ADB:Heinrich XI. von Liegnitz

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Artikel „Heinrich XI., Herzog von Liegnitz“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 616–618, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_XI._von_Liegnitz&oldid=- (Version vom 23. November 2019, 02:45 Uhr UTC)
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Heinrich XI., Herzog von Liegnitz, geb. am 23. Febr. 1539, gest. am 3. März 1588. Seit der Zeit, wo in Folge der Mißregierung seines Vaters Friedrich III. und, während dieser außer Landes war 1557, sein Oheim Georg im Auftrage Königs Ferdinand in Liegnitz erschienen war, um zu Gunsten des jungen Prinzen das Land zu verwalten, hatte Friedrich den Sohn im Verdacht, als hielte es dieser mehr mit dem Oheime, und das Verhältniß wurde nur scheinbar besser, als Friedrich 1557 seine Restitution vom Könige erlangte. Der Prinz fühlte sich seinem Vater gegenüber, namentlich wenn dieser, was nur zu häufig geschah, berauscht war, nicht vor Mißhandlungen sicher, und nachdem er 1558 den Rath von Liegnitz vergebens um wirksame Verwendung bei dem Vater gebeten, entfloh er durch ein Darlehn Jenes unterstützt und hielt sich nun längere Zeit am Hoflager König Ferdinands auf, in dessen Dienste man ihn aufnahm, schwerlich ohne die geheime Absicht, ihn zu dem alten Glauben zurückzuführen. Wenigstens ist die früher bestrittene Erzählung wohl beglaubigt, daß Ferdinand [617] es sehr übel vermerkt habe, als der Herzog zu Augsburg bei der Frohnleichnamsprocession 1559 seine Theilnahme abgelehnt habe. Als dann derselbe am selbigen Tage nach dem Mahle ihm das Wasser reichen wollte, riß ihm der König das Becken weg und sagte: wer mir in der Kirche nicht dienen will, dessen Dienstes bedarf ich auch allhier nicht (sächs. Gesandtschaftsbericht in der schles. histor. Zeitschr. XI, 490). Uebrigens steht es mit diesem Aufenthalte Heinrichs am königlichen Hofe wol in einem gewissen Zusammenhange, wenn nun gegen Friedrich III. ernstlicher vorgegangen, derselbe nach Breslau citirt und dort gefangen genommen und dem Prinzen H. durch kaiserliches Decret das Herzogthum übertragen wird, 1559. Friedrich blieb in Gefangenschaft, Ferdinands Nachfolger, Max II., an den er sich mit Bitten um Freilassung wendete, sendete zwar Gesandte nach Liegnitz und zeigte sich geneigt die Ueberlassung des Hainau’schen Gebietes für ihn von dem Sohne zu verlangen, doch an der von Friedrich stets abgelehnten Forderung, daß die Hainau’schen Stände dem Kaiser schwören sollten, zerschlugen sich die Verhandlungen, und ebensowenig haben directe Verhandlungen zwischen Vater und Sohn zum Ziele geführt. Friedrich ist den 16. Decbr. 1570 als Gefangener gestorben. Inzwischen hatte H. gleich nach seiner Thronbesteigung 1560 sich vermählt mit Sophie, der Tochter Markgraf Georgs von Brandenburg-Anspach. Das Verhältniß zu seinen Unterthanen, im Anfange höchst freundlich, trübte sich bald in Folge der Geldverlegenheiten. Denn die ansehnliche Schuldenlast, welche bereits unter dem Vater angesammelt worden, mehrte sich bald unter H. infolge der kostspieligen Reisen desselben und seines verschwenderischen Hofhaltes, wie er denn z. B. um Weihnachten 1563 den römischen König Max mit einem Gefolge von 2000 Pferden mehrere Tage lang in Liegnitz festlich bewirthete, sein unsteter, ehrgeiziger und abenteuerlicher Sinn trieb ihn auch immer wieder vom Hause fort. So kam er auf den Gedanken, sich von dem ihm nahe verwandten kinderlosen greisen Polenkönig Sigismund August zum Nachfolger erklären zu lassen, und in dieser Absicht verschwendete er 1569 auf einer Reise nach Lublin an 24 000 Thaler ohne doch seinen Zweck zu erreichen. 1571 hielt er um Geld zu erpressen seinen ganzen Landtag längere Zeit gefangen, weshalb er von den Ständen bei dem Kaiser verklagt wurde. Als 1574 der polnische König Heinrich von Anjou seine Krone im Stich lassend flüchtig geworden war, erneuerte der Liegnitzer Herzog seine Bewerbungen, doch ohne Erfolg. Dann trieb er sich mit seinem getreuen Hans v. Schweinichen in ganz Deutschland umher, immer in Geldnöthen, mit Borgen und Betteln unwürdig sein Leben fristend, dabei immer wieder abenteuerliche Pläne spinnend, wie z. B. daß er sich von seiner Gemahlin trennen und die englische Königin Elisabeth heirathen wolle, 1576 ist er in Frankreich Kriegsoberster im Heere der Hugenotten, während inzwischen auf die Klagen der Stände vom Kaiser sein Herzogthum an seinen Bruder Friedrich IV. gegeben worden war, in dessen größeren Theil er allerdings 1580 wieder restituirt wurde. Bald aber führten Gewaltthätigkeiten des Herzogs zu neuen Reibungen mit seinem Bruder und den Ständen, neue Reisen nach Polen erregten den Verdacht des Kaisers, und da Vorladungen keinen Erfolg hatten, ward schließlich die Verhaftung Heinrichs beschlossen. Im Juni 1581 rückte ein Expeditionsheer von dem Bischof Martin als Oberlandeshauptmann geführt, gegen Liegnitz, und obwol H. anfänglich sich zu ernstlicher Gegenwehr rüstete und auch die Expeditionstruppen keineswegs einen hervorragenden Grad von Streitbarkeit an den Tag legten, so unterwarf sich doch H. schon nach wenigen Tagen, duldete den Einzug seines Bruders in Liegnitz und stellte sich jetzt auch wirklich in Monatsfrist in Prag, wo man ihn dann gefangen setzte und im Januar 1582 nach Breslau führte. Während er hier im kaiserlichen Hofe Jahre lang [618] gefangen saß, mühten sich kaiserliche Commissare durch Verhandlungen mit Herzog Friedrich IV. und den Ständen von Liegnitz, das Schuldenwesen des Herzogs H. irgendwie zu reguliren. Dieser Letztere aber vermochte es 1585, indem er seine Wächter trunken machte, über die Oder zu entfliehen, und nachdem er sich zwei Tage lang in einem Walde versteckt gehalten hatte, gelangte er glücklich nach Polen, wo der König Stephan sich seiner annahm. Nach dessen Tode nahm er an den Wahlintriguen zu Gunsten des Jagellonen Sigismund Theil und begleitete auch diesen zur Krönung (27. Decbr.) 1587 nach Krakau. Hier aber erkrankte er und starb am 3. März 1588. Dem ketzerischen Fürsten verweigerte die Krakauer Geistlichkeit ein Begräbniß in geweihter Erde, da legten sich die dortigen Weißgerber, unter denen sich viele Schlesier und auch Liegnitzer befanden, ins Mittel, brachten 70 Thaler zusammen und bewogen die Bettelmönche in einer Capelle ihrer Kirche dem Herzog eine Grabstätte einzuräumen.

Hauptquelle für Heinrichs Leben ist die von seinem Hofmeister und Reisegefährten Hans von Schweinichen verfaßte Biographie des Herzogs, abgedruckt in Stenzel’s Ss. rer. Siles. Bd. IV neben den eigenen Memoiren Schweinichens (1878 neu herausgegeben von Dr. Oesterley). Von neueren behandelt Heinrichs Leben eingehend Kraffert, Chronik von Liegnitz II, 2. Eine anziehende Charakteristik des Herzogs bietet Gustav Freytag in den Bildern aus der deutschen Vergangenheit I, 326 (2. Aufl.).