ADB:Herrmann, Ernst

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Artikel „Herrmann, Ernst“ von Edmund Ernst Stengel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 489–493, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herrmann,_Ernst&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 00:23 Uhr UTC)
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Herrmann *): Ernst Adolf H., am 25. März 1812 zu Dorpat geboren, war der Sohn eines Sachsen, der als junger Hauslehrer nach Livland ausgewandert war und dann in Dorpat einen Wirkungskreis als Oberlehrer gefunden hatte. Seine Studien, die anfangs der Philologie und daneben der alten Geschichte galten, begann er 1829 an der Universität seiner Geburtsstadt, die ihm für eine Preisschrift über die kyklischen Dichter der Griechen eine goldene Medaille verlieh. Aber es zog ihn doch nach Deutschland, gleich seinem Jugendfreunde Victor Hehn, der ihm einst ins Stammbuch schrieb, er hoffe auf ein Wiedersehn mit ihm in „jenem schönen Lande, von dem unsere Vorältern kamen und aus dem wir Sprache, Sitte und Bildung haben“. H. ging also 1834 nach Berlin, zunächst wesentlich in der Absicht, armenische Sprache und Litteratur zu studiren – seine erste Publication (1835) liegt auf diesem Gebiet –, wurde aber bald in Ranke’s historischen Uebungen endgültig der Geschichtswissenschaft gewonnen. Er gehörte dort zu der ältesten Generation der Rankeschüler, die später die Lehren des Altmeisters an den deutschen Universitäten vertraten. Wie es scheint, stand er damals namentlich dem fast gleichaltrigen Georg Waitz nahe, der ja ebenfalls unter dem Eindruck Ranke’s eine andere Studienrichtung, die Jurisprudenz, mit der historischen vertauscht hatte; es haben sich einige vertraute Briefe erhalten, die Waitz 1837 aus Hannover, wo er mit Pertz für die Monumenta Germaniae arbeitete, an den „Russen“ in Berlin gerichtet hat, interessante Bruchstücke aus dem Gedankenaustausch der beiden Studienfreunde, die übrigens auch später immer in Fühlung miteinander geblieben sind, über ihre Auffassungen vom Zweck und der Methode ihrer Wissenschaft. Noch 1837 promovirte H. in Berlin mit einer Schrift aus dem Gebiete der mittelalterlichen Geschichte, obwohl er schon damals entschlossen war, sich vorzugsweise der neueren zu widmen; er handelte darin von der kirchenrechtlichen Stellung des Deutschen Ordens unmittelbar nach seiner Ansiedelung in Preußen. Die Wahl des Themas verräth schon die Vorliebe des Balten für die osteuropäische Geschichte, der seine litterarische Thätigkeit sich alsbald vornehmlich zuwenden sollte. Nun kehrte er, ungern und nur unter dem Druck äußerer Verhältnisse, vorübergehend in die Heimath [490] zurück. Aber seine Bemühungen, dort eine geeignete Lehrstelle zu finden, schlugen fehl. Ranke hat ihm damals Muth gemacht und Rath ertheilt; er wies ihn dabei schon auf die Möglichkeit der akademischen Thätigkeit hin: „ein dritter Weg wäre“, so heißt es in seinem Briefe, „wenn Sie durch irgend eine litterarische Arbeit von allgemeinem Interesse sich Bahn machen könnten, was Ihnen bei einiger Muße und Ruhe des Gemüthes gewiß gelingen würde“.

Im J. 1839 glückte es H. endlich, in Dresden an einer privaten Lehranstalt eine Anstellung als Lehrer der Geschichte und Geographie zu finden. Diese Wendung seines Geschicks, die ihn endgültig in Deutschland heimisch machte, wurde auch für die Richtung seiner Studien entscheidend. Die Schätze des Dresdener Staatsarchivs standen ihm hier bequem zur Verfügung, und gerade für die russische Geschichte, die ihm an sich nahe lag, versprach es reiche Ausbeute; so sind seine russischen Forschungen von diesem Archiv ausgegangen und immer wieder zu ihm zurückgekehrt.

Einige solche archivalische Funde enthalten schon die 1843 mit mehreren anderen, kleineren Arbeiten von ihm publicirten und Ranke gewidmeten „Beiträge zur Geschichte des russischen Reiches“. Besonders bemerkenswerth ist hier der Aufsatz „Ueber die Verbindung Nowgorods mit Wisby und der Deutschen mit den Russen“, ein politisches Glaubensbekenntniß des Deutschbalten.

Bereits damals war er mit den Vorarbeiten seines auch von den neuesten Forschern immer noch mit Ehren genannten und bis heute als Ganzes durch keine jüngere Darstellung abgelösten Lebenswerkes beschäftigt, der „Geschichte des Russischen Staates“, die ihm nach dem Hingang Strahl’s, des Verfassers der beiden ersten Bände, auf Ranke’s Empfehlung übertragen worden war. Der dritte Band, der das 16. und den größten Theil des 17. Jahrhunderts behandelte, erschien 1846; drei weitere sammt einem Ergänzungsband zur Erläuterung des sechsten folgten noch nach (1849–1860). Sie führten die Darstellung bis zum Jahre 1792. Weiter ist das Werk nicht gediehen, vornehmlich wohl deshalb, weil für die folgende Zeit, insbesondere seit Paul I., die damals zugänglichen archivalischen Quellen nicht ausreichten. Daß es auf archivalischer Grundlage ruhte – der Stoff ist zumeist aus den Archiven zu Dresden, Berlin, London und im Haag geschöpft –, das war aber eben der unterscheidende Vorzug dieser Darstellung vor früheren. H. ist es gewesen, der die von Ranke geschaffene Methode der Geschichtsschreibung aus Gesandschaftsberichten zuerst auf osteuropäische Historie angewandt hat. Darin liegt sein bleibendes Verdienst, mögen sich auch seitdem der Forschung ausgiebigere Quellen erschlossen haben, als ihm zu Gebote standen, dem ausländische, namentlich deutsche Relationen das damals noch unzugängliche russische Material ersetzen mußten. Sein Werk nun ist keine bloße Geschichte der russischen Cabinetspolitik; auch den inneren Ereignissen und Zuständen des Landes sind breite Erörterungen eingeräumt, und selbst die Darstellung der internationalen Beziehungen wird oft durch Schilderungen des russischen Milieus plastisch belebt. Aber der Schwerpunkt liegt doch, der Natur des Stoffes entsprechend, auf der Geschichte der russischen Politik und Diplomatie und ihres Verhältnisses zu den übrigen großen Mächten; so wächst sich schließlich die Darstellung im 6. Buch nach Herrmann’s eigenen Worten aus zu einer „europäischen Geschichte aus dem Gesichtspunkte der auswärtigen Machtbeziehungen Rußlands“.

Ein Jahr nachdem der erste Band der russischen Geschichte erschienen war, habilitirte sich H. in Jena (1847). Die bei dieser Gelegenheit von ihm veröffentlichte Schrift handelt von dem Antheil des livländischen Abenteurers Patkul am Ursprung des Nordischen Krieges. Als Privatdocent, seit 1848 als außerordentlicher Professor, hat er bis 1857 in Jena gewirkt, mit einer [491] mehr als zweijährigen Unterbrechung: 1849–52 war er nämlich Redacteur der „Weimarischen Staatszeitung“, das erste und letzte Mal, daß er sich praktisch-politisch bethätigte. In diesen Jahren gründete er mit Ida, der zartsinnigen Tochter des Jenenser Botanikers J. S. Voigt, den eigenen Herd. Aber schon bald, bei der Geburt ihres Kindes, wurde ihm die Gattin entrissen. Später schloß er einen neuen Bund mit einer Nichte F. Chr. Dahlmann’s, der edlen Charlotte Köppen, die ihn fast um zwanzig Jahre überlebt hat. Das Jahr 1857 brachte ihm die Ernennung zum ordentlichen Professor in Marburg als Nachfolger H. v. Sybel’s; wieder hat sich damals sein Lehrer Ranke für ihn verwandt, indem er in einem Gutachten bezeugte, er habe sich „einen ehrenvollen Platz unter den Historikern unserer Zeit errungen“. Hier in Marburg hat H. noch über 25 Jahre, zuletzt befreit von den Pflichten des Lehramtes, gewirkt; er starb am 22. September 1884.

Aus seiner akademischen Thätigkeit ist wohl das wichtigste Datum die Begründung des Marburger historischen Seminars (1864). Seine starke litterarische Productivität war nach wie vor der russischen Geschichte zugewandt. Sie hat er sowohl durch sein Hauptwerk als durch zahlreiche Monographien, Untersuchungen – meist sind sie in Zeitschriften erschienen – und Quellenpublicationen gefördert, nicht wenig dabei unterstützt von der Kenntniß des Russischen, die ihn befähigte, auch die russische Forschung zu verarbeiten und der deutschen zu vermitteln. Aber sein Specialgebiet hat ihn der allgemeinen Geschichte nicht entfremdet. In Essays und Vorträgen behandelte er die verschiedensten Stoffe aus der Geschichte Deutschlands (Wallenstein, den Großen Kurfürsten, das neue deutsche Reich), der Niederlande (Wilhelm von Oranien), Schwedens (Gustav III.), Amerikas (Benjamin Franklin).

Auch die russische Geschichte brachte ihn ja, wie bereits erwähnt, fortwährend mit den europäischen Fragen in Berührung. Seine Stellungnahme zu einem solchen Probleme (zuerst im 6. Bande der Russischen Geschichte), der Politik Kaiser Leopold’s II. in den Jahren 1791/92, hat ihn anfangs der sechziger Jahre in eine sehr heftige und Aufsehen machende Fehde mit Heinrich v. Sybel verwickelt. Ihre Summe zu ziehen, ist hier nicht der Ort, wäre auch nicht ganz leicht; denn in Wahrheit war wohl der Gegensatz der beiden Auffassungen gar nicht so tief, wie er in der scharfen Pointirung der Polemik erschien. Aber es mag darauf hingewiesen werden, daß Beer, ein Forscher, der der Sybel’schen Charakterisirung Leopold’s II. sonst und wohl mit Recht gefolgt ist, dennoch Herrmann’s Auffassung der polnischen Politik des Kaisers in wesentlichen Punkten auf Grund neuen Materials bestätigt hat (Histor. Zeitschrift XXVII, 1 ff., Leopold II., Franz II. und Catharina 89 ff.). Danach ist in der That das Ereigniß der Warschauer Revolution vom 3. Mai 1791 ganz ohne Mitwirkung oder auch nur Vorwissen Leopold’s und seiner Berather vor sich gegangen. Ebenso ist Sybel’s Darstellung zu modificiren, daß der Kaiser in den nächsten Monaten zielbewußt und mit Verzicht auf sein russisches Bündniß eine polnisch-sächsische Erbmonarchie angestrebt habe. Ganz erwünscht wäre ihm eine solche freilich gewesen – H. hatte auch das bestritten –; aber er hat immer daran festgehalten und vorangestellt, „sich in dieser Frage sowie in allen anderen von Rußland nicht zu trennen“. Es geht also nicht an, Leopold’s polnische Politik in das sonst von ihm befolgte politische System einzureihen; denn einen bestimmten und selbständigen Charakter hat sie nicht besessen, hat ihr doch der Kaiser offenbar selbst gar keine cardinale Bedeutung beigelegt. (Vgl. auch z. B. K. Th. Heigel, Deutsche Geschichte I, 387 ff., 489 ff. und F. Mayer, Geschichte Oesterreichs II², 479 Anm. 1 u. 481 Anm. 1.)

Eine eingehende Analyse der historischen Anschauungen und Anschauungsweise [492] Herrmann’s kann hier nicht gegeben werden. Doch sind ein paar Bemerkungen darüber vielleicht von Interesse. „Von rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgehend“, rühmte ihm Varrentrapp nach, hat er „seine gelehrten Arbeiten unbeeinflußt durch einen politischen Hintergedanken betrieben“. Dabei war aber seine wissenschaftliche Objectivität nicht von der Art, die sich mit der Anhäufung des Details genugthut. Bei aller Einzelforschung stellte er doch immer das Ziel voran, eine Auffassung zu gewinnen. Schon in jenem jugendlichen Briefwechsel mit Waitz, der sich dagegen als nüchterner Thatsachenforscher bekannte, verfocht er die Forderung, der Historiker müsse – man spürt Ranke’s Einfluß – die „Seele“ der Geschichte suchen, und bei seiner Promotion vertheidigte er die charakteristischen Thesen: „Theoria semper praecedit praxi“ und „Ars historica in arctissima ideae factique coniunctione sita est“. Den zweiten dieser beiden Sätze zu verwirklichen, das war in der That immer die Quintessenz seines wissenschaftlichen Strebens. Besonders charakteristisch für seine lebhafte Vorstellung von der fortwirkenden Kraft der historischen Ideen ist jener schon früher erwähnte Aufsatz „Ueber die Verbindung Nowgorods mit Wisby und der Deutschen mit den Russen“. Er schrieb ihn in der Absicht, „eines der allgemeinsten welthistorischen Verhältnisse aufzufassen“, nämlich das „wesentliche, Jahrhunderte lang in der russischen Geschichte sich hindurchziehende Moment“; es ist die „Tendenz zur Europäisirung“, die ihm als „das Fundament des russischen Absolutismus und seine Stärke“ erschien. Hier rührt man auch an eine andere Seite der historischen Auffassung Herrmann’s. Es ist seine zeitpolitische Ueberzeugung, die der geborene Deutschbalte in diesem Essay historisch zu belegen unternimmt. Er leugnet das gar nicht. Vielmehr polemisirt er in Worten schöner Begeisterung dagegen, daß „bei Fragen des politischen Lebens, die in der Geschichte wurzeln, die Welt der Gegenwart in dem trüben Dunstkreis ihres beschränkten Horizontes sich gebärdet, als wenn es nicht Sonne und nicht Sterne gäbe, von denen sie Licht und Bewegung erhält“. Ihm ist also die Geschichte Lehrmeisterin der politischen Gegenwart. Der selbe Gedanke hat ihn, obwohl natürlich nicht ausschließlich, auch in seinem Hauptwerke geleitet: in ihm wollte er, wie es im Vorwort des ersten Bandes heißt, den modernen Russen in „Erinnerung bringen, daß der Keim des Fortschrittes ihrer nationalen Bildung nicht in dem alten Bojarenthum liegt und überhaupt nicht in der formellen Einheit einer erstarrten Kirche, und am wenigsten in der Politik einer gewaltsamen Russificirung“. Freilich hatte er in dieser Beziehung keine Illusionen. Als er aber diesen ersten Band der „Russischen Geschichte“ an Ranke schickte, betonte er in einem Begleitbrief, daß „man selbst dem systematischen Festhalten dynastischer Regierungsmaximen einen immer nur mäßigen Einfluß auf die wirkliche Umbildung nationeller Untugenden zugestehen dürfe“, und belegte diesen Zweifel mit dem Hinweis auf die der jüngsten Vergangenheit angehörigen Aeußerungen des russischen „Bojarenthums“.

Die gleiche politisch-historische Richtung, die H. im Interesse des Deutschthums der Ostseeprovinzen vertrat, hat er auch in der weiteren deutschen Heimath, in die er wieder eintrat, auf daß lebhafteste bekannt. Man lese seinen Aufsatz über den Großen Kurfürsten oder die Rede, mit der er „das neue deutsche Reich“ am ersten Kaiser-Geburtstag begrüßte, um zu erkennen, ein wie echter, innerlicher Patriotismus ihn erfüllt hat. Dabei war sein Nationalgefühl durchaus nicht uniform auf einen Ton beschränkt; mehrere Saiten klangen zu einem Accord zusammen. Es waren in ihm stets starke, wenn auch freie religiöse Ueberzeugungen wach, denen er auch als Mensch den inneren Frieden und die Ausgeglichenheit seines ebenso ruhigen und liebenswürdigen als im [493] Kampfe für das als wahr Erkannte festen und entschiedenen Charakters verdankte. So hielt er sich überzeugt von dem lebendigen Fortwirken der religiösen Gedanken bis in die letzten großen Phasen der Geschichte, die er miterlebte, und hat bekannt, daß ihm die deutschen Erfolge von 1870/71 als ein Sieg des in Deutschland erhalten gebliebenen, in Frankreich ausgerotteten Princips der protestantischen Gewissensfreiheit erschienen. Diese protestantische Grundstimmung war es wohl vornehmlich, die ihm auch am Ziele der von ihm glühend ersehnten Einheit ein dankbares Gefühl für die positive Culturbedeutung des deutschen Particularismus erhielt. Einen eigenthümlichen Einschlag hat sein nationales Staatsgefühl endlich auch von seiner baltischen Herkunft und seiner auf die russische Geschichte concentrirten Lebensarbeit her erhalten. Mit Beziehung auf das Verhältniß der Deutschen Livlands zu Rußland betonte er einst (1843), „daß kein Mittel geeigneter sein kann, einen Staat von verderblicher Stagnation abzuhalten oder zurückzubringen und das Princip universellen Lebens zur Entwickelung zu bringen, als die Verbindung verschiedener Sprachgebiete innerhalb eines Staates, so nämlich, daß einem jeden sein göttliches Recht heilig und unverletzt gehalten wird“. Dadurch bezeichnete er damals seine Stellung zwischen den beiden extremen Forderungen der Idee des Nationalstaats, „daß in einem Staate nur eine Sprache herrschen solle, oder hinwiederum, daß das Gebiet einer Sprache sich auch zu einem Staate zusammenfassen müsse“. Diese Ueberzeugung, die er in den Tagen seiner Jugend als Deutscher des Auslands gewonnen hatte, ist auch an seiner nationaldeutschen Anschauung, sie durch eine leichte Beimischung weltbürgerlichen Empfindens veredelnd und befreiend, nicht ganz spurlos vorübergegangen.

Ein bibliographisches Verzeichniß der von Ernst Herrmann veröffentlichten Schriften findet sich im Jahresbericht der Universität Marburg 1884, S. V f. Dort auch biographische Daten. – Die Grabrede C. Varrentrapp’s ist im Marburger Tageblatt vom 26. September 1884, Nr. 227 wiedergegeben. Nekrolog von Wegele in der Münchener Allgemeinen Zeitung 1885, S. 953, in der Beilage zu Nr. 65.

[489] *) Zu Bd. L, S. 248.