ADB:Hubert

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Artikel „Hubert, Bischof von Lüttich“ von Oswald Holder-Egger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 260–261, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hubert&oldid=2498415 (Version vom 28. Mai 2017, 01:11 Uhr UTC)
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Hubert, Bischof von Lüttich (ca. 700–728). Als zu Anfang des achten Jahrhunderts Bischof Lambert von Maastricht, dem damaligen Bischofssitz der alten Diöcese Tongern, ermordet war, wurde Hucbert oder Hugbert, wie der Name damals lautet, sein Nachfolger, wie es scheint durch canonische Wahl. Wir dürfen annehmen, daß er vor 670 geboren ist. Von seiner Abstammung wissen wir nichts, von seinem Vorleben nur, daß er verheirathet war und einen Sohn Florebert hatte, der ihm auf dem Lütticher Bischofsstuhl folgte, ferner daß er seines Vorgängers Lambert Schüler war. Zwar weiß die spätere Legende zu berichten, daß er von vornehmer Abkunft in Aquitanien geboren, ein Neffe der heiligen Oda, unter König Theoderich III. Pfalzgraf und ziemlich weltlichen Sinnes gewesen sei. An einem kirchlichen Feiertage sei ihm auf der Jagd ein Hirsch mit dem Kreuzeszeichen zwischen dem Geweih erschienen; hierdurch und durch eine himmlische Stimme zur Buße bewegt, habe er sich zum Bischof Lambert, endlich nach Rom begeben und sei dort von Papst Sergius I. (687–701), der in nächtlicher Vision von Lambert’s Tode und Hubert’s Ankunft unterrichtet worden, zum Bischof von Maastricht geweiht. Das gehört alles der Sage an. Die gelehrte Fabel, wie sie im 14. und 15. Jahrhundert blühte, hat dann noch viel hinzugethan. Sie kennt den Vater des H., einen Herzog Bertrand von Aquitanien, der nie existirt hat, seine Mutter Hugberna, seine Gemahlin Floribana – man sieht, daß die Namen der Frauen nach denen ihrer Söhne gebildet sind –, sie construirt eine Verwandtschaft dieser Familie mit dem Merowingischen Königshause und dem ähnliches mehr. Für uns steht nicht einmal das Jahr fest, in welchem Lambert ermordet und H. sein Nachfolger wurde. Spätere Quellen geben die Jahre 698, 701, 708 an. Das letztere zumeist angenommene scheint ganz unmöglich. Unseres Erachtens darf Hubert’s Amtsantritt nicht über das J. 701 hinaus vorgeschoben werden. Als Bischof erbaute H. in Lüttich, einem damals unbedeutenden Ort, zu Ehren seines Vorgängers Lambert und an dem Orte, wo dieser ermordet worden war, eine sehr große Kirche und ließ sie prächtig ausschmücken. Die Mittel dazu wurden theilweise durch Beisteuern der reichen Diöcesaneingesessenen aufgebracht. Nachdem sie fertig gestellt war (sie wird in gleichzeitiger Quelle schon im J. 714 erwähnt), übertrug H. im 13. Jahre seiner Prälatur in diese Kirche von Maastricht die Gebeine seines Vorgängers, der bereits als Märtyrer verehrt wurde. An diese Uebertragung knüpft die spätere Tradition die Verlegung des Bischofssitzes der Diöcese von Maastricht nach Lüttich. Offenbar mit Recht. Denn wenn sich auch eine bewußte und förmliche Uebertragung durch H. nicht nachweisen läßt, so blieb Lüttich doch thatsächlich seitdem Bischofssitz, die St. Lambertskirche wurde fortan als Kathedralkirche der Diöcese betrachtet. H. selbst scheint in Lüttich seinen beständigen Wohnsitz genommen zu haben. Auch baute er daselbst außer jener großen eine zweite Kirche am Fuße des Publicus-mons, die er den Aposteln und vornehmlich dem heiligen Petrus weihte, auch nach einer späteren Nachricht mit Schenkungen bedachte. Wenn freilich Anselm in seiner Geschichte der Lütticher Bischöfe meldet, H. habe der neuen Metropole Stadtrecht verliehen und Maße und Gewicht bestimmt, so ist das eine Uebertragung späterer Verhältnisse auf eine Zeit, in der das unmöglich war. Jedenfalls verdankt aber diese Stadt dem heil. H. ihr Erstehen zu Bedeutung und Größe. Der alte zeitgenössische Biograph schildert H. als einen Mann voll echt christlichen Sinnes, voll milden Erbarmens gegen Bedürftige und Leidende, stets bereit dem Schwachen gegen den Mächtigen zu helfen, thätig für die Verbreitung christlicher Gesinnung in seiner Diöcese, namentlich durch Predigt und Visitation der Kirchen und Klöster. Besonders bemühte er sich um Ausrottung der Reste des Heidenthums in den Ardennen, in den Gauen Toxandrien und Brabant. Nachdem er eine Kirche im Brabantergau geweiht [261] hatte, erkrankte er und starb einige Tage darauf im J. 728 (wahrscheinlicher als 727) auf der Rückreise nach Lüttich im Dorfe Tervueren zwischen Löwen und Brüssel. Seine Leiche wurde in der St. Peterskirche zu Lüttich beigesetzt. Als Todestag wird der 30. Juni angegeben, doch stimmt damit nicht die Angabe der alten Vita, daß er an einem Freitag starb. Die Kirche feierte sein Fest am 3. November, doch versichert eine Lütticher Quelle, daß dieses der Tag der Elevation sei. Nämlich im J. 744 (wahrscheinlicher als 743) wurden in Gegenwart des Major Domus Karlmann die Gebeine des Heiligen aus ihrem früheren Grabe erhoben, – es ist das die alte Form der Anerkennung der Heiligkeit eines Verstorbenen. Im J. 825 wurde sein Körper durch Bischof Waltcaud von Lüttich nach dem Kloster Andoin in den Ardennen, das nach ihm später St. Hubert genannt wurde, übertragen. Der heilige H. galt wegen des oben erwähnten, auf der Jagd ihm angeblich passirten Wunders als Schutzpatron der Jäger und des Waidwerks. Ein Jagdwunder findet sich auch unter den Mirakeln, die er an seiner neuen Ruhestätte that.

Die älteste von einem Lütticher Kleriker und jüngeren Zeitgenossen des Heiligen nach 744 verfaßte Vita ist herausgegeben von W. Arndt, Kleinere Denkmäler aus der Merowingerzeit (Hannover 1874), S. 48–70. Da sie in höchst barbarischer Sprache geschrieben ist, überarbeitete sie kurz nach 825 Bischof Jonas (von Orléans?) und fügte die Erzählung der Translation von 825 hinzu. Edirt von Surius, Vitae sanct. prob. (ed. Colon. 1575) VI. 45–56; Roberti, Historia S. Huberti (Luxemburgi 1621, 4°) S. 20–71; die Translatio auch bei Mabillon, Acta SS. ord. Bened. IV. 1. 293–297, und Arndt a. a. O. S. 77–82. Der Libellus de conversione S. Huberti comitis, postmodum episcopi Leodiensis bei Roberti S. 3–11 ist erst zwischen 1060 und 1120 geschrieben und durchaus fabulos. Die Miracula bei Roberti S. 72–112 und Mabillon a. a. O. S. 297–305. Einzelne Notizen liefern Gottschalk’s Vita S. Lamberti, Acta SS. Boll., Sept. V. 580 und spätere Lütticher Geschichtsquellen. Die Nachrichten, welche Roberti S. 166–168 und Hartzheim, Concil. Germ. I. 32, 33 über drei von H. abgehaltene Synoden, darunter Canones einer angeblich am 29. April 710 zu Lüttich versammelten Synode, beibringen, sind apokryph. – Aus der zahlreichen Litteratur ist nur Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlands, I. 560–562 und J. Friedrich, Kirchengeschichte Deutschlands, II. 335–338 erwähnenswerth.