ADB:Heinzen, Karl

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Artikel „Heinzen, Karl“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 157–158, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinzen,_Karl&oldid=2244295 (Version vom 2. September 2015, 11:03 Uhr UTC)
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Heinzen: Karl Peter H., revolutionärer Schriftsteller, wurde am 22. Februar 1809 in Grevenbroich im Regierungsbezirk Düsseldorf geboren, besuchte das Gymnasium in Cleve und studirte seit 1827 in Bonn Medicin. Wegen einer rebellischen Rede von dieser Universität relegirt, ging er nach Holland, ließ sich hier für die indischen Colonien anwerben und schiffte sich 1829 als Unterofficier nach Batavia ein. Er hat später in seinem 1841 erschienenen Buche „Reise nach Batavia“ (2. Aufl. 1842) eine anziehende Schilderung seiner Fahrt nach dieser Insel, sowie der dort gefundenen Verhältnisse geboten. Letztere sagten ihm auf die Dauer nicht zu, und so kehrte er schon 1831 in die Heimath zurück, widmete sich hier, nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, kurze Zeit dem Berufe eines Kaufmanns und trat dann zum Steuerfach über. Nach acht Jahren wurde er Directionssecretär bei der rheinischen Eisenbahn in Köln und später Mitglied des Verwaltungsraths der Aachener Feuerversicherungsgesellschaft. Seine Muße benutzte er zu schriftstellerischer Thätigkeit. Außer der schon oben genannten Reisebeschreibung gab er einen Band „Gedichte“ (1841. 3. Aufl. Boston 1867) heraus, über welche Heinrich Kurz urtheilt, „daß sich mehrere durch Tiefe des Gefühls und Kraft des Ausdrucks“ auszeichnen. Dann ging er in das Lager der politischen Schriftsteller. In zwei Flugschriften „Die Ehre“ (1842) und „Die geheimen Konduitenlisten“ (1843) unterzog er die Maßnahmen der preußischen Verwaltung einer sachlichen Kritik; schärfer war sein Ton in den Beiträgen, die er für die „Leipziger Allgemeine Zeitung“ und für die „Rheinische Zeitung“ lieferte. Das Verbot dieser Zeitungen für Preußen reizte ihn dann zu der Schrift „Die preußische Bureaukratie“ (1844), die gleich nach dem Erscheinen confiscirt wurde und die Einleitung einer Criminaluntersuchung zur Folge hatte. H. entzog sich derselben durch die Flucht nach Belgien und begann [158] nun hier mit dem „Steckbrief“, einer Anklageschrift gegen den Appellationshof der preußischen Rheinprovinz, (im März 1845) die Reihe seiner socialistischen Schriften, die besonders von der Schweiz aus, wohin sich H. 1846 begeben hatte, nach Deutschland verbreitet wurden. H. hielt sich nach einander in Zürich, Bern, Baselland und Genf auf; aber überall ausgewiesen begab er sich im Winter 1847–48 nach Amerika. Auf die Nachricht vom Ausbruche der Februarrevolution eilte er sofort nach Europa zurück und betheiligte sich lebhaft an den politischen Vorgängen in Deutschland; namentlich organisirte er die bewaffneten Zuzüge der Freischärler aus Frankreich und der Schweiz nach Baden. Nach Unterdrückung des badischen Aufstandes flüchtete er wieder nach der Schweiz und ging im September 1849 über London zum zweiten Male nach den Vereinigten Staaten. In New York führte er eine Zeit lang die Redaction der von dem geistvollen Eichthal gegründeten „Schnellpost“; 1853 ging er nach Louisville, wo er den „Pionier“ gründete. Dieses Blatt, eines der originellsten Erzeugnisse der deutsch-amerikanischen und wol der zeitgenössischen Presse überhaupt, wurde von ihm länger als ein Vierteljahrhundert herausgegeben und zum größten Theil selbst geschrieben. Mit scharfer, von bitterster Satire getränkter Feder verfocht er darin den „teutschen Radicalismus“, dessen festeste Stütze und stärkste Säule er war, und den er in nicht weniger als 67 Schriften vertheidigt hat. Im J. 1859 war H. mit dem „Pionier“ nach Boston übergesiedelt, wo zunehmende Kränklichkeit den von mehreren Schlaganfällen heimgesuchten Herausgeber veranlaßte, 1879 das Blatt eingehen zu lassen. Er starb daselbst am 12. November 1880. „Bei aller Schroffheit seines Auftretens, und trotz seiner mitunter recht barocken Ansichten mußte man an H. die hohe Ueberzeugungstreue und Consequenz schätzen. Er war ein ehrlicher Mann, der schrieb, wie er dachte, und kein Blatt vor den Mund nahm.“ Auf schönwissenschaftlichem Gebiete veröffentlichte H. 1859 eine Sammlung „Lustspiele“ (2. Aufl. 1872), „die in culturhistorischer Hinsicht interessant, aber keineswegs erfreulich sind, weil man daraus ersieht, daß manche deutsche Zeitungsschreiber in Nordamerika an Cynismus alles übertreffen, was die Engländer und Amerikaner je hierin geleistet haben“. In den Jahren 1868–72 veranstaltete H. eine Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften“, die im 1. Bande seine Gedichte, im 2. seine Lustspiele und im 3.–5. Bande Erlebnisse und Erinnerungen enthalten.

H. Kurz, Geschichte d. deutschen Litteratur, Bd. 4, S. 46 u. 522. – G. A. Zimmermann, Deutsch in Amerika. Chicago 1894, S. 44. – Heinrich Hart, Allgem. deutscher Litteraturkalender, Jahrg. 1882, S. 248.
Franz Brümmer.