ADB:Hörburger, Hans

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Artikel „Hörburger, Hans“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 124, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:H%C3%B6rburger,_Hans&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 13:08 Uhr UTC)
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Hörburger: Hans H., Plagiarius des Sebast. Brant’schen Narrenschiffes. Wer und was dieser litterarische Betrüger gewesen sei, ist bis jetzt verborgen und das Dunkel über ihn aufzuhellen selbst Zarncke nicht gelungen. Das Wenige, was sich über seine Persönlichkeit sagen läßt, theilt er selbst ganz offenherzig in der Vorrede seines Buches mit, wo er sich nennt „Kön. Maij. zu Hungern vn Behaijm etc. Diener Hans Hörburger von Fiessen (Füssen), yetz zu Schwangow“ und sein Buch ist gewidmet „seinen günstigen Junckherren Heinrichen vnd Jörgen von Schwangow, gebrüdern zu Hohen Schwangow, vnd zum Schwanstain, zum Newen Jare begaben“; datirt „aus Schwangow im Dorff Ewer behausung 1531“. Sein Gedicht, gedruckt durch Heinrich Stayner in Augsburg 1531 als „Ain nützlich Büchlin, so Reymsweyß gestellt …“ und 1540 von Cammerlander von Mainz zu einer neuen Bearbeitung des ächten Narrenschiffs als Grundlage benutzt, ist seines vielversprechenden Titels „auß vil alten Historien zusammenbracht“, nichts weiter als eine plagiarische Blumenlese aus des Seb. Brant’s Narrenschiff vom J. 1494. Der Autor hat zu diesem Zwecke eine Anzahl ihn besonders ansprechender Stellen unter 88 Loci zu je 8 Zeilen gebracht und nach Willkür hier und da und dann in der Regel plumpe Interpolationen sich erlaubt, wobei Brant’s Namen oder eine sonstige Quelle nirgends genannt wird. Die Titel seiner Loci, deren in der Regel drei auf jeder Seite, sind meistens jene der Kapitel-Ueberschriften Brants selbst. Als ausschließliches Eigenthum des Verfassers verbleibt sonach nur Titel und Dedication. Da vom J. 1512 an die Theilnahme für das ächte Narrenschiff lange Zeit (bis 1540) ruhte und das Interesse anderen litterarischen Erzeugnissen sich zugewendet hatte, so läßt es sich bei dieser zeitweiligen Vergessenheit des Werkes einigermaßen erklären, daß Hörburger’s Plagiat nicht schon zu jener Zeit entdeckt wurde, ja daß dasselbe als solches sogar Meusebach verborgen blieb und erst durch Zarncke 1854 zur Sprache kam.

Fr. Zarncke, Sebast. Brant’s Narrenschiff, S. LXXXVI LXXXIX. CIX. Heyse, Bücherschatz 1593.