ADB:Konrad (deutscher König)

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Artikel „Konrad, gekrönter deutscher König“ von Theodor Lindner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 554–556, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Konrad_(deutscher_K%C3%B6nig)&oldid=2490691 (Version vom 15. August 2018, 23:59 Uhr UTC)
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Band 16 (1882), S. 554–556 (Quelle).
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Konrad, gekrönter deutscher König, der Sohn Heinrichs IV. und dessen erster Gemahlin Bertha, wurde, während der Vater gegen die aufständischen Sachsen zu Felde lag, am 12. Febr. 1074 in dem Kloster Hersfeld geboren und dort am dritten Tage getauft. Nach errungenem Siege bewog Heinrich Weihnachten 1075 die in Goslar anwesenden Fürsten zu dem Schwur, Konrad dereinst zu seinem Nachfolger zu erwählen; wenige Monate später übertrug er ihm das durch den Tod Gottfrieds des Buckligen erledigte Herzogthum Niederlothringen, welches erst 1089 an Gottfried von Bouillon weiter verliehen wurde. Da das Knäblein in Deutschland nicht sicher war, mußte es auf die traurige und gefahrvolle Fahrt über die schneebedeckten Alpen nach Canossa mitgenommen werden, doch blieb es, als der König wieder nach Deutschland zurückkehrte, in Italien zurück unter der Obhut des Erzbischofs Tedald von Mailand, gewissermaßen ein Unterpfand für die dortige königliche Partei. So verlebte K. seine eigentlichen Kinderjahre fern von den Eltern und der deutschen Heimath, unter dem Lärm der verworrenen italienischen Kämpfe. Schon früh mußte er sich an das Feldlager gewöhnen; war er doch bereits im October 1080, nach der für Heinrich IV. verhängnißvollen Synode zu Brixen, bei einem siegreichen Gefechte der Lombarden gegen die Truppen Mathildens in der Nähe von Mantua zugegen. Im Frühjahr des folgenden Jahres erschien Heinrich IV. selbst in Italien; er soll damals dem Normannenherzoge Robert Guiscard angeboten haben, K. mit einer Tochter desselben zu vermählen. Wahrscheinlich begleitete er den König auf den Zügen gegen Rom, wenn auch die Nachricht, daß er mit Udalrich von Godesheim (vgl. Bd. IX, S.317) in jenem unheilvollen Kastell vor Rom, dessen Besatzung fast ganz zu Grunde ging, zurückblieb, unwahrscheinlich ist. Auch als Heinrich 1084 Italien wieder verließ, ließ er den Sohn dort. Dieser scheint den deutschen Boden erst wieder betreten zu haben, als er am 30. Mai 1087 in Aachen zum Könige gekrönt wurde. Aber schon gegen Ende des Jahres wurde er wieder nach der Lombardei gesandt, kurz vor dem Tode seiner trefflichen Mutter, deren Verlust für ihn vielleicht verderblich wurde. Seine Aufgabe, der Gräfin Mathilde Widerstand zu leisten, scheint er nicht ohne Erfolg erfüllt zu haben, bis der Kaiser selbst im Frühjahr 1090 in Oberitalien erschien. Noch im Jahre 1092 nahm K. die Länder seiner verstorbenen Großmutter, der Gräfin Adelheid von Turin, für den Vater in Besitz. Da trat in ihm ein verhängnißvoller [555] Gesinnungswechsel ein. Unzweifelhaft war es die Gräfin Mathilde, welche den Jüngling zu gewinnen wußte; mit Behagen hebt ihr geistlicher Biograph hervor, wie der Erstgeborene den Aegyptern nur getödtet, dem Kaiser Heinrich aber zum Feinde gemacht wurde. Wahrscheinlich gelang es der gewandten Frau, die Sinnesart Konrads für ihre Zwecke auszubeuten. Ohnehin mußte er, der fast sein ganzes Leben in Italien zugebracht hatte, dem Vater und dessen Anschauungen ferner stehen, die deutschen Verhältnisse kannte er kaum genauer. Die trübe Jugend, welche er durchlebt, scheint den sonst geistig und körperlich reich ausgestatteten Jüngling ernst und schwermüthig gestimmt zu haben; sein weiches, zur Wohlthat und Milde geneigtes Herz mochte zweifeln, ob der Vater in seinem Kampfe gegen die Päpste nicht wirklich gegen Gott streite, wie die Kirche behauptete. War es doch, wie ein englischer Zeitgenosse treffend bemerkte, „das Verhängniß Heinrichs IV., daß alle, welche sich gegen ihn erhoben, die Sache der Religion zu vertreten schienen“. Man scheint K. vorgestellt zu haben, daß er berufen sei, der Welt und der Kirche den Frieden wieder zu geben. Solche Gedanken, nicht der Ehrgeiz verwirrten ihn und machten ihn zum Verräther. Ob das unglückselige Verhältnis Heinrichs zu seiner zweiten Gemahlin, der Russin Praxedis, wirklich auf den sittenstrengen Sohn zurückstoßend eingewirkt hat, wie berichtet wird, muß dahingestellt bleiben. Genug, Anfang 1093 wandte sich K. der Gräfin und dem jungen Welf zu und wurde von diesen und den patavenisch gesinnten lombardischen Städten als König anerkannt. Zwar fiel er bald darauf in die Gewalt des Vaters, aber er wurde „durch Gottes Barmherzigkeit“ befreit und bald vom Erzbischofe Anselm von Mailand zum Könige gekrönt. Im folgenden Jahre, unmittelbar nach der Synode von Piacenza, welche Heinrichs Verderben zu besiegeln schien, begrüßte er am 10. April in Cremona mit tiefster Ergebenheit den Papst Urban II., ihm beim Einzuge Stallmeisterdienste leistend und dann den Treueid schwörend. Dafür nahm ihn, der den Vater aufgegeben, nun die römische Kirche als Sohn an; selbst die Kaiserkrone wurde ihm in Aussicht gestellt, aber mit Vorbehalt aller vom Papste erhobenen Ansprüche. Von dort begab er sich nach Pisa, um widerwillig die ihm vom Papste und Mathilde bestimmte Braut zu empfangen, Mathilde, die Tochter des reichen Grafen Roger von Sicilien, ein kleines Kind. Damit hatte er seine Rolle ausgespielt, die gewünschten Dienste geleistet. Italien bot so wie so für ein kräftiges Gegenkönigthum keinen Boden. Nur sehr wenige Urkunden, drei aus dem J. 1097, sind von ihm bekannt, ein Beweis, wie wenig K. wirklich das Regiment führte. Er war nichts als ein Scheinkönig, um den sich selbst sein eigener Anhang wenig kümmerte. Natürlich, daß Heinrich IV., nachdem es ihm geglückt nach Deutschland zurückzukehren, 1098 dem abgefallenen Sohn das Thronfolgerecht absprechen und es dem jüngeren, Heinrich V. übertragen ließ, wenn auch einige Fürsten aus Sorge vor den möglicherweise entstehenden Verwickelungen widerriethen. Nicht einmal ausreichenden Unterhalt konnte K. von denen erlangen, welche ihn auf die falsche Bahn gelockt, wie eine uns aufbewahrte bittere Aeußerung bezeugt. Schließlich ergriff er sogar die Waffen gegen Mathilde und zog nach Tuscien, aber er mußte sich bald genug entschließen, dieselben wieder niederzulegen. Nicht lange darauf machte ein Fieber seinem freudlosen Dasein am 27. Juli 1101 in Florenz ein Ende. Man sprach von Vergiftung, deren Urheberin Mathilde sein sollte, und erzählte von Wundern an der Leiche und bei der Bestattung. – Ob er zuletzt seinen Abfall bereut hat, wissen wir nicht und es ist kaum wahrscheinlich. Wenn auch Ekkehard von Aura, der über ihn gute Kunde besitzt, ausdrücklich bezeugt, daß K. nie in seiner Gegenwart eine Schmähung des Vaters duldete und diesen immer seinen Herrn und Kaiser nannte, so beweist das nur den edelen Grundzug seines Charakters, aber zu einem klaren Urtheil [556] über die Beweggründe, welche seinen Vater in den großen Kampf trieben, wird er kaum je gelangt sein.

Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit III.