ADB:Henneberg, Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Henneberg, Friedrich Christian Ludwig“ von Ferdinand Spehr in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 767–768, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Henneberg,_Friedrich&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 14:52 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Henneberg, Rudolf
Band 11 (1880), S. 767–768 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Henneberg in der Wikipedia
GND-Nummer 116710748
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|11|767|768|Henneberg, Friedrich Christian Ludwig|Ferdinand Spehr|ADB:Henneberg, Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116710748}}    

Henneberg: Friedrich Christian Ludwig H., geb. zu Braunschweig am 11. August 1748, † 1812, war der Sohn des „fürstlichen Agenten und Postverwalters“ H. daselbst. Auf dem Gymnasium in seiner Vaterstadt gebildet, studierte er in Helmstedt, Leipzig und Jena die Rechte und bewährte sich bereits hier als junger Mann von ausgezeichneter Begabung. Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig erkannte bald die außerordentlichen Anlagen und die Brauchbarkeit Hennebergs und zog ihn als Legationsrath und Geheimen Secretär im herzoglichen Geheimraths-Collegium, wie derzeit das Staatsministerium in Braunschweig genannt wurde, in seine unmittelbare Nähe. Hier fand H. bald Gelegenheit, das in ihn gesetzte Vertrauen in jeder Hinsicht zu rechtfertigen; auf seine Anregung wurden mehrfach Wohlthätigkeitsanstalten und gemeinnützige Institute ins Leben gerufen. Am 25. April 1801 zum Geheimen Legationsrath und zum Dechanten des Stifts St. Blasii in Braunschweig ernannt, war er berathendes Mitglied des Geheimraths-Collegiums und wurde mehrfach mit diplomatischen Sendungen beauftragt. Im J. 1806 mußte er den Schmerz erleben, daß ein unglücklicher Feldzug seinem Landesherrn Land und Leben raubte. Seinem Vaterlande treu ergeben, äußerst patriotisch gesinnt und gerechtigkeitsliebend, versprach er dem Herzoge, als dieser, schwerverwundet, am 25. October 1806 sein Land als Flüchtling meiden mußte, unter allen Umständen auszuharren, dem braunschweigischen Lande treu zu bleiben und dessen Wohlfahrt nach Kräften zu fördern. Es erregte deshalb in Braunschweig große allgemeine Befriedigung, als H. bei Errichtung des Königreichs Westfalen von der neuen Regierung, welche seinen Werth sehr bald erkannte, zum Präfecten des Okerdepartements, welches seinen Sitz in Braunschweig hatte und einen großen Theil des bisherigen Herzogthums umfaßte, ernannt wurde. In dieser Stellung hat H. sich große Verdienste um seine Vaterstadt erworben, indem er nach Möglichkeit alles Unheil von derselben abzuwenden suchte. Bei einer Ueberschwemmung, von welcher im April 1808 die Stadt Braunschweig heimgesucht wurde, war er unermüdlich thätig mit Abhülfe und Unterstützung; daß das große Waisenhaus, die großartigste Wohlthätigkeitsanstalt des Landes, in der westfälischen Zeit seiner bedeutenden Einkünfte nicht beraubt und dadurch in seiner Existenz bedroht wurde, verdankt Braunschweig allein seiner rastlosen Energie. Während des Durchzuges des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels durch Braunschweig im J. 1809 verstand er es, die Treue und Ergebenheit, mit der er seinem angestammten Fürstenhause anhing, sehr wohl mit dem dem Könige von Westfalen geschworenen Eide und mit der Rücksicht gegen die herrschende Gewalt in Einklang zu bringen und mit seinen Pflichten als westfälischer Staatsdiener zu vereinigen. Nach dem Abzuge des Herzogs bewahrte er durch seine furchtlosen Vorstellungen und Drohungen seine Vaterstadt vor der den holländischen Truppen unter General Gratien versprochenen Plünderung. Als die westfälische Regierung vor Beginn des Feldzugs nach Rußland mit der Absicht umging, das Wahrzeichen der Stadt Braunschweig, den von Herzog Heinrich dem Löwen auf dem Burgplatze errichteten ehernen Löwen einschmelzen und zu Kanonen umgießen zu lassen, rettete er dieses Kunstwerk des frühen Mittelalters, indem er erklärte, er werde Sturm läuten lassen, wenn man es wage, das mit der Geschichte der Stadt in engem Zusammenhange stehende Denkmal freventlich zu zerstören. Zu Anfang des J. 1812 wurde H. zum Staatsrath ernannt und nach Cassel berufen; aber noch ehe er diese ihm unwillkommene Stellung antreten konnte, starb er, allgemein bedauert und betrauert, zu Braunschweig am 26. April [768] 1812. – Sein Sohn Georg Karl Ludwig H. ist am 23. Mai 1787 zu Braunschweig geboren, studierte die Rechte auf der Landesuniversität zu Helmstedt und zu Göttingen und trat in den westfälischen Staatsdienst, in welchem er im August 1811 zum Staatsraths-Auditeur für den außerordentlichen Dienst ernannt wurde und die Stelle eines Unterpräfecten des Districts Braunschweig im Okerdepartement versah. Nach Wiederherstellung des Herzogthums Braunschweig wurde er Rath bei der herzoglichen Kammer in Braunschweig im Departement der directen Steuern. Herzog Karl II. von Braunschweig berief ihn im J. 1827 mit dem Character als Staatsrath als berathendes Mitglied in das herzogliche Staatsministerium, in welchem er, der Person des Herzogs fernstehend, sich einzig der Bearbeitung der seinem Ressort übertragenen Steuerangelegenheiten widmete und daher wenig an die Oeffentlichkeit trat. Nach dem Sturze der Regierung des Herzogs Karl kehrte H. mit dem Charakter Obersteuerrath in seine frühere Stellung bei der herzoglichen Kammer zurück, trat aber bald seiner geschwächten Gesundheit, namentlich einer übergroßen Kurzsichtigkeit wegen, in den Ruhestand und starb zu Braunschweig am 30. März 1857 an völliger Entkräftung. Gleich dem Vater genoß auch er allgemeine Achtung und so ungünstig sich auch die öffentliche Meinung über andere Mitglieder des Ministeriums des Herzogs Karl aussprach, an Hennebergs ehrenwerthem, gesinnungsvollem Charakter wurde nie der geringste Zweifel laut und niemals ist derselbe auch nur im Geringsten angetastet.