ADB:Horche, Heinrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Horch, Heinrich“ von Heinrich Heppe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 124–125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Horche,_Heinrich&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 00:36 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Hörburger, Hans
Nächster>>>
Horcicka, Franz
Band 13 (1881), S. 124–125 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich Horch in der Wikipedia
GND-Nummer 122263006
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|13|124|125|Horch, Heinrich|Heinrich Heppe|ADB:Horche, Heinrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=122263006}}    

Horch: Heinrich H., separatistischer Mystiker, am 12. Decbr. 1652 zu Eschwege in Niederhessen geboren, hatte in Marburg und Bremen Theologie und Medicin studirt und am letzteren Orte von dem reformirten Pietisten Theod. Untereyk (s. d. Art.) die erste Anregung zum Beginne eines von dem äußeren Kirchenthum abgewendeten inneren religiösen Lebens empfangen. Nachdem er bereits an verschiedenen Orten (Heidelberg, Kreuznach, Frankfurt a/M.) als reformirter Pfarrer fungirt hatte, wurde er 1690 als Professor der Theologie und Pfarrer nach Herborn berufen, wo er mit einem sehr rührigen separatistischen neuen Propheten, dem gräfl. solmsischen Kanzlisten Balth. Christoph Klopfer zu Breitenstein in Verkehr trat und bald in der Stadt und deren Umgegend einen zahlreichen Anhang fand. Doch traten seine separatistischen Tendenzen erst seit 1697 (noch ehe der lutherische Separatismus des Gottfried Arnold in Gießen bekannt geworden war) hervor, als sich H. des wegen seines maßlosen Treibens [125] in Haft gebrachten Klopfer annahm und nun die Theilnahme am kirchlichen Gottesdienst, die ohne Untertauchung verrichtete Taufe, sowie die ohne Liebesmahl verrichtete Abendmahlsfeier verwarf. Von dem Grafen von Nassau-Dillenburg erst (1697) suspendirt, dann (1698), weil er (neben den im Reiche anerkannten drei Confessionen) „quartam speciem religionis christianae fovire“, seiner Aemter entsetzt, irrte nun H. 10 Jahre lang umher, bald hier und bald dort vor Versammlungen predigend. In Eschwege, wo er unter großem Zulaufe (der zum Theil weit her kam), predigte, brachte er zuerst die nachher so berüchtigt gewordene Eva v. Buttlar (Bd. III. 654) und deren späteren Zuhälter Winter aus Eschwege auf die Wege des Separatismus. In Marburg wußte er die ganze gräfl. wittgensteinische Familie für sich zu gewinnen, und in Kassel, wo ihn Landgraf Karl unter seinen Schutz nahm, trat er mit dem eben aus der Schweiz gekommenen Separatisten Samuel König, sowie mit dem ebenfalls separatistisch gesinnten Pfarrer Heinr. Reitz zu Homburg v. d. Höhe in Verbindung, mit denen er im Herbst 1699 nach Herborn zurückging und dort auf dem Rathhause Versammlungen hielt. Doch wurde er im November desselben Jahres auf das Schloß in Marburg in Haft gebracht. Hier befiel ihn 6 Monate später der tobsüchtigste Wahnsinn, in welchem er sich wiederholt entleiben wollte, so daß der vielbesprochene Mann nun plötzlich der Gegenstand allgemeinen Mitleids und selbst öffentlicher Fürbitte ward. Doch genas er bald wieder und am 12. Juli 1700 wurde er seiner Haft entlassen und nach Eschwege verwiesen. Hier sah H. endlich ein, daß er auf Irrwegen wandelte, sprach daher in Briefen, die er im December 1700 an den Landgrafen Karl, 1702 auch an den Grafen von Nassau richtete, seine Reue aus und erklärte öffentlich seine Rückkehr zur reformirten Kirche durch Theilnahme an deren Abendmahlsfeier. Uebrigens blieb H. seinen Gedanken von der Nothwendigkeit einer Reform der verderbten Kirche, von dem 1000jährigen Reiche und von dem mystischen Sinn des Schriftworts treu, was durch die von ihm in Gemeinschaft mit dem geistlichen Inspector Scheffer zu Berleburg 1712 herausgegebene „Mystische und prophetische Bibel“ oder „Marburger Bibel“ bewiesen wird. Die letzte Zeit seines Lebens (1708 bis 29) brachte er mit einem jährlichen Gnadengehalte in Marburg und Kirchhain zu.

Vgl. Hochhuth, H. Horch und die philadelphischen Gemeinden in Hessen. Gütersloh 1876.