ADB:Otto I. (Herzog von Bayern)

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Artikel „Otto von Wittelsbach, Herzog von Baiern“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 643–646, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Otto_I._(Herzog_von_Bayern)&oldid=- (Version vom 20. Juli 2019, 18:29 Uhr UTC)
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Otto von Wittelsbach, als Herzog von Baiern der erste (1180–1283[WS 1]), in der Reihe der Grafen von Scheiern und Wittelsbach als der sechste seines Namens gezählt. Bekanntlich sind die Grafen von Scheiern, deren älteste Linie ungefähr seit 1116 nach der Burg Wittelsbach bei Pfaffenhofen in Oberbaiern sich nannte, die Nachkommen jener Liutpoldinger, die nach dem Ausgange der Karolinger bereits einige Jahrzehnte lang als Herzoge über Baiern gewaltet hatten. Otto’s Tüchtigkeit verdankte das Geschlecht, daß ihm unter K. Friedrich I. wiederum die Leitung des Stammes zufiel, an dessen Spitze es dann unter allem Wechsel der Geschicke ununterbrochen bis heute geblieben ist. Als Sohn des baierischen Pfalzgrafen, Otto V. von Wittelsbach und der Gräfin Heilika von Lengenfeld um 1120 geb., erhielt O. die herkömmliche kriegerische Erziehung des hohen Adels. Mit seinem Vater nahm er theil an dem Kreuzzuge von 1147. Wahrscheinlich sind die Wittelsbacher mit König Konrad zurückgekehrt und mit diesem um den 1. Mai 1149 in Pula gelandet. Dem jugendlichen Uebermuth der Söhne, der den Vater mit fortriß, schrieb man es dann zu, daß dieser 1151 gegen den König sich auflehnte, wol verstimmt durch die Gunstbezeigungen, die derselbe auf Kosten seiner vogteilichen Rechte dem Freisinger Bischofe gewährt hatte. In die Acht erklärt und auf seiner Burg Kelheim belagert, mußte sich der Pfalzgraf unterwerfen und einen seiner Söhne als Geisel stellen. Die Vermuthung liegt nahe, daß dies O. war, und daß eben bei diesem erzwungenen Aufenthalte desselben sein vertrautes Verhältniß zu Friedrich von Schwaben, Konrads baldigem Nachfolger, angeknüpft ward. Uebrigens kann er diesem auch schon auf der Kreuzfahrt nahe getreten sein, war mit ihm auch durch eine gemeinsame Urgroßmutter, Sophie von Sachsen, Gemahlin des Sachsenherzogs Magnus, verwandt. Sowie Friedrich den Thron bestieg, erscheint O. unter seinen hervorragendsten Räthen und Feldherrn; ja im Krieg wie Frieden ist damals, um mit Rachwin von Freising zu sprechen, kaum eine hohe Eigenschaften erheischende That zur Ausführung gelangt, bei der nicht O. von Wittelsbach und Rainald von Dassel die ersten oder doch unter den ersten waren. Die unermüdliche Thätigkeit, mit der er für die Verwirklichung der kaiserlichen Pläne bei jeder Gelegenheit seine ganze Persönlichkeit einsetzte, strenge Pflichttreue, die ihn von jedem Mißbrauch der Gewalt fern hielt, Klugheit und Geistesgegenwart, die ihm bei aller tollkühnen Tapferkeit nicht fremd waren, alle diese Vorzüge erhoben ihn zur unentbehrlichen Stütze des Kaisers, der besonders in Italien die schwierigsten Aufgaben am liebsten in seine Hände legte. Bald kannten dort Freund und Feind den hochgewachsenen Mann von schönem und kräftigem Gliederbau, mit den großen Augen im länglichen, ziemlich gerötheten Gesichte, das langes, dunkles Haar umsäumte. Bei der Romfahrt Friedrich’s von 1154/1155 war ihm das königliche Banner anvertraut und durch eine merkwürdige Fügung sollte neben Heinrich dem Löwen gerade O., der ihm später im baierischen Herzogthume folgte, auf diesem Feldzuge die reichsten Lorbeeren ernten. Schon bei der Eroberung Tortona’s mit Ruhm bedeckt, brachte er seinen Namen in aller Mund, als das Heer auf dem Rückmarsche in der ersten Septemberwoche 1155 seinem verwegenen Muthe die Rettung aus schwieriger Lage verdankte. Unter Führung eines Ritters Alberich hatten Veroneser die Etschklause bei Rivoli besetzt. Eine schmale Straße zieht hier zwischen dem brausenden Strom und steil abfallenden Felswänden. Das deutsche Heer war kaum in diesen Engpaß eingetreten, als es sich von dem veronesischen Gesindel aus der Höhe bedroht und seinen Vor- und Rückmarsch, den letzteren durch eine vom Feinde besetzte Burg, in gleicher Weise gehemmt sah. Als Preis des Durchzugs verlangten die Wegelagerer von jedem Ritter ein Pferd oder einen Harnisch und vom Kaiser eine bedeutende Geldsumme. Solchen Schimpf ersparte O. dem [644] Heere, indem er mit 200 auserlesenen Kriegern, wol Söhnen der baierischen Hochlande, in mühe- und gefahrvollem Klettern, wobei einer auf die Schultern des andern stieg und Speere gleich Leitern gebraucht wurden, über Fels und Schlucht eine Höhe erklomm, welche die Stellung der Räuber überragte, dort unter dem jauchzenden Zuruf der Untenstehenden das Reichsbanner flattern ließ und nun von oben herab über die Feinde herfiel, die theils niedergemacht, theils gefangen und dann aufgeknüpft wurden. In dem genauen Berichte Otto’s von Freising über diesen Vorgang besitzen wir ein ausnehmend zuverlässiges, vielleicht auf Mittheilung des Kaisers selbst zurückzuführendes Zeugniß, in dem, wie eine jüngst vorgenommene Untersuchung der Oertlichkeit erwiesen hat, fast jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden darf. Es geschah wol in dankbarer Erinnerung an diese That, daß der Kaiser 1168 die Grafschaft Garda, zu der dieses Gebiet gehörte, mit der nach langer Belagerung eben gewonnenen Burg Garda an O. verlieh. Der Wittelsbacher hat jedoch schon nach vier Jahren auf diesen, ihm wol zu entlegenen Besitz verzichtet. Nachdem O. im Sommer 1157 Friedrich’s polnischen Feldzug mitgemacht hatte, begleitete er den Kaiser im September zu der Versammlung nach Besançon, wo durch einen unglücklich gewählten Ausdruck in dem Schreiben Papst Hadrian’s IV. an den Kaiser der Bruch mit der Curie entschieden wurde. Mit herausfordernder Anmaßung traten die päpstlichen Legaten auf, ja einer derselben, der Kanzler Roland, rief aus: Von wem hat denn der Kaiser seine Würde, wenn nicht vom Papste! Da brauste der Wittelsbacher auf; mit gezücktem Schwert drang er auf den kecken Redner ein; Friedrich selbst mußte sich ins Mittel legen, um die Ruhe wiederherzustellen. Der Papst richtete darauf ein Sendschreiben an den deutschen Episkopat, worin er ihn mahnte, dahin zu wirken, daß O. wegen seiner ärgerlichen Lästerungen gegen den Legaten und die römische Kirche nicht ungestraft bliebe. Otto’s Jähzorn ist übrigens auch sonst ersichtlich; in Freising ließ er sich von seinem Unmuth über den Bischof einmal bis zur Störung des Gottesdienstes hinreißen. Eben jene beiden Räthe aber, die zu Besançon die Curie schwer gereizt hatten, O. von Wittelsbach und Rainald von Dassel, sandte der Kaiser 1158 über die Alpen, um seiner zweiten italienischen Heerfahrt die Wege zu bahnen. Hier gab O. wieder außerordentliche Beweise von Umsicht, Thatkraft und Unerschrockenheit. In Ravenna stieß er mit wenig Mannschaft auf einen an Zahl weit überlegenen Heerhaufen von Ravennaten, der im Begriffe war, mit den Byzantinern gemeinsame Sache zu machen. Sein Schwert schwingend, sprang er allein mitten unter die Feinde, erklärte ihren Führer Wilhelm Maltraversar zu seinem Gefangenen und schüchterte dadurch die übrigen völlig ein. Im Sommer 1159 ging er als kaiserlicher Gesandter nach Rom, um Verbindungen mit der römischen Bürgerschaft anzuknüpfen. Senat und Volk empfingen ihn mit großen Ehren. Wie auf kaiserlichem Gebiete saß er im Kloster Farfa zu Gericht. Mit Entschiedenheit trat er für den eben von der kaiserlich gesinnten Minorität der Cardinäle gewählten Papst Victor IV. ein. Dafür traf ihn im April 1160 ebenso wie den Kaiser der Bannfluch des von der Mehrheit gewählten Papstes Alexander III., eben jenes Kanzlers Roland, den er in Besançon bedroht hatte. Bei der ersten Belagerung Mailands (1159) hatte O. die sechste, meist aus Baiern gebildete Heeresabtheilung befehligt und besonders bei dem nächtlichen Sturme auf die Vorwerke Wunder der Tapferkeit verrichtet. Nachher nach Ferrara entsandt, um von dieser Stadt, deren Gesinnung Verdacht erweckt hatte, Bürgschaften der Treue entgegenzunehmen, schwamm er, ohne erst ein Schiff abzuwarten, über den Po, erschien allen unerwartet in der Stadt, ließ sich vierzig Geiseln stellen und kehrte mit diesen zum Kaiser zurück. Bei der langen und schrecklichen Belagerung von Crema (1160) [645] lag O. im Westen der Stadt vor dem Thore gegen Ombriano. Damals wären alle Stürmer, sagt Rachwin, würdig gewesen einzeln genannt zu werden, er wolle aber nur einen nennen als den tapfersten von allen, den Pfalzgrafen O. von Baiern, der öfters von der Mauer herabgeworfen, immer wieder allen anderen voran zum Kampfe zurückgekehrt sei und durch seine Heldenkraft und Furchtlosigkeit diesen ganzen traurigen Vorgang mit seinem Ruhme verherrlicht habe. O. blieb noch in Italien, als die Mehrzahl der deutschen Fürsten nach Hause zog, und begleitete von dort aus, wie es scheint, den Kaiser auf den Reichstag nach Dole in Burgund. An dem italienischen Feldzuge von 1167 hat O. wenigstens anfangs theilgenommen; ob aber die bei der Belagerung Ancona’s erwähnten baierischen Streitkräfte noch unter seinem Befehle standen, ist zweifelhaft. Noch im nämlichen Jahre wurde O. mit Herzog Heinrich von Oesterreich vom Kaiser nach Constantinopel geschickt, vielleicht um ein Bündniß zu erzielen. Mit reichen Geschenken, doch ohne politischen Erfolg kehrten die Gesandten nach Hause. Seinem Vater war O. nach dessen Tode (1156) im Amte eines baierischen Pfalzgrafen gefolgt, auch war er Schirmvogt über das Hochstift Freising und die Klöster Obermünster in Regensburg, St. Castulus in Moosburg, Weihenstephan, Schäftlarn und Scheiern. Die über Salzburg verhängte Reichsacht brachte er als einer der Executoren zur Geltung, scheint jedoch seine Feindseligkeiten bald eingestellt zu haben. In den siebziger Jahren erscheint er nicht mehr so häufig in des Kaisers Umgebung, ohne doch dessen Gunst verloren zu haben. Zwar fehlte er nicht auf dem italienischen Feldzuge von 1174 und bei der fruchtlosen Belagerung von Alessandria; er war damals unter den Unterhändlern des Waffenstillstandes. Dagegen blieb ihm die Theilnahme an der furchtbaren Niederlage bei Legnano erspart. 1179 ging er mit seinem Bruder Konrad, dem früheren Erzbischofe von Mainz, nun Erzbischof von Salzburg, nach Rom, schloß seine Aussöhnung mit der Kirche und wohnte der Generalsynode im Lateran bei. Der Sturz Heinrich des Löwen erfolgte ohne sein Zuthun, aber wie eine langsam gereifte Frucht fiel ihm nun das Herzogthum Baiern in den Schoß. Nicht nur, weil sein Geschlecht schon in der Vorzeit diese Würde besessen, weil er selbst nach Grundbesitz, Grafschaften, Vogteien, Lehensleuten und Dienstmannen zu den mächtigsten Herren von Baiern gehörte, den Ausschlag gab doch die enge Freundschaft, mit der er dem Kaiser seit langen Jahren verbunden war, gaben die ersprießlichen, vielseitigen, unter allen Verhältnissen unwandelbar treuen Dienste, die er dem Reiche geleistet hatte. Nach Schluß des Regensburger Reichstages von 1180 scheint der Kaiser den dort versammelten Fürsten eröffnet zu haben, daß seine Wahl auf O. gefallen, und unter Zustimmung aller anwesenden Fürsten erfolgte seine Belehnung am 16. September 1180 zu Altenburg in Thüringen. Das Pfalzgrafenamt ging auf seinen jüngeren, gleichnamigen Bruder über. Ohne alle Schwierigkeit konnte sich eine solche Umwälzung nicht vollziehen. Mehrere Grafen und Freie verweigerten dem neuen Herzoge den Lehenseid, als er im November in altüblicher Weise einen Huldigungslandtag einberief. Der Zwist ward wahrscheinlich durch das Eingreifen des Kaisers auf dem Nürnberger Reichstage im Februar 1181 beigelegt. Für das Herzogthum hatte der Uebergang der Herrschaft manche staatsrechtliche Einbuße im Gefolge. Die Tiroler Herren scheinen doch erst damals die letzten Bande der Abhängigkeit abgestreift zu haben; die Steiermark ward unter Erhebung ihres Markgrafen Ottokar zum Herzoge völlig von Baiern gelöst, das Wittelsbach an Macht überbietende Haus Andechs wahrscheinlich durch besondere Auszeichnungen beschwichtigt. Im Sommer 1181 waren die baierischen Angelegenheiten soweit geordnet, daß sich O. in Sachsen an den Kämpfen gegen Heinrich den Löwen betheiligen konnte. Münzen, die er prägen ließ, stellen ihn [646] dar, wie er den Helm auf dem Haupte, mit Schwert und Schild bewaffnet, auf einen fliehenden Löwen, Wappenthier und Sinnbild des Welfen, eindringt. Auch als Herzog ließ O. nicht ab von jener unermüdlichen, pflichttreuen Thätigkeit, der er sein Aufsteigen verdankte. Eifrig widmete er sich der in der letzten Zeit Heinrich des Löwen wol vernachlässigten Rechtspflege. Die Vergrößerung der wittelsbachischen Hausmacht in Baiern hat er durch glückliche Verlobungen seiner Töchter vorbereitet. Er selbst hatte 1168 von den Tempelherren das Leukenthal durch Kauf erworben und kaufte als Herzog von der Wittwe des Grafen Konrad von Dachau dessen Besitzungen. Landshut in dem Gebiete der Grafen von Roning, die er beerbte, scheint ihm seine Gründung zu verdanken. 1183 begleitete er den Kaiser zum Friedensschlusse mit den lombardischen Städten nach Constanz. Auf der Heimreise überraschte ihn in der Burg Pfullendorf am 11. Juli 1183 der Tod. Im Kloster Scheiern ward der tapfere Held bestattet, von dem Rachwin rühmt, daß er, seinen Vater übertreffend, in den Waffen außerordentlich erfahren war, mit Weisheit begabt, vielvermögend im Rath, freigebig mit Geschenken, begierig nach Lorbeeren, allbekannt durch seine Treue und die Echtheit seiner Tugenden. Otto’s Gemahlin, die ihn überlebte, war Agnes, Tochter des niederländischen Grafen Ludwig von Looz.

Huschberg, Gesch. d. Hauses Scheiern-Wittelsbach. – Graf Hundt, Kloster Scheiern. – Heigel u. Riezler, Herzogthum Baiern unter Heinrich d. Löwen u. Otto I. – Wittmann, die Pfalzgrafen v. Baiern. – Prutz, K. Friedrich I. – Giesebrecht, Kaiserzeit. – Riezler, Gesch. Baierns I, II. – Schrott, zur Erinnerung an O. v. W. (Allg. Ztg. 1880, Beilage Nr. 157). – Ueber die Erstürmung der Veroneser Klause: Riezler, in der Allg. Ztg. 1880, Aug. 4., Beilage; Oster in d. Zeitsch. d. deutschen Alpenvereins 1885.


Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Gemeint ist: 1183.