ADB:Hochwart, Lorenz

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Artikel „Hochwart, Lorenz“ von Edmund von Oefele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 529–530, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hochwart,_Lorenz&oldid=- (Version vom 25. August 2019, 07:34 Uhr UTC)
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Hochwart: Lorenz H. (Hohewart), geboren zu Tirschenreut in der Oberpfalz, frühestens im J. 1493, als Sohn bürgerlicher Aeltern, † zu Regensburg am 20. Febr. 1570. Den Grund zu höherer Bildung legte er durch siebenjähriges Studium an der Universität Leipzig, wo er auch den Grad eines Magisters der freien Künste erwarb (1522 oder 23). Dort schloß er Freundschaft mit dem Professor der Philosophie Johann Horak (Horatius), genannt Hasenberg, der durch seine Spottschriften auf Luther’s Ehe bekannt ist, später Max II. Lehrer in der böhmischen Sprache ward und als Propst von Leitmeritz im Jahre 1550 starb. Zwei Briefe an denselben, dessen correspondirende leider fehlen, aus den J. 1546 und 1550, enthalten eine kleine Autobiographie Hochwart’s. Dieser ertheilte zunächst humanistischen Unterricht an der Domschule zu Freising, dann 1526–27 als Lector am Pädagogium zu Ingolstadt, während er daselbst Theologie und Jurisprudenz studirte. Hierauf ist er 1527 Pfarrer in der Heimath, 1530 Prediger zu Regensburg, 1532 Domprediger in Eichstätt und vom Kardinale Campeggio zum Magister der Theologie ernannt, 1534 auf die Regensburger Domkanzel berufen und in Ingolstadt zum Doctor der Rechte promovirt, [530] endlich 1536 Domherr zu Regensburg und 1549 auch zu Passau geworden. Aus seiner Amtsthätigkeit könnten die Details einer Sendung als Orator des Bischofs von Regensburg zum Trienter Concile (1551 auf 52) interessiren, wenngleich er die Fruchtlosigkeit seines dortigen Aufenthaltes bitter beklagt. In der Wissenschaft lebt H. weniger durch exegetische Schriften, als durch freilich auch meist ungedruckte Geschichtswerke fort. Eine von Brusch gerühmte umfangreiche Weltchronik scheint allerdings bloße Compilation zum eignen Gebrauche Hochwart’s gewesen zu sein; dagegen verdient die im Manuscripte auf der Wiener Hofbibliothek vorhandene „Historia Turcarum ad octingentos annos repetita“ wol eine nähere Untersuchung. In diesem Werke, das H. am 1. Juli 1532 dem Kaiser und dessen Bruder, die eben zu Regensburg tagten, widmete, nimmt er Bezug auf ein anderes, schon früher dem ersteren zugeeignetes; er nennt es da „Hierosolyma“, sonst einmal „Liber de regibus Hierosolymitanis a Davide usque in Carolum et Ferdinandum caesares“. Als noch bedeutender, wenn es zum Vorschein käme, erwiese sich ohne Zweifel das „Bellum sociale Germanicum“, eine Geschichte des schmalkaldischen Krieges, die, wie es scheint, nur den Donaufeldzug und die Regensburger Vorfälle im J. 1546 behandelnd, manch’ dunkle Stelle im Tagebuch des Viglius van Zwichem aufklären dürfte, der sich als Hochwart’s Freund bekennt.[1] Vielleicht gelangte das Werk von Hasenberg nicht mehr zurück, dem es H. zur Verbesserung vorlegen wollte, und den er mit begreiflicher Neugierde frägt, in welcher Sprache der Kaiser seine Darstellung jenes Krieges (die „Commentaires“) verfasse. Am bekanntesten ist der „Catalogus episcoporum Ratisponensium“, welchen H. zuerst nur bis zum J. 1539 geführt, dann aber (1542 ff.) unter Nachträgen bis 1569 fortgesetzt hat. Derselbe ward, nachdem A. Goldmayer für seine „Historische Beschreibung von Regensburg“ (1653) ausgiebigen Gebrauch davon gemacht, und die Biographieen der ersten 11 Bischöfe nach der älteren Redaction in Lang und Blondeau’s „Historisch-bayrischen Nachrichten“ I. (1752) mitgetheilt waren, durch Oefele in den Scriptores rerum Boicarum I. 1763, p. 159–242, vollständig herausgegeben. Ueberhaupt scheint H. an eine Sammlung deutscher Bisthumsgeschichten gedacht zu haben. Für Passau hat er im J. 1553 auf Wunsch des Domcapitels jenen Bischofskatalog, der soeben von Brusch in dessen Werke „De Laureaco et de Patavio“ erschienen war, einer Bearbeitung unterworfen. Beschränkte er diese zwar, nach seiner Versicherung, auf die Entfernung des poetischen Beiwerkes, dann auf wenige thatsächliche Correcturen und Zusätze, so scheint doch die ganze Vorkehrung aus dem Mißtrauen entsprungen zu sein, das man in streng katholischen Kreisen gegen Geister wie Brusch hegte. Führt ja auch H. eine Stelle aus Aventin, die er – ohne Grund – für tendenziös hält, mit der Warnung an, der im übrigen recht gelehrte Autor habe sich lutherischen Meinungen zugeneigt.

Nachrichten bei Oefele, l. c. p. 148–58, in Deutinger’s Beyträgen zur Geschichte des Erzbisthums München und Freysing, V. 538–42 und in den Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg, XII. 100, XXII. 358 ff.

[Zusätze und Berichtigungen][Bearbeiten]

  1. S. 530. Z. 14 ff. v. o.: Mittlerweile ist eine zeitnahe Copie von Hochwart’s Schrift De bello Lutherico vel sociali Germanico im k. Reichsarchive zu München aufgefunden und an die k. Hof- und Staatsbibliothek daselbst extradirt worden (Cod. lat. 27 169). Es ist eine durch Hasenberg erbetene Beschreibung des ganzen ersten Schmalkalderkrieges auf allen seinen Schauplätzen und noch bis zum Schluß des Augsburger Reichstages am 13. Juli 1548 gehend. Aus bekannten Quellen, den alsbald erschienenen Flugschriften etc. geschöpft, hat das Werkchen nur secundäre Bedeutung. Doch über Regensburger Vorgänge, wie Meuterei der Besatzung und Brand der Kirche St. Paul im November und December 1546 enthält es schätzbare Nachrichten. [Bd. 16, S. 798]