ADB:Hondius

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Artikel „Hondius“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 69–70, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hondius&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 15:51 Uhr UTC)
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Band 13 (1881), S. 69–70 (Quelle).
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Hondius. Die Kunstgeschichte erwähnt fünf Künstler dieses Namens, doch ist es noch nicht aufgeklärt, ob Alle zu einer Familie gehören und in welchem Grade der Verwandtschaft sie zu einander standen. Der älteste ist Jodoc H., Kupferstecher, geb. 1563 zu Wacken in Flandern, gest. am 10. Febr. 1611. Er soll bereits mit acht Jahren gestochen und in Elfenbein gearbeitet haben. Der Herzog von Parma erhielt von ihm zwei Statuetten und wollte ihn nach Rom schicken, dieser aber wollte nicht und ging nach London 1583, wo er mathematische Instrumente verfertigte. Er war auch in Wissenschaften erfahren und ein vorzüglicher Schreibmeister. Als letzterer verfaßte er ein „Theatrum artis scribendi“, das 1614 erschien (also nach seinem Tode, wenn anders sein Sterbejahr richtig angegeben ist). Später kehrte er nach Amsterdam zurück, wo er die Karten zu F. Drake’s Reisen ins gelobte Land und einen Prospekt von London herausgab. Hendrik H., in London geboren, soll sein Sohn gewesen sein. Man nennt 1580 sein Geburtsjahr, doch muß es wenigstens drei Jahre später fallen. Dieser Hendrik wird der Jüngere genannt, im Gegensatz zu einem anderen, älteren, den man ebenfalls zum Sohne des Jodoc machen wollte, was aber nicht möglich ist, da der ältere Hendrik nur zehn Jahre jünger als Jodoc ist. Hendrik junior war Kupferstecher und ein guter Zeichner. Er stach viele Landschaften und Bildnisse; unter den letzteren werden besonders die von Jacob I. und Elisabeth von England, Gustav Adolf, Horn, Bernhard von Sachsen-Weimar geschätzt. Uebrigens arbeitete er in der Art des älteren Hendrik, so daß, wo Jahreszahlen fehlen, eine Scheidung der beiderseitigen Thätigkeit unmöglich ist. Englische Bildnisse, so wie Blätter mit dem Beisatz: Anglo-Britannus gehören bestimmt dem Jüngeren an. Ob und wie der ältere Hendrik mit dem jüngeren verwandt gewesen, ist unbekannt. Er war am 9. Juni 1573 zu Duffel in Brabant geboren und im Stechen von Johann Wierix und de Vries unterwiesen. Seine Stichweise trägt auch noch den Charakter der älteren Periode an sich. Von Reisen zurückgekehrt, ließ er sich im Haag nieder, wo er eine Sammlung von 149 Bildnissen meist flämischer Künstler stach. Nach Dürer copirte er die Bildnisse von Erasmus und Melanchthon, nach Akersloot’s Gemälde die Gefangennehmung Christi im Garten, ein effectvolles Nachtstück, 1624. Aus diesem Datum ersieht man, daß der Künstler nicht 1610, wie man annimmt, gestorben sein konnte. Das Blatt gehört ihm sicher an. Noch im J. 1644, also als 70jähriger Greis, stach er die meisterhafte Copie nach dem äußerst seltenem Blatte: der Eulenspiegel von Lucas von Leyden. Das Todesjahr ist von beiden Hendrik unbekannt. – Willem H. soll ein Sohn des jüngeren Hendrik gewesen sein. Da wir oben gesehen haben, daß letzterer erst 1583 geboren sein konnte, so wäre er mit 17 Jahren schon Vater gewesen, denn Willem ist im Haag 1600 geboren. Diese Jahreszahl, so wie der Geburtsort lassen errathen, daß er vielmehr ein Sohn des älteren Hendrik ist. Auch Willem ist Zeichner und Kupferstecher. Seinen Unterricht im Stechen wird er in der Rubens’schen Stecherschule genossen haben, da er auch für van Dyck’s Ikonographie arbeitete. Für diese hat er auch sein eigenes Bildniß nach van Dyck’s Zeichnung geliefert. Später begab er sich nach Danzig, wo er vielfach beschäftigt wurde, namentlich von König Wladislaus von Polen, der ihn zu seinem Hofmaler ernannte. Doch kehrte er wieder in sein Vaterland zurück, wo er, nicht vor 1652, starb. Von seinen zahlreichen Porträtstichen polnischer Persönlichkeiten sind die des Königs Johann Casimir (zweimal 1649, 1650), des Königs Wladislaus IV. 1637, des Bischofs Leszynski, des Kosakenhetmanns Chmilniecki besonders hervorzuheben. – Abraham H., Maler und Radirer, geb. zu Rotterdam 1638, gestorben zu London 1691 (nach Waagen 1695). Ueber seine Lebensschicksale ist Weniges bekannt; er [70] ging noch sehr jung nach London, wo er fleißig arbeitete. Doch muß er noch vor dieser Reise in seinem Vaterlande eines Rufes sich erfreut haben. Houbraken rühmt ein Bild von ihm, das den Brand von Troja darstellte, figurenreich und gut gezeichnet, die Beleuchtung von den Flammen sehr natürlich. Doch nicht das historische Bild war seine Hauptstärke, sondern das Thier. Er malte besonders gern Bären- und Schweinsjagden und wußte besonders die Hunde, die eine Hauptrolle auf solchen Compositionen spielen, in lebendigster Bewegung, voll Naturwahrheit darzustellen. Eine Jagd auf Rothwild ist in Rotterdam. Auch als Radirer hat er sich versucht und mit der Nadel eine Folge wilder Thiere 1672 herausgegeben. Diese Blätter sind sehr selten und werden von Sammlern gesucht und geschätzt.

Houbraken. Immerzeel. Kramm. Siret. Bartsch. Weigel, Suppl. Nagler, Mgm. Lex.