der König von Frankreich den Kreuzzug unternehmen sollte, aber der Eifer Bernhards von Clairvaux verwickelte auch den deutschen König in diese weitaussehende Expedition. K. hatte bei seinem ersten Zusammentreffen mit Bernhard zu Frankfurt im November 1146 keine Neigung gezeigt, sich an der Heerfahrt nach dem heiligen Lande zu betheiligen, weil die politische Lage seine Entfernung aus dem Reiche nicht zu gestatten schien. Im Innern wurde Deutschland von Fehden zerrissen, nach Außen hatte es Demüthigungen erlitten. Viel näher hätte es dem König gelegen, einen Krieg mit Roger von Sicilien zu beginnen, von dem er aufs tiefste beleidigt war, der gegen ihn den Grafen Welf in Empörung zu halten suchte und überhaupt die Rechte des Reiches mit Füßen getreten hatte. Allein Bernhard von Clairvaux ließ sich durch eine ablehnende Antwort nicht abschrecken. Zu den Weihnachtsfeiertagen 1147 trat er zu Speier, wohin ein Reichstag berufen war, als Redner vor dem König auf, den er momentan der Art hinzureißen verstand, daß er aus des Abtes Hand sofort das Kreuz nahm. Damit waren die Würfel gefallen. K. spannte die Kräfte des deutschen Reiches für den lateinischen Orient an. Zu Pfingsten 1147 überschritt K. mit seinem Heere die Leitha, um den Marsch durch Ungarn zunächst nach Constantinopel zu richten. Die Zahl der deutschen Mannschaften wird auf mehrere Hunderttausend geschätzt. Einige Wochen nach ihm folgte König Ludwig VII. von Frankreich auf demselben Wege. Den Aufenthalt in Ungarn benutzte K. dazu, den König Geisa für die Bekriegung seines Halbbruders Heinrich im J. 1146 durch Erhebung von Geldsummen zu bestrafen. Ohne erheblichen Unfall gelangte K. nach Constantinopel, von wo aus er und sein Heer nach Kleinasien übergesetzt und mit Wegweisern versehen wurden (Mitte September 1147). Aber der Zustand der Truppen war höchst unerfreulich. Zuchtlosigkeit war unter ihnen eingerissen, jeder that, was ihm gut dünkte. K. wünschte vor allem Beschleunigung des Zuges und war deshalb nicht geneigt, die Ankunft der Franzosen zu erwarten. Da bei der ansehnlichen Masse der Kreuzfahrer das Vorrücken äußerst langsam von Statten ging, auch die Beschaffung der Lebensmittel Schwierigkeiten verursachte, erfolgte bald eine Trennung. Otto v. Freising und Andere suchten mit ihren Abtheilungen (zwischen 15000 und 30000 Mann) einen eigenen Weg, während das Hauptheer [560] unter dem König Mitte October in der Richtung auf Dorylaeum vorwärts ging. Aber in der Nähe dieser Stadt wurden die Deutschen von den Moslimen geschlagen, und so sehr verbreitete sich die Muthlosigkeit, daß König K. beschloß, den Rückzug anzutreten und sich nun doch mit den Franzosen zu vereinigen. Bei Nicaea traf K. mit dem König Ludwig von Frankreich zusammen. Man wählte jetzt den Weg längs der Küste, kam aber sehr langsam vorwärts. In Ephesus erkrankte K. Da ihn der Kaiser Manuel einladen ließ, nach Constantinopel zu kommen, wo er seine Genesung sorgfältiger betreiben konnte, gab er fürs erste den Weitermarsch auf und ging nach der byzantinischen Hauptstadt. Hier blieb er bis zum 7. März 1148. An diesem Tage segelte er nach dem heiligen Lande ab und landete zwischen dem 11. und 17. April in Akkon. Von dort begab er sich nach Jerusalem, wo ihm der König Balduin III. einen glänzenden Empfang bereitete. Hier ließ er sich dazu bereden, die Wiedereroberung von Edessa zunächst aufzugeben und im Juli einen Feldzug gegen Damascus zu unternehmen. Auch König Ludwig, der inzwischen unter schweren Verlusten über Antiochien nach Tyrus gelangt war, wurde für diese Idee gewonnen. Gegen Mitte Juli brachen die vereinigten Heeresmassen, die trotz der Niederlagen und des Abganges durch Seuche und Fahnenflucht noch immer über 50000 Mann geschätzt wurden, von Tiberias aus gegen Damascus auf und griffen diese volkreiche Stadt von der Westseite an. Der Tapferkeit Konrads und seiner Deutschen gelang es, durch einen blutigen Sieg am 24. Juli eine sehr vortheilhafte Position zu gewinnen, so daß man in Damascus selbst die Hoffnung auf erfolgreichen Widerstand aufgab. Aber die Belagerer ließen den günstigsten Moment ungenützt vorübergehen, den Moslimen wuchs der Muth und im Heere der Christen wurde Verrath geplant. Die maßgebenden Persönlichkeiten am Hofe des Königs von Jerusalem bemerkten das Uebergewicht der Deutschen mit Unwillen, sie fürchteten überdies ein Eingreifen der Emire von Mossul und Haleb, deren unmittelbare Nachbarschaft ihnen gefährlicher schien, als wenn Damascus unter einem eigenen muhamedanischen Herrn jene von den Grenzen des jerusalemitanischen Reiches fern hielt. Möglichst schnelle Entfernung der Kreuzfahrer schien rathsam. In diesem Sinn bewirkten die Jerusalemitaner, daß K. und Ludwig ihre Stellung aufgaben und eine andere im Südosten der Stadt bezogen, wo sie dem Vorgeben nach ohne jede Beschwer binnen Kurzem der Capitulation von Damascus entgegensehen könnten. Aber sie fanden sich bitter getäuscht. Das Kreuzheer wurde auf eine dürre Fläche geführt, deren Wasser- und Futtermangel jeden längeren Aufenthalt für eine Armee unmöglich machte. Man erkannte nun den Verrath, aber eine Besserung der Lage war nur mit den größten Opfern erreichbar, da die Moslimen die verlassene Stellung inzwischen stark besetzt und befestigt hatten. K. beschloß daher sofort Aufgabe der Expedition und König Ludwig folgte seinem Beispiel. Bereits am 8. September stieg K. in Akkon zu Schiff und begab sich nach Griechenland. Ueber Thessalonich gelangte er nach Constantinopel, wo er bis zum Frühjahr 1149 verweilte. Es galt eine enge Verbindung des deutschen und griechischen Reiches zu Stande zu bringen in der Absicht, den gemeinsamen Feind, den König Roger von Sicilien niederzuwerfen. Zur Besiegelung des innigen Verhältnisses wurde eine Ehe zwischen Konrads Sohn Heinrich mit einer griechischen Prinzessin verabredet, eine andere des Herzogs Heinrich von Baiern mit der byzantinischen Kaiserstochter Theodora vollzogen. Anfang Mai 1149 langte K. in Deutschland wieder an. Während seiner Abwesenheit war dem Namen nach sein noch unmündiger Sohn Heinrich Regent gewesen. Die Zustände, welche der heimgekehrte König vorfand, waren keineswegs erfreulicher Art. Graf Welf, welcher schon im J. 1148 Syrien verlassen hatte, stand in enger Verbindung [561] mit König Roger, der ihn mit Geld versah, um in Deutschland eine Empörung gegen den König zu veranstalten. Bereits vor dessen Rückkehr hatte Welf begonnen, die Besitzungen des Königs zu plündern und andere Fürsten auf seine Seite zu ziehen versucht. So sah sich K. genöthigt, den Zug nach Italien, den er zu unternehmen im Begriff stand, aufzugeben und zunächst die Ruhe im Innern wieder herzustellen. Zu diesem Mißgeschick kam noch eine Krankheit, die ihn Ende August 1149 überfiel und bis in das J. 1150 hinein zur Unthätigkeit zwang. Am 8. Febr. 1150 wurde Welf allerdings bei Flochberg in Schwaben von Konrads Sohn Heinrich gänzlich geschlagen und unterwarf sich dem König, aber an seiner Stelle erhob sich ein neuer Feind, der um vieles gefährlicher erscheinen mußte, Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen. Derselbe hatte schon vor Beginn des Kreuzzugs Ansprüche auf Baiern angemeldet, war aber vom König vertröstet worden. Da indeß die Wünsche Heinrichs, der sich bereits Herzog von Sachsen und Baiern nannte, nicht erfüllt wurden, ergriff er die Waffen und rückte im Winter von 1150 zu 51 in Baiern ein. Der König versprach nun, auf einem Reichstag zu Regensburg seine Ansprüche untersuchen zu lassen. Als derselbe im Juni 1151 zusammentrat, erschien Heinrich nicht auf demselben und leistete ebensowenig einer weiteren Vorladung nach Würzburg Folge. Die dem Herzog Heinrich mißgünstige Partei der sächsischen Herren gab dem König den Rath, selbst nach Sachsen zu gehen und sich der wichtigsten Besitzungen des Herzogs zu bemächtigen und ihn dadurch zum Gehorsam zu zwingen. Heinrich, der sich in Schwaben befand, wurde scharf beobachtet, der König rückte in Sachsen ein und gelangte nach Goslar, von wo aus er Braunschweig zu occupiren gedachte. Aber die Unternehmung mißglückte vollkommen, da es Heinrich gelungen war, verkleidet nach Sachsen zu entweichen, wo sich seine Anhänger um ihn schaarten. Bereits am 23. November befand sich der König wieder in Würzburg, den Kampf gegen Heinrich in Sachsen überließ er der dem Herzog feindlichen Partei. So befand sich der König gegen Ende seiner Regierung auf demselben Punkt, wie zu Anfang derselben. Seine Bestrebungen waren gescheitert. Seine Idee war seit längerer Zeit ein Zug nach Italien, um die Kaiserkrone zu erwerben und den König Roger von Sicilien zu demüthigen. Alle Vorbereitungen dazu waren getroffen, die Mitwirkung des oströmischen Kaisers Manuel gesichert, eine Gesandtschaft bereits nach Rom abgegangen, um die bevorstehende Ankunft des deutschen Königs anzukündigen, da ereilte ihn am 15. Febr. 1152 zu Bamberg, wohin er einen Reichstag berufen hatte, der Tod. Durch längere Krankheit war er auf ihn gefaßt gewesen, so daß er noch einige Verfügungen treffen konnte. Er empfahl den Fürsten die Wahl seines Neffen Friedrich zu seinem Nachfolger auf den deutschen Thron. Denn seinen ältesten Sohn Heinrich hatte er bereits im Jahre 1150 durch den Tod verloren, der jüngere, Friedrich, war noch ein unmündiges Kind. Seine Gemahlin, Gertrud von Sulzbach, war am 14. April 1146 gestorben. K. hinterließ das Reich in einem traurigen Zustand. Die königliche Autorität besaß keine Geltung, in wildester Weise machte sich der Partikularismus der Großen merkbar. Es waren vornehmlich die falsche Politik und die Charakterschwäche des Königs, welche die Auflösung der Staatsgewalt verschuldeten. Sein größtes Unglück, aus dem fast alle seine Unfälle resultirten, bestand darin, daß er als ein Geschöpf der römischen Kirche auf den Thron gelangte und es nicht verstand, sich aus der Umklammerung der Geistlichkeit loszureißen. Daß er sich von den Declamationen eines Bernhard von Clairvaux beherrschen ließ, wirkte geradezu verhängnißvoll; sein Bruder Friedrich war tief erbittert über diese Schwäche eines Königs, der Kummer darüber beschleunigte seinen Tod. Den Interessen seiner babenbergischen Halbgeschwister gewährte K. [562] viel zu viel Spielraum. Es fehlte ihm Energie des Willens, was er begonnen hatte, führte er oft nicht zu Ende; er brach ab, wenn sich Hindernisse unerwarteter Art zeigten, oder wenn er den Schein eines Erfolges aufweisen konnte. Diese Mängel an staatsmännischer Befähigung wurden durch persönliche Tapferkeit und wohlwollende Freundlichkeit nicht ersetzt. Die Epoche seiner Regierung ist eine der unglücklichsten für die Entwickelung des Deutschen Reiches.

Die Quellen für die Geschichte Konrads III. sind sehr zersplittert, eine zeitgenössische Biographie ist nicht vorhanden; zusammenhängende Nachrichten über ihn bringt sein Halbbruder, der Bischof Otto von Freising im Chron. Lib. VII und in den Gest. Frid. Lib. I. Seine Regierung ist zuerst eingehend behandelt von Mascov, Comment. de reb. imp. sub Conrado tertio, Lipsiae 1753. Dann von Jaffé, Gesch. des deutschen Reiches unter Konrad III., Hannover 1845; Giesebrecht, Gesch. der deutschen Kaiserzeit, Bd. IV; Bernhardi, Lothar von Supplinburg, Leipzig 1879 (Konrads Thätigkeit vor seiner Thronbesteigung); Bernhardi, Konrad III., Leipzig 1883. Die beiden letztgenannten Werke bilden Theile der von der königl. baierischen Akademie herausgegebenen Jahrbücher der Deutschen Geschichte.