ADB:Hohenstein, Elger Graf zu

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Artikel „Hohnstein, Elger, geb. Graf zu“ von Eduard Jacobs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 705–708, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hohenstein,_Elger_Graf_zu&oldid=- (Version vom 2. April 2020, 17:13 Uhr UTC)
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Hohnstein: Elger, geb. Graf zu H., Dominikanerprior zu Erfurt und Eisenach, gest. am 14. October 1242. Seinem gleichnamigen in der Gegend von Nordhausen angesessenen Vater wurde Elger oder Edelger in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts von Oda – nach den Chronisten des 16. Jahrhunderts einer Edeln von Querfurt – als vierter und jüngster Sohn geboren. Das väterliche Geschlecht bethätigte seinen frommen Sinn durch kirchliche Stiftungen schon im 12. Jahrhundert, und dem jungen E. wird ein ernstes eifriges Streben von früher Jugend an nachgerühmt; daß er aber als Spätgeborener eines edeln Hauses für den geistlichen Stand bestimmt wurde, entsprach ganz dem Brauch der Zeit. Im J. 1217 begegnet er uns zuerst als Kleriker, drei Jahre später als Propst des königlichen Stiftes der Heiligen Simon und Judas zu Goslar. Wahrscheinlich war ihm diese Würde, zu der nur besonders tüchtige Männer befördert zu werden pflegten, im Jahre zuvor von Kaiser Friedrich II., als dieser dem Vater Elger’s in Goslar einen Tausch mit dem Kloster Walkenried bestätigte, verliehen worden. Neben dieser Prälatur versah E. auch die eines Domherrn im Hochstift Halberstadt. Die Jahre während welcher E. diese beiden weltgeistlichen Würden verwaltete, waren eine Zeit gewaltiger Bewegung auf [706] religiös-sittlichem Gebiete im ganzen Abendlande. Die feurigen Predigten des Franz von Assisi und des Dominikus hatten das Gewissen besonders des verweltlichten geistlichen Standes tief ergriffen. Daneben forderten die vielfach hervortretenden Abweichungen von der herrschenden Kirchenlehre theils zu unnachsichtiger Verfolgung, theils zu eifriger belehrender Predigt auf. Zu Goslar selbst sammelten sich zu Elger’s Zeit die Jünger des Franziskus, nach Halberstadt kamen wenigstens nicht lange nach dem Jahre 1224 Dominikaner von Magdeburg, ihrem ältesten Sitze in Ostsachsen. Ein Ketzerprozeß wider den eine besondere Lehrauffassung vom heiligen Geist entwickelnden Propst zu Neuwerk, Heinrich Minneke, begann in der nordharzischen Reichsstadt im J. 1222, der damit endigte, daß durch den Ketzermeister Konrad von Marburg der genannte Propst im J. 1225 verurtheilt und lebendig verbrannt wurde. Von dem, was er in unmittelbarer Nähe erlebte tief bewegt schloß E. mit seinem Urtheil doch nicht ab, sondern begab sich noch in gereiftem Alter etwa 1226 – bis zu diesem Jahre erscheint er noch als Inhaber seiner weltgeistlichen Würden – nach Paris, damals einem der ersten Sitze weltlicher wie besonders kirchlicher Wissenschaft. Hier, wo nach dem gleichzeitigen Zeugnisse des Jacques v. Vitry ein ernstes Ringen nach Wahrheit und Heiligung und die furchtbarste sittliche Versunkenheit sich unmittelbar berührten, gab er sich ganz einem ernsten Studium hin und schloß sich den Jacobins, dem nach seinem in der Jacobsstraße gelegenen Hause so benannten berühmten Dominikanerconvent an, dessen Mitglieder Lehrstühle an der Universität einnahmen. Seine ansehnlichen Würden und Pfründen gab der Sohn des edeln Grafengeschlechts freudig auf, um nach der strengen Regel der Bettelmönche zu leben. An der Spitze des Pariser Klosters stand damals der unmittelbare Nachfolger des Dominikus als Ordensgeneral, Jordan der Sachse (Westfale). Dieser, der sich eifrig der missionirenden Thätigkeit der Predigerbrüder annahm, entsandte nach genügender Vorbereitung den Bruder E. mit ein paar gereiften, tüchtig geschulten edeln Landsleuten Markold Tangel und Albrecht von Meißen nach Thüringen, wo sie – denn es galt in ausgedehntester Weise auf das Volk zu wirken – die volkreiche Hauptstadt Erfurt zum Mittelpunkt ihrer Wirksamkeit erkoren. Sie begannen ihr Werk gegen Ende 1228 oder zu Anfang des nächsten Jahres, in welchem ihnen unterm 24. Juni Erzbischof Siegfried von Mainz, als der geistliche Oberhirt Thüringens, einen sehr ehrenvollen warmen Empfehlungsbrief an die gesammte Geistlichkeit und die weltliche Obrigkeit der Stadt ausstellte. Aber einer solchen Befürwortung bedurfte es eigentlich nicht, weil die gesammte Bevölkerung, Geistliche und Weltliche, Hoch und Niedrig, ergriffen von der opferfreudigen Hingabe, der ungeheuchelten Demuth und Anspruchslosigkeit Elger’s und seiner Predigerbrüder, der Begründung ihres geistlich-klösterlichen Lebens nicht nur keinen Widerstand entgegensetzten, sondern ihnen willig alle Förderung angedeihen ließen. Besonders Frauen und Jungfrauen waren es, welche angezogen von der kräftigen Predigt und dem reinen Wandel der Jünger des Dominikus, sich bei ihrem erst kleinen, bald aber bedeutend vergrößerten Gotteshause anbauten und diese Häuser, wie es später auch zu Eisenach, dann auch zu Halberstadt u. a. Orten geschah, nachher dem Kloster vermachten. Von Erfurt aus übte H. einen ausgedehnten Einfluß auf das thüringer Land durch eigenes Terminiren oder durch die Aussendung anderer Brüder, besonders nach Eisenach, Nordhausen und Mühlhausen. Die Dominikanerklöster der letzteren Städte wurden durch diese Missionsarbeit vorbereitet, wenn sie auch erst 1286 und bezw. 1290 zum Abschuß gelangten. Besonderen Einfluß hatten diese Terminarien in Eisenach, der landgräflichen Residenz und auf den Landgrafen Heinrich selbst gewonnen. Dieser, auf welchen die von ihm einst hinausgestoßene, im Jahre 1235 heilig gesprochene Schwägerin Elisabeth [707] mit ihrem heiligen Wandel einen gewaltigen Eindruck gemacht hatte, beschloß zur Sühnung seiner Unbill mit seinem Bruder Konrad, der sich an S. Johannes dem Täufer in Fritzlar schwer vergangen hatte, der heil. Elisabeth und S. Johannes ein Kloster zu bauen. In dieses Kloster berief er den Prior E., dessen Ruf und Predigt zu ihm gedrungen war. Dieser entsprach den Bitten des Landgrafen, wurde auch von dem in Eisenach sich sammelnden Convent zum Prior gewählt, vom Landgrafen aber zum Beichtvater und Rath erkoren, so daß die geistlichen Angelegenheiten Thüringens durch ihn geleitet wurden. Der Eröffnungstag des Dominikanerklosters zu Eisenach war der Sonntag Misericordias Domini (13. April) 1236. In Eisenach kamen dem frommen Prior alle Kreise der Bevölkerung, besonders aber wieder die Frauen, mit dem größten Vertrauen entgegen. Wir hören aber weiter, daß das junge Kloster von den Bewohnern der Stadt und Umgegend zur Schule und Erziehungsanstalt der Jugend gewählt wurde: nirgend glaubten die Eltern ihre Kinder besser aufgehoben als hier. Auch der Erzbischof von Mainz, der sich selbst als Verwandten Elger’s bezeichnet, bediente sich seines Rathes. So mancherlei Geschäfte, dazu seine Bußübungen, aber auch die Last der Jahre begannen E. zu drücken und er wollte sich von seiner amtlichen Stellung zurückziehen. Aber weder das Ordenscapitel noch der Landgraf gewährten ihm die gewünschte Ruhe. Letzterem mußte er sogar noch im März oder April des Jahres 1242 nach Frankfurt a. M. folgen, als Kaiser Friedrich dahin einen Fürstentag berief, um den Landgrafen durch Uebertragung der Reichsverweserschaft und sonstige Abmachungen von seinen Gegnern abzuziehen. Bei einer so wichtigen Angelegenheit mochte Heinrich seinen treuen geistlichen Rath nicht missen. Dieser, der natürlich im Frankfurter Dominikanerkloster seinen Aufenthalt nahm, erfuhr die ausgezeichnetsten Aufmerksamkeiten von geistlichen und weltlichen Fürsten, die sein Ruf herbeizog. Aber der ermattende Leib war solchen Aufregungen nicht mehr gewachsen; Mitte August begann er am Fieber zu erkranken und am 14. October verließ der geläuterte Geist seine irdische Hülle. Die vom Erzbischof veranstalteten Leichenfeierlichkeiten waren die eines Bischofs, nicht die eines Bettelmönchs. Auch in Eisenach, wohin Landgraf Heinrich die Leiche geleitete, war die allgemeinste Feier von Geistlichen und Weltlichen, bis die sterblichen Reste in einer besonderen Kapelle zur Ruhe gebettet wurden. Die Bedeutung Elger’s ist offenbar nicht in seinen kirchlich-politischen Geschäften als Rath eines Landgrafen und Erzbischofs, sondern unmittelbar in seiner lautern sittlich-religiösen Persönlichkeit zu suchen. Die herzgewinnende Weise, mit der er mit aufrichtiger Demuth und Anspruchslosigkeit und doch in feuriger begeisterter Hingabe an seinen heiligen Missionsberuf die Herzen von Hohen und Niedern gewann, leuchtet aus den Quellen klar hervor. Den Armen theilte er von leiblichem Gut mit, so viel er nur konnte; die unglücklichen Aussätzigen suchte er zu gewinnen, indem er sich nicht scheute, ihre ekeln Wunden zu berühren. Seine Wirksamkeit griff in den Strom der Begeisterung ein, der durch das Leben der heiligen Elisabeth besonders in Hessen und Thüringen emporgeschwollen war. – Wirkte er doch unter ihrem Schlosse, in einem zu ihren Ehren gestifteten Kloster, dem Heinrich Raspe das Lieblingskreuz verehrte, vor welchem die Heilige einst ihre weltliche Krone vom Haupte genommen hatte! Aber eins war doch der Wirksamkeit Elger’s und seiner Predigerbrüder eigenthümlich, daß sie nämlich, getreu dem besten Grundsatze und dem Namen des Ordens, mit allem Eifer und Nachdruck das Evangelium verkündigten. Die Legende hebt es einmal über das andere hervor, daß man bevor Elger nach Thüringen kam wenig von Gottes Wort zu hören bekam. An Bildern, bunten Gebräuchen und Ceremonien war mehr als zuviel vorhanden: gerade hierin herrschte bei E. die größte Einfachheit: [708] nur das Bild des Gekreuzigten verehrte er mit Inbrunst. Ein besonders schöner Zug der, obwol nur gelegentlich erwähnt, um so bedeutsamer bei E. hervortritt, ist sein inniges Verhältniß zu leiblichen Brüdern, Familie und engerer Heimath. Seine Gebetsinnigkeit steigerte sich, wie es auch sonst von den Dominikanern berichtet wird, oft zur Ekstase. So fand man die Stellen, wo er im Gotteshause lange Zeit selbstvergessen im Gebete gerungen hatte, von seinen Thränenflüssen naß. Von den wunderbaren Zusätzen der Legende wird der eine mit besonderem Nachdruck hervorgehoben, daß zu wiederholten Malen, wo E. durch sein Gebet oder durch Geschäfte außerhalb des Klosters verhindert war, seinen Pflichten als Prior nachzukommen, der Heiland selbst in eigener Person die Verrichtungen des Priors zu Chor und im Kloster versehen habe. Gegenüber der bekannten Eifersucht zwischen Franziskanern und Dominikanern ist es bei Elger um so mehr hervorzuheben, daß er sich mit eifriger Liebe der zu Erfurt sich sammelnden Minoritenbrüder annahm und ihnen bei ihren Versammlungen und auf dem Kirchhofe predigte. Wohl befolgte E. streng die Satzungen seines Ordens, besonders auch das Gelübde der Armuth. Dennoch geht aus den Quellen hervor, daß sowol in Erfurt als in Eisenach von allen Seiten Gaben und Geschenke freudig hinzugetragen wurden, so daß man des eigentlichen Bettelns überhoben war. Auch fehlte es an beiden Orten nicht an Begabungen der Kirchen mit Häusern und Grundstücken, nur daß diese zunächst zur Wahrung der Form von Anderen verwaltet wurden. Zu den zu seiner Zeit so zahlreichen Ketzerverfolgungen wird Elger’s Name nirgend in Beziehung gebracht. Seine Waffe war die demüthige aber muthige Verkündigung des Evangeliums, nicht das Feuer des Scheiterhaufens.

Neben einer beschränkten Zahl von Urkunden ist Hauptquelle die Legenda de ss. patribus conventus Ysenacensis eccl. predicatorum in der Zeitschrift des Vereins für thür. Geschichte und Alterthumskunde 4, S. 367–394; L. Koch, Graf Elger von Hohnstein, der Begründer des Dominikanerordens in Thüringen, Gotha 1865. Jacobs in der Zeitschr. des Harzvereins für Gesch. und Alterthumskunde, Jahrg. XIII. S. 1–30.