ADB:Otto von Wittelsbach

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Artikel „Otto (VIII.) von Wittelsbach, Pfalzgraf von Baiern“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 646–647, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Otto_von_Wittelsbach&oldid=- (Version vom 21. April 2019, 17:24 Uhr UTC)
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Otto (VIII.) von Wittelsbach, Pfalzgraf von Baiern († 1208), der Sohn des Pfalzgrafen Otto III., Neffe des ersten wittelsbachischen Herzogs, hat als der einzige Königsmörder in der deutschen Geschichte seinem Namen eine traurige Berühmtheit verschafft. 1204 und 1205 focht er unter König Philipp im thüringischen und niederrheinischen Feldzuge und wahrscheinlich durch die hier geleisteten Dienste ward Philipp bewogen, ihm eine seiner Töchter zu verloben. Später aber scheint der König Nachtheiliges über den Pfalzgrafen erfahren zu haben und machte das Eheversprechen rückgängig. Besonders infolge der Tödtung oder ungerechten Hinrichtung eines angesehenen Baiern, Namens Wulf, glaubte man, sei O. in der Gunst des Königs gesunken. Von der grausamen Strenge seines richterlichen Waltens hat man sich auch sonst erzählt: wie sein Urtheil schon wegen Diebstahls von einem Heller Werth auf den Tod gelautet, wie er, morgens ausreitend, gern Stricke mitgenommen habe, um Uebelthäter, denen er etwa begegnen würde, auf der Stelle aufzuknüpfen. Die getäuschte Hoffnung aber verstimmte den Pfalzgrafen umsomehr, da er als Brautwerber großen Aufwand gemacht hatte. Indessen bemühte er sich um die Hand einer anderen Prinzessin: Gertrud, Tochter des Herzogs Heinrich von Schlesien und der heiligen Hedwig von Meranien; wieder aber glaubte er zu bemerken, daß ihm der König heimlich entgegenarbeite. In der Slavenchronik Arnolds wird die Sache so dargestellt: Philipp habe dem Pfalzgrafen statt eines erbetenen und erwarteten Empfehlungsschreibens an den schlesischen Hof ein warnendes oder abwehrendes mitgegeben, und O. sei dessen inne geworden. Jedenfalls war es tief empfundene Ehrenkränkung, was den Wittelsbacher zu einer That wilden Jähzorns hinriß, zu einem Verbrechen, das verhängnißvoll in den Gang der deutschen Geschichte eingegriffen hat. Am 21. Juni 1208 um drei Uhr Nachmittags pflog der König nach der Hochzeitsfeier seiner Nichte mit Otto von Meranien [647] in dem bischöflichen Palaste zu Bamberg der Ruhe, als vor dem Thore, gefolgt von einigen Bewaffneten, der Pfalzgraf erschien und um Einlaß bat. Philipp befahl ihn eintreten, seine Begleiter aber draußen warten zu lassen. Mit bloßem Schwert erschien O. vor dem Könige. Dieser empfing ihn mit einer Arglosigkeit, die im Falle der Richtigkeit von Arnold’s Erzählung doch schwer zu begreifen wäre; bei dem Anblick des blanken Schwertes glaubte er, der Pfalzgraf wolle, wie er früher zuweilen gethan, mit seiner Geschicklichkeit in Gauklerkünsten ihn unterhalten, und verbat sich für diesmal das Spiel. Doch mit dem Rufe: Spiel gilt es jetzt nicht! drang O. auf ihn ein. Ein Hieb durchschnitt dem Könige die Kehle, so daß er nach wenigen taumelnden Schritten entseelt zu Boden stürzte. Mit demselben Schwerte verwundete der Wüthende den zur Abwehr herbeispringenden Truchsessen von Waldburg, ungefährdet gelangte er dann ins Freie und jagte mit seinen Genossen davon. Vor den Reichstag Otto’s IV. zu Frankfurt (11. Nov.) trat des Ermordeten zehnjährige Tochter Beatrix, geführt vom Bischofe von Speier, und klagte gegen den Mörder. Einstimmig wurde das Urtheil der Friedlosigkeit über ihn gesprochen. Seine Eigengüter und Reichslehen fielen an seinen Vetter, Herzog Ludwig von Baiern, das Reichsamt der baierischen Pfalzgrafschaft jedoch, worin O. seinem am 18. August 1189 gestorbenen Vater gefolgt war, an den Grafen Rapoto II. von Ortenburg und Kraiburg. Im Januar 1209 fällte ein Reichstag in der baierischen Nachbarschaft Augsburgs in Anwesenheit Herzog Ludwigs das gleiche Urtheil über den Mörder nach baierischem Recht. Schon vorher, im December, waren der Baiernherzog und der Reichsmarschall Heinrich von Pappenheim und Kalden in die Besitzungen des Geächteten eingebrochen und hatten diesen, der nicht lange Widerstand leisten konnte, gezwungen, in der Verborgenheit Rettung zu suchen. Damals soll die Burg Wittelsbach zerstört worden sein. Als dann im März 1209 der Pappenheimer mit einer Botschaft des Königs nach Regensburg ritt, brachte ihm der Sohn eines Mannes, der einst durch den Pfalzgrafen das Leben verloren, die Nachricht, der Geächtete halte sich zu Oberndorf zwischen Kelheim und Regensburg in einer Scheune versteckt. Der Marschall ließ dieselbe umzingeln und gab als Rächer seines staufischen Herrn dem Königsmörder selbst den Tod. Der abgeschnittene Kopf der Leiche ward in die Donau geworfen, der Rumpf im freien Felde verscharrt, bis ihm Herzog Ludwig acht Jahre später im Kloster Indersdorf ein Begräbniß an der Seite des alten Pfalzgrafen erwirkte.

Winkelmann, Philipp v. Schwaben u. Otto IV., I. – Wittmann, die Pfalzgrafen v. Baiern. – Riezler, Gesch. Baierns, II.